03c/2007
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168. Elazar Benyoëtz 70

Unter diesen Rückkehrgeschichten ist die des Elazar Benyoëtz wohl die rätselhafteste. Denn Benyoëtz, der vor siebzig Jahren, am 24. März 1937 in Wiener Neustadt geboren wurde und 1939 mit seinen Eltern nach Tel Aviv entkam, wuchs zunächst mit Haut und Haar ins Hebräische hinein und war 25 Jahre später schon ein erfolgreicher israelischer Lyriker. Der Bruch kam, als er sich 1969 nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz und in Berlin entschloss, in Deutsch weiterzuschreiben, in einer Sprache, die er nie regelrecht gelernt hatte, und in einem neuen Genre, dem Aphorismus, der in Deutschland damals einem verödeten Acker glich.

Wem Benyoëtz" sprachmächtiger und traditionsbewusster Einbruch in diese Leere zugedacht war, ist vermutlich nie richtig klar geworden. In Israel empfanden ihn viele als Ärgernis, im sprachverzagten, bildungsskeptischen Deutschland viele als Kuriosum oder als bare Überforderung. Benyoëtz, der Wortmagier, blieb ein Solitär und sein Publikum klein und erlesen: "Die Freunde des Dichters machen seine Lesbarkeit aus." ...

Die schicksalshafte jüdische Affinität zum Deutschen begründet Benyoëtz gern mit dessen Formung durch die Luthersche Bibelübersetzung, die das klassische Deutsch von Mendelssohn bis Nietzsche wie eine Quasi-Provinz des Hebräischen erscheinen lasse ("ein Erzjude, dicht am Herzklopfen Luthers").

In der Gottesferne der Gegenwart ist für Benyoëtz davon allerdings nur noch die aphoristische Zweifelrede des salomonischen Predigers (Kohelet) vertrauenswürdig geblieben. "Den Boden unter den Füßen verloren, sucht er nach dem Grund." Als jüdischer Dichter macht Elazar Benyoëtz daraus die Endlos-Suche nach den verborgenen Mehrfachbedeutungen des deutschen Wortes, nach dessen Widerspruchscharakter. Kein anderer hat diesem "trauernden" Idiom so viel abgehört wie er. / CONRAD WIEDEMANN, SZ 24.3.

In L&Poe: 2004 Mrz #86. NZZ-Zeitschriftenlese 1: Deutsch nach Auschwitz; 2005 Jul #29. Findekunst


167. Zenähnliche Harmonie

Als ich Elizabeth Smither beim Kuala Lumpur International Literary Festival (Klif07, March 28-30) Gedichte lesen hörte, war ich bezaubert von der Leichtigkeit, mit der sie die Worte artikulierte. Eine zenähnliche Harmonie... - Das schreibt Kadek Krishna Adidharma (Indonesien) über die neuseeländische Poet(esse) laureate. / Malaysia star, Kuala Lumpur


166. Margarete Hannsmann ist tot

Die Autorin Margarete Hannsmann ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in Stuttgart an Herzversagen gestorben.

Nachrufe: Eßlinger Zeitung 31.3.


165. Lyrische Schweiz

Poesie lebt vom freien Blick über die Grenzen. Seit Jahren gibt es im deutschen Weinbaustädtchen Edenkoben (Rheinland-Pfalz) eine von Gregor Laschen begründete, von Hans Thill kompetent fortgeführte Initiative, die man nicht genug loben kann: «Poesie der Nachbarn - Dichter übersetzen Dichter». Alljährlich treffen sechs deutsche Lyriker auf eine gleiche Anzahl von Gästen aus den europäischen Nachbarländern, wobei Nachbarschaft grosszügig ausgelegt wird: Gemeinsame Grenzen sind nicht gefordert. Während einer Woche tauscht man sich aus, liest eigene und fremde Texte und übersetzt. Die Ergebnisse des gebändigten Übertragungsfurors werden in schönen Büchern des Heidelberger Wunderhorn-Verlages veröffentlicht, unter witzigen Titeln wie «Leb wohl lila Sommer» (Gedichte aus Russland), «Wozu Vögel, Bücher, Jazz» (Gedichte aus England) oder «Vorwärts, ihr Kampfschildkröten!» (Gedichte aus der Ukraine).

Im neuesten Band ist die Schweiz an der Reihe, naturgemäss jene, die man auf Deutsch übersetzen muss oder darf: Gedichte aus der französischen, italienischen, rätoromanischen Schweiz. Das Buch ist ein besonderer Blick von Deutschland aus auf die lateinische Schweiz. Der Herausgeber zitiert mit Bedacht Hölderlins Hymne «Der Rhein», die auch von den «Brüdern, dem Tessin und dem Rhodanus» spricht. Der Geist der Anthologie ist wohltuend unpathetisch: Es geht um das präzise Handwerk inspirierten Übersetzens, um eine bunte Werkstatt. Die Resultate dürfen sich sehen lassen. Aber ja doch, la Suisse existe! Auch die lyrische. / Ralph Dutli, NZZ 31.3.

Hans Thill (Hrsg.): Das verborgene Licht der Jahreszeiten. Gedichte aus der Schweiz. Leta Semadeni, Alberto Nessi, Antonio Rossi, Frédéric Wandelère, Pierre Voélin, Claire Genoux, übersetzt - nach Interlinearversion von Martin Zingg - von Jan Koneffke, Nadja Küchenmeister, Johann Lippet, Sabine Schiffner, Jürgen Theobaldy, Hans Thill. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2007. 176 S., Fr. 34.90


164. C'est mon Dada

Der Verleger und Buchkünstler Francis van Maele startet in seiner irischen Redfoxpress eine neue Reihe mit internationaler visueller und experimenteller Poesie C'est mon Dada, die er selber in Handarbeit herstellt.

Zum Auftakt erschienen sieben Bände:

KLAUS PETER DENCKER
"Vers t ehen - Squares & sequences"

PIERRE GARNIER
"Chretiens"

THEO BREUER
"Word Theatre"

LUC FIERENS
"Gunpowpoems"

JUERGEN OLBRICH
"Postcards-Corrections"

JOHN M. BENNETT
"Nos"

40 Seiten, 15 euro / 20 US $ / 10 UK Sterling

REDFOXPRESS
Francis Van Maele
Dugort, Achill Island, County Mayo, Ireland


163. Genialisch verkannt

Es gibt so genialisch verkannte Dichter in Österreich, dass nur ich sie kenne - und Peter Handke. Zu einer Zeit, als der heute weltberühmte Handke noch aussah wie der Rauhhaardackel meiner Nachbarin, also Mitte der 60er Jahre, gesellte sich nach einer Lesung in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur ein rastloser Physikstudent an die Seite des aufgehenden Stars. Die beiden Jünglinge tranken noch ein Bier miteinander, gaben sich gegenseitig gute Ratschläge fürs Leben und sahen sich nie wieder, bis . . . ja, bis 37 Jahre später der eine Peter dem anderen Peter einen Brief schrieb und diesen einen schmalen Gedichtband beilegte.

Natürlich konnte sich Handke nicht mehr an diesen einen von seinen abertausenden Lesern, Fans und Autogrammjägern erinnern. Doch der zum mächtigen Dichterfürsten Aufgestiegene schlug die Seiten des Buches auf und klappte den Deckel erst wieder zu, als er das Werk des vergessenen Bierkumpanen aufmerksam zu Ende gelesen hatte. Das dürfte wohl das Höchste sein, was sich ein keuscher Neuling von einem Poeten dieses Kalibers erhoffen darf.

Peter Maria Schuster wurde 1939 in Wien geboren, wuchs, wie er sagt, "zwischen Altar und Straße" auf, wurde im Knabenalter von einem Seelsorger sexuell missbraucht, riss von Zuhause aus, düste mit einem Moped bis Marokko. Zurück kehrte er, nach einem Stopp in einem spanischen Kloster, mit einem unstillbaren Interesse für Hasenörl, Hölderlin und Heine, also für die wagemutigsten Dichter und Denker des 19. Jahrhunderts. / Wolfgang Koch, Wiener Zeitung 30.3.

http://www.petermschuster.at

Peter Maria Schuster: Und was geschieht mit dem Licht? Physiker, Dichter und andere Reisende. Living Edition, Wien - Pöllauberg - Hainault/UK, 2006.


162. Doris Runge

Bei der sh-z schreibt Stephan Opitz über

Doris Runge, die dreizehnte. Gedichte, dva, 88 Seiten, 14,95. EU

Vgl. hier


161. Ferlinghetti-Ausstellung

Eine Ausstellung von Gemälden und Zeichnungen des amerikanischen Beat-Poeten und Verlegers Lawrence Ferlinghetti fand in Prag statt. Bericht bei Radio Prag mit Abbildungen (engl.)


160. Gegensätzliche Seelenzustände

Trotz ihrer kindlichen Einfachheit enthalten die "Songs of Experience" von William Blake mit ihren revolutionären Untertönen einige der subversivsten Zeilen in der englischen Lyrik, sagt Tom Paulin, Guardian 3.3. Blake sagte einmal: "Ohne Gegensätze kein Fortschritt", und seine Sammlungen "Songs of Innocence" und "Songs of Experience" waren Teile eines Projekts, wie ein Gemälde mit Licht und Schatten. Als er beide zusammen veröffentlichte, versah er sie mit dem Untertitel: "Zwei gegensätzliche Zustände der menschlichen Seele".

Blake in L&Poe: 2001 Apr (Hannibal Lecter mailed him); Mai; Aug #14. Literaturlandschaft Südtirol / #32. Tobias Döring bespricht; Sep; Dez (Dieses Buch lese ich lieber nicht! / Kerouac was Raskolnikov); 2002 Feb (Blake wiedergefunden); Apr (William Blake); 2003 Sep (Ginsbergs "Kaddish" im Theater); 2004 Mrz #34. Urgency; Apr #71. No Bushido; Jun #9. Zustandsbericht. Bewegungsmelder; Okt #66. Muß man Blakeaner sein; Dez #104. Einbruch in eine urmännliche Angelegenheit; 2005 Jan #95. 450 Musiker spielen Blake; Aug #75. Wenn Patti Smith; Sep #100. Kein Fielding; Nov #77. Vorsicht, Schwindler!; 2006 Jan #78. Drei Sätze; Feb 40. Blake Found & Lost; Apr #3. "Poets' Picks"; Apr #103. Baldaus; Mai #8. Gerade mal 7 Millionen; Mai #94. Geisterbegegnungen; Sep #3. Happy Fly; 2007 Jan #64. Blakes Notizbuch; 2007 Feb #43. Das ist die Meinung von Will Blake!; 2007 Feb #52. Die Freundschaft


159. Dichterwettstreit der Millionen

Äußerlich sieht die Fernsehshow wie eine westliche Talenteshow aus, mit viel Glitter, hübschen langbeinigen Moderatorinnen, riesigen Videoleinwänden und einer in lila Licht getauchten Drehbühne. Das Publikum drückt auf den Knopf, um seinen Lieblingsperformer zu wählen, aber letztlich wird der Sieger von SMS-Botschaften der Zuhörer bestimmt - geschätzte 17 Millionen aus der gesamten arabischen Welt.

Aber statt der gewohnten Rhythm&Blues-Balladen und Liedern aus dem Broadway-Songbook tragen die Teilnehmer aus allen arabischen Ländern eigene Gedichte vor, verfaßt in traditionellem Beduinenstil, genannt Nabati, aus dem vierten Jahrhundert. Auch die Juroren sind anders: respektable Wissenschaftler und Dichter, die Metrum und Bildlichkeit der vorgetragenen Texte ganz ernsthaft erörtern.

Dieser "Dichterwettstreit der Millionen" findet in Abu Dhabi statt und ist Teil einer kulturellen Offensive, gesponsert von Kronprinz Mohammed bin Zayed Al-Nahyan, die Museumsprojekte, Buchpreise, Anreize für Verleger, sich in Abu Dhabi niederzulassen, ebenso einschließt wie die Internationale Abu Dhabi-Buchmesse, ein Joint Venture mit Frankfurt. / Der Guardian 30.3.


158. Akademie der Künste verleiht F.-C.-Weiskopf-Preis 2007 an Richard Anders

Der diesjährige F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste wird dem Berliner Lyriker, Prosaautor, Essayisten und Übersetzer Richard Anders verliehen. Mit dem Stiftungspreis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, deren Werk sprachkritisch und sprachreflektierend akzentuiert ist. Der 1928 in Ortelsburg, Ostpreußen, geborene und in Berlin lebende Richard Anders hat mehrere Bände mit Gedichten, Kurzprosa, Erzählungen, einen Erinnerungsband an Hans Henny Jahnn, einen Essayband, "Wolkenlesen“, und einen autobiographischen Roman verfaßt. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am 29. Juni im Akademie-Gebäude am Hanseatenweg verliehen.

Ingomar von Kieseritzky, Karl Riha und Thomas Kunst, der letzte Preisträger, bildeten die unabhängige Jury für den F.-C.-Weiskopf-Preis 2007. In ihrer Begründung heißt es: "In seinen Gedichten und der lyrischen Prosa begegnen uns groteske und traurige Spielstätten aus Verrücktheit und welthäuslicher Vernunft, die uns unseren Alltag transparent erscheinen und mit logischer Verwunderung wahrnehmen lassen. In einer Sprache aus begnadetem, gebändigtem Allerleirausch und einer filigranen Vorstellungskühnheit beweist er uns, wie töricht es ist, zu glauben, eine surreale Aneignung der Welt müsse jeglicher Erkenntnisnähe entbehren.“

Richard Anders lehrte nach seinem Studium der Germanistik in Münster/Westfalen und in Hamburg Deutsch an den Universitäten Athen und Zagreb. Danach war er ab 1965 als Archivlektor für den "Spiegel“ und "Die Welt“ tätig. Seit 1970 lebt er in Berlin, seit 1971 als freier Schriftsteller und Übersetzer.

Er publizierte sechs Gedichtbände, zuletzt "Die Pendeluhren haben Ausgangssperre – Ausgewählte und neue Gedichte mit Collagen des Autors“, 1998 in der Edition Galrev, sowie drei Bände mit Kurzprosa und kurzen Erzählungen, darunter "Zeck-Geschichten“ 1979 in den LCB-Editionen, 1999 erweiterte Neuausgabe bei Galrev. Ein 1981 bei Ullstein publizierter Roman "Ein Lieblingssohn“ ist unter dem Titel "Klackamusa“ 2004 in der KairosEdition, Luxembourg, in überarbeiteter Fassung neu erschienen. In "Marihuana Hypnagogica“, Protokolle, 2002 bei Galrev herausgekommen, versucht der Verfasser praktisch anzuwenden, was er im Essayband "Wolkenlesen“ (Über hypnagoge Halluzinationen, automatisches Schreiben und andere Inspirationsquellen, 2003, Verlag des Wiecker Boten) theoretisch erörtert hat.

1998 erhielt Richard Anders den Wolfgang-Koeppen-Preis der Hansestadt Greifswald.

Hier die Begründung der Jury:

Wir freuen uns, einen großartigen Dichter mit dem F.-C.-Weiskopf-Preis zu ehren, einen Dichter, der seit einigen Jahrzehnten Texte vorlegt, die in Deutschland ihresgleichen suchen, Gedichte und lyrische Prosa, in denen vor allem die natürliche menschliche Geste, das Verlorenheitsglück und ein treues Verlangen nach Schönheit und Halluzination als klare, unverfälschte Überlebenssignale bewahrt werden, in einer Sprache aus begnadetem, ideenverruchtem Allerleirausch und einer filigranen, psychedelischen Vorstellungskühnheit. Diese gebändigte, nie ausufernde Poesie ermöglicht es uns, den grotesken und traurigen Schattierungen von Verrücktheit, Alltag und Wahn in erkenntnisvirtuoser Weise vital und anlehnungsbedürftig zu begegnen. An dieser Stelle muss auch einmal Erwähnung finden, dass Richard Anders einen beträchtlichen Teil seiner Bücher im Berliner Druckhaus Galrev veröffentlicht hat, einem Verlag, der seit seinem Bestehen exzellente Bücher verlegt hat, die von der hiesigen Literaturkritik mit ignoranter Sorgfalt bis heute übersehen werden. Richard Anders wurde vom Jury-Mitglied Ingomar von Kieseritzky für diesen Preis vorgeschlagen. Die letzten Worte aber gehören dem Dichter: " Was übrig bleibt, sind winzige Zimmer, in denen Menschen- und Ziegenköpfe darüber nachdenken, wie es weitergeht. Das Übrige kriecht blind herum, giftlos und ohne den funkelnden Splitter der Zauberei im Auge." Herzlichen Glückwunsch, lieber Richard Anders ! November 2006

Richard Anders in L&Poe: 2001 Jan (Pflasterstein); Mrz (Die Literaturzeitschrift "Wiecker Bote"); Dez (Wolkenlesen); 2002 Mrz (Lyrik in ausgewählten Zeitschriften); Sep (Neuerscheinungen der Verlage); 2003 Apr (Café 2: Oskar Kanehl); Mai (Soeben erschienen / Beat Poet, Surrealist, Creative Chameleon / Wolkenlesen); Jun (René Char und der Surrealismus); Dez (Mariella Mehr); 2004 Feb #73. K.O. Götz 90; Mrz #14. Wolkenlesen: Jun #75. Koeppenpreis an Ludwig Fels; 2005 Sep #102. Greifswalder Kulturnacht; 2006 Feb #51. Dichterleben / #68. Aus gegebenem Anlaß; Dez #16. Richard Anders liest in Dresden / #24. Autsch!; 2007 Jan #10. Bilderregen / Surrealismen; 2007 Jan #109. Loschütz denunziert Braun und die Akademie; 2007 Feb #15. Traum vom Tod Georg Heyms


157. Wie geschaffen für die Poesie

Valzhyna Mort ist 26, Dichterin aus Minsk mit Wohnort Washington. Sie empfindet Belorussisch als wunderbar musikalische Sprache, wie geschaffen für die Poesie. Auf Einladung des Literarischen Colloquiums Berlin las sie auf der Leipziger Buchmesse mit weiteren Autoren aus Belorussland und der Ukraine unter dem Motto "European Borderlands – Draußen vor der Tür". Beim MDR ein Gespräch mit ihr und Links zu Texten. Sie spricht u.a. über das Sprachproblem: Belorussich, Russich - und Englisch. Hier eine andere Antwort:

In Deutschland ist Poesie nicht gerade populär. Wie ist das in Belorussland?

Ich glaube nicht, dass das Attribut "populär" zu Poesie passt. Sie ist entweder gut oder schlecht, es kommt nicht darauf an, ob sie populär ist oder nicht. Es gibt Leute, die nach ihr suchen und sie auch finden. Ich glaube, dass zum Beispiel das Poesiefestival Berlin ein großes Publikum erreicht. Das Goethe-Institut in Minsk erweist der Dichtung große Unterstützung. Das Online-Projekt "Lyrikline" hat Tag für Tag eine beeindruckende Zahl von Zugriffen und bietet zugleich eine Riesenauswahl an Dichtung aus vielen Ländern. Es wird immer Menschen geben, die abends vorm Einschlafen in einem Gedichtband lesen. Sie müssen nur das richtige Buch für ihren augenblicklichen Seelenzustand finden.

(Bei lyrikline gibt es Texte von ihr, mehrsprachig)


156. Prager Franz-Kafka-Preis an Yves Bonnefoy

Der französische Lyriker Yves Bonnefoy (83, "Die gebogenen Planken") erhält in diesem Jahr den mit 10.000 US-Dollar (7.492 Euro) dotierten tschechischen Franz-Kafka-Literaturpreis. Die Auszeichnung werde dem Schriftsteller Ende Oktober in der tschechischen Hauptstadt verliehen, teilte die Prager Franz-Kafka- Gesellschaft am Donnerstag mit.

Die internationale Jury, zu der auch der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gehört, habe Bonnefoy unter 15 Kandidaten ausgewählt. / Der Standard 30.3.

Bonnefoy in L&Poe: 2001 Mai; 2004 Jul #73. Die sieben Gedichtbände; 2005 Jun #81. Nachricht aus Rom; Sep #50. Ein Kolloquium über Yves Bonnefoy; 2006 Mrz #126. Künftige Buddhas; 2006 Jul #23. Bis zum Endspiel; Okt #19. Alain Lance ausgezeichnet


155. Dichtender Demokrat

Wer schreibt nicht als Teenager Gedichte? Es ist ein Übergangsritus wie der erste Kuß oder das erste Glas Bier, sagt der Lyriker Ian McMillan. Anlaß: Zwei Gedichte des 19jährigen Barack Obama aus einem Studentenmagazin "kamen ans Tageslicht". Lesen Sie im Guardian vom 29.3., was ein Kollege von dem jungen Dichter hält, der sich (gereift, also wohl unlyrisch) anschickt, der erste schwarze Präsident seines Landes zu werden. "Pop" und "Underground" heißen die Gedichte und scheinen auf alle Fälle nicht undiskutabel (die Zeitung druckt sie mit ab).


154. Picassos Gedichte

Dass Pablo Picasso auch geschrieben hat, war bisher nur wenigen bekannt, informiert* die Deutsche Verlags-Anstalt.

So beginnt eine Annotation der Berliner Literaturkritik vom 27.3. zu einer Ausgabe von Picassos Gedichten, genauer "etwa einhundert der bedeutsamsten und schönsten Gedichte". Wer auch immer das befunden hat. Leider erfährt man nichts darüber, ob die Ausgabe zweisprachig ist. Das wäre eine Information, die eigentlich auch für die Verkaufsabteilung der Verlage interessant wäre. Mein Buchhändler ist Zeuge, wie oft ich ein Buch nicht bestellt habe, weil den Anzeigen (bei buchhandel.de oder den Verlagswebseiten) elementare Informationen fehlten.

* informiert? Nana, das ist nur die übliche Werbeprosa! Attribute wie unbekannt, verkannt, vergessen gelten natürlich immer und für alles, was der Betrieb gerade nicht hochhält. (Gewöhnlich schmücken wir damit einzelne der bei Lebzeiten ignorierten Autoren postum). Einzelne Gedichte von Picasso erschienen in Anthologien wie: Anthologie der Abseitigen (1946, Taschenbuchausgabe 1990), Dichtung moderner Maler (1956), Das surrealistische Gedicht ("Surrealismusziegel", 1985). Mindestens ein Drama ist als Buch gedruckt.

PICASSO, PABLO: Gedichte. Mit einem Vorwort von Michael Androula. Originaltitel: Poèmes. Aus dem Französischen von Holger Fock. 192 S., 14,95 EU

Picasso bei L&Poe: 2003 Apr # Meine Tippe überfüllt die Lyrik; 2005 Dez #39. Beeinflußbar; 2006 Jul #46. Gertrude Stein hat die Luft gemalt; 2006 Nov #115. Zum Auftakt; 2007 Mrz #74. Veranstaltungen zur Leipziger Buchmesse (3): 22.3.


153. Kaltes, böses

»In der Sünder schamvollem Gewimmel oder was Eugen Berthold Friedrich in Augsburg so alles gedichtet und gesungen hat«. So heißt das Brecht-Programm der sechsköpfigen Thüringer Rock-Band »Emma – männlich« aus Bleicherode. ND sprach mit Bandleader Matthias Müller anläßlich der Wiederaufführung am 9.4. (Kino Babylon Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz). Was ist Brechts frühe Lyrik?

Kaltes, böses. Die Sprache ist charmant und brutal, und charmant und brutal ist auch die Haltung des Dichters: Vorsicht vor jeder Ordnung, Mut zur Kritik, und die List, sich durchzuschlagen, ist ein schönes Talent.


152. Knacksetzer, Kaufkitzler

Das Deutsche muss vor seinen Beschützern geschützt werden

Das meint Jens Bisky in der Süddeutschen vom 21.3. und gibt Beispiele wie dieses:

So sucht der "Verein deutsche Sprache e.V." im Rahmen der Aktion "Lebendiges Deutsch" eine Entsprechung für "Spam". Für "Slogan" hat man vor kurzem aus 298 verschiedenen Angeboten den "Spruch" ausgewählt. Allerdings waren auch "Knacksatz" und "Kaufkitzel" in der engeren Wahl. Ein Königreich für solche Sorgen.

Ja, und jeder, der nicht Fachmann für Sprachschutz ist, weiß doch, daß Spruch und Slogan nicht dasselbe ist. Bisky hat Recht:

Entsetzlich sind jene Entwicklungen, die mit "Call a bike" und "Online-Banking" nichts zu tun haben, die sich schleichend durchsetzen und inzwischen alle Zeitungen sowie die Bücher großer Verlage verunzieren. Dazu gehören etwa das schlampige "nicht wirklich", das widerwärtige "einmal mehr", das blöde "Sinn machen", das gespreizte "Es war der Mann, der sagte", die Tendenz zum "Sie ging nach Hause, weil er war ein toller Typ", die "1980er Jahre" und dergleichen mehr. Nicht das Englische, sondern Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit schaden - wie in all den vergangenen Jahrhunderten auch.


151. Dichterschule

Ohne Feste und Feiern begeht die Wiener Schule Für Dichtung ihr 15-Jahr-Jubiläum. Im Vordergrund stehen stattdessen die "Datenrettung" und die Digitalisierung des Archivs, die Fortführung der Gespräche betreffend die "Akademie für Sprachkunst" sowie Poetryshows in Kooperation mit dem Schweizerischen Literaturinstitut und Reflexionen zur Lehr- und Lernbarkeit von Literatur, zur Entwicklung des Verhältnisses von Schrift und Multimedia in Kooperation mit der Prager Literatur-Akademie.

Das erste Mal an die Öffentlichkeit getreten ist die Schule für Dichtung im April 1992, unterstützt von Allen Ginsberg und Anne Waldman (Kerouac School, Boulder, USA), Huynh Khai Vinh (Literaturinstitut Nguyen Du, Hanoi) und Helmut Richter (Johannes R. Becher Institut Leipzig) sowie den österreichischen Autoren H.C. Artmann, Gerhard Rühm und Wolfgang Bauer. Sie haben damals die noch umstrittene Aufgabe übernommen, die "Lehr- und Lernbarkeit" von Literatur am Beispiel von Übungen, Vorlesungen und Klassen zu demonstrieren. Mitbegründer und Leiter der Schule für Dichtung ist Christian Ide Hintze. ...

Anlässlich des zehnten Todestages von Allen Ginsberg gibt es am 5. April Readings und Screenings im Wiener Schikaneder Kino... / Der Standard 29.3.

Die Wiener Schule für Dichtung bei L&Poe: 2002 Okt # Der Herbst gehört den Poeten; 2002 Okt # Wiener Schule für Dichtung 10; 2003 Feb # Über Pläne, der Wiener; 2005 Jun #32. Akademie für Sprachkunst


150. American Life in Poetry: Column 105

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE, 2004-2006

I've talked often in this column about how poetry can hold a mirror up to life, and I'm especially fond of poems that hold those mirrors up to our most ordinary activities, showing them at their best and brightest. Here Ruth Moose hangs out some laundry and, in an instant, an everyday chore that might have seemed to us to be quite plain is fresh and lovely.

 

 

Laundry

 

All our life
so much laundry;
each day's doing or not
comes clean,
flows off and away
to blend with other sins
of this world. Each day
begins in new skin,
blessed by the elements
charged to take us
out again to do or undo
what's been assigned.
From socks to shirts
the selves we shed
lift off the line
as if they own
a life apart
from the one we offer.
There is joy in clean laundry.
All is forgiven in water, sun
and air. We offer our day's deeds
to the blue-eyed sky, with soap and prayer,
our arms up, then lowered in supplication.

 

Reprinted from "Making the Bed," Main Street Rag Press, 2004, by permission of the author. Copyright © 1995 by Ruth Moose, whose latest book of poetry, "The Sleepwalker," Main Street Rag, due out in 2007. This weekly column is supported by The Poetry Foundation, The Library of Congress, and the Department of English at the University of Nebraska, Lincoln. This column does not accept unsolicited poetry.


149. In der Berliner Anthologie

der Berliner Morgenpost am 29.3. das Gedicht "kuhle wampe" von Ulf Stolterfoht.


148. Kalligraphin

Als Atatürk das arabische Alphabet verbietet, schreibt Rikkat mit den Fingern unsichtbare Gedichte auf ihr Bettlaken. Rikkat ist die Protagonistin in Yasmine Ghatas erstem Roman. Besprechung in der Berliner Zeitung vom 29.3.

Kalligraphie in L&Poe: 2001 Apr # Unter Strom im Frühlicht; 2001 Aug #8. Letzte Tinte; 2004 Aug #32. Schönheit des Arabischen; 2005 Dez #67. Tanz und Kalligraphie; 2006 Sep #90. Schüler sollen laut Gedichte lesen


147. Eichendorff im Allgäu

Am 1. April öffnet das Eichendorff-Museum in Wangen seine Türen wieder. Vor 150 Jahren (November 1857) starb Joseph Freiherr von Eichendorff in Neisse in Oberschlesien, geboren wurde er 1788 im Schloß Lubowitz bei Ratibor (auch Schlesien). Wie kommt ein "Deutsches Eichendorff-Museum" nach Wangen im Allgäu? Die Schwäbische Zeitung berichtet:

An seinem Geburtsort in Ratibor auf Schloss Lubowitz erinnert eine kleine Gedenkstätte an Eichendorff, in Wangen lebt er in "dem deutschen Eichendorff-Museum" weiter. Doch wie kam es dazu? Willibald Köhler arbeitete in den 30er Jahren in Eichendorffs Sterbehaus in Neisse am ersten deutschen Eichendorff-Museum mit, das im zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Nachdem er in Wangen eine neue Heimat fand, begann Willibald Köhler in seinem Haus am Atzenberg mit dem Wiederaufbau des Eichendorff-Museums. Er fing ganz von vorne an und sammelte bei Eichendorffs Verwandten, bei Literaturfreunden und auf Auktionen.

Im Lauf der Jahre erstand das einzigartige Museum neu, das Willibald Köhlers Sohn Meinrad und dessen Frau Ruth bis zu ihrer Pensionierung betreuten - auch noch nach der Integration des Eichendorff-Museums 1988 in die städtischen Museen.

Eichendorff in L&Poe: 2001 Jan (Lyrik in der FAZ); Feb (Eichendorff -Biografie); Aug #19. Der Deutschen liebste Gedichte; 2002 Mrz (Martin Mosebach widerspricht); Apr (Nationalphilologien); Nov (Sieben Himmel); 2004 Apr #32. "Welt"-Serie: Lyrische Motive; Jun #52. Ständchen für Kirsten, sechsfalt; Aug #9. Du nix voll mit Rosen; 2006 Mrz #36. Frankfurter Anthologie; Mai #115. Seit dem 1. Januar; Okt #67. Jacksons freeze fram


146. Österreich wie es ist

Die Autorin Angelika Reitzer (geboren 1971 in Graz) arbeitet an einem Langgedicht zum Thema Sehen und Wahrnehmung. Sie ist zu Gast bei den 23. Weidener Literaturtagen im Mai, das unter dem Motto steht: Österreich wie es ist. Die Autorin dazu: "ein kleines Land mit einem (zu großen?) Selbst(ver)(beachtungs)gefühl". An anderer Stelle einfacher: provinziell. / Der Neue Tag 28.3.

In L&Poe: 2003 Mrz # Literarischer März; 2005 Jan #97. Festtage in Berlin


145. E-Mail-Interview

Der Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt wird alle zwei Jahre vergeben und versteht sich als Auszeichnung für Nachwuchsautorinnen und -autoren. Vielen gilt er als der bedeutendste Preis auf dem Gebiet der deutschsprachigen Lyrik.

In diesem Jahr entschied sich die Jury relativ eindeutig für Christian Schloyer. Im E-Mail-Interview mit dem Titel-Magazin spricht Schloyer über den politischen Aspekt von Lyrik, über die Inspiration der bildenden Kunst und seine weiteren Pläne. / Tina Manske, Titel-Magazin (mit Leseprobe)


144. Literatur muß gefährlich sein

Aus der Auftragsarbeit des damals noch nicht 30-Jährigen ist eine der geistreichsten Studien über Gottfried Benn geworden («Gottfried Benn - Phänotyp der Stunde»), die heute noch Bestand hat. Von den Erfahrungen dieser Zeit her rührt Wellershoffs Ingrimm gegenüber der Larmoyanz heutiger Schriftsteller, die sich einen Rechtsanspruch auf ein subventioniertes Stipendiatendasein erhoffen. So sind jene Exkurse in Wellershoffs neuem Buch sehr schroff ausgefallen, in denen er sich mit dem «riskanten Beruf des Schriftstellers» beschäftigt. Da wird Wellershoff auch einmal ungerecht gegenüber einem jüngeren Kollegen. Noch viel ungnädiger geht er aber mit Gottfried Benn um. Ein halbes Jahrhundert nach seiner bahnbrechenden Studie erkennt er in der expressiv aufgeladenen Rhetorik Benns nur noch ein «Übermass an Meinungsfreude» und einen «Bussprediger alten Stils», der einer gottverlassenen Welt ihre Verderbtheit vorhält. ...

Den Grund für diese Faszination an Konstellationen des Zusammenbruchs hat er in seinem neuen Essayband lapidar zusammengefasst: «Denn Literatur muss gefährlich sein, oder sie ist belanglos.» / Michael Braun, NZZ 28.3.

Dieter Wellershoff: Der lange Weg zum Anfang. Zeitgeschichte, Lebensgeschichte, Literatur. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007. 336 S., Fr. 34.90.

In L&Poe: 2001 Feb # Friedrich-Hölderlin-Preis an Dieter Wellershoff; 2003 Sep # Drittes Internationales Literaturfestival Berlin


143. Schmerz-virtuos

Es gäbe keinen Autor, der nicht am liebsten Lyriker wäre, hat Walser einmal gesagt, eine kühne Behauptung für den Meister der nuancenversessenen Formulierungsarien. Wenn die Prosa «der erläuterte Gedanke, die erfahrene Liebe, das gesellschaftliche Leben, der Alltag» ist, wie Gaston Bachelard definiert, dann ist die Lyrik die am stärksten verdichtete Mitteilungsform, eine Gattung, die häufig mit dem Verstummen ringt. Es ist wohl kein Zufall, dass eine der 39 Balladen an «Wanderers Nachtlied» gemahnt, auch wenn die Walserschen «Umlaute der Leere» sich nicht in ein Reimschema fügen wollten. Die Ironie, die Martin Walsers Prosa auszeichnet, wird man in diesen Balladen vergeblich suchen. Doch lassen wir uns von diesem Schmerz-Virtuosen nicht täuschen: Das Tier, das «den Mond im Geweih» trägt, muss schon ein 16-Ender sein. Auch dazu darf man ihm heute gratulieren. / Andrea Köhler, NZZ 24.3.

Martin Walser: Das geschundene Tier. Neununddreissig Balladen. Mit Zeichnungen von Alissa Walser. Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007. 90 S., Fr. 29.90.


142. Lebensgefährliche Dichtung

Über eine andere Art von Lebensgefahr (vgl. #141), eine "westlichere", die auf der freien Entscheidung eines Einzelnen beruht, schreibt Michael Braun heute in der NZZ:

Er gehörte zu den leidenschaftlichen und kompromisslosen Dichtern, denen auf Erden nicht zu helfen war. «Dichtung ist heute ein lebensgefährliches Beginnen», hatte er 1951 in einem seiner visionären Poesie-Manifeste verkündet. Dass dieser Satz wörtlich zu nehmen war, zeigte sich drei Jahre später. Der gerade 27-jährige Rainer Maria Gerhardt, der genialische Kopf einer jungen Künstlergruppe aus Freiburg im Breisgau, sah keinen Ausweg mehr und entschied sich am 27. Juli 1954 für den Freitod. Sechs Jahre lang hatte er für seine Utopie von moderner Dichtung seine ganze Existenz aufs Spiel gesetzt. Für den Traum einer Zeitschriften- und Verlagsgründung hatte er sich hoffnungslos verschuldet. ... Sein Unternehmen war gewaltig: Im Alleingang wollte er die in idyllisierender Geschichtsferne verkrochene deutsche Nachkriegslyrik revitalisieren, indem er ihr die Energien der angloamerikanischen Moderne zuführte. ...

Im Dezember 1950 begann er seinen «transatlantischen Dialog» mit den amerikanischen Poeten Charles Olson und Robert Creeley – ein Projekt mit Langzeitwirkung. Die aus dieser freundschaftlichen Verbindung entstandenen Korrespondenzen haben tiefe Spuren in der amerikanischen Literaturgeschichte hinterlassen. Eine Zeitlang plante Gerhardt sogar, von Südfrankreich aus, dem damaligen Wohnsitz Creeleys, sein Projekt einer Modernisierung der Lyrik fortzuführen. Aber das scheiterte ebenso wie all seine Versuche, seine Zeitschrift «Fragmente» als neue «Revue für internationale Dichtung» zu etablieren. Bereits 1952 mussten die Gerhardts ihre Wohnung aufgeben und waren über viele Monate auf ein Nomadendasein im Zelt angewiesen. / Michael Braun, NZZ 27.3.

Rainer Maria Gerhardt: Umkreisung. Das Gesamtwerk. Herausgegeben von Uwe Pörksen in Zusammenarbeit mit Franz Josef Knape und Yong-Mi Quester. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007. 544 S., Abb., Fr. 67.50.


141. Ist's auch nicht Lyrik. Heute: Mord

Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin aus Bangladesch, Taslima Nasreen, wurde zum zweiten Mal, diesmal von einem muslimischen Kleriker aus Indien, mit einer Fatwa belegt. Wer Nasreen töte, erhalte eine Belohnung von 500000 Rupien, umgerechnet etwa neuntausend Euro, verkündete Maulana Tauqeer Raza Khan. / FAZ 27.3.

[Offenbar liest er keine Bücher von europäischen Orientalisten, die nicht müde wurden, bei der Debatte um den Fatwa genannten Mordaufruf gegen Salman Rushdie daraufhinzuweisen, daß Fatwa nicht Urteil heiße, sondern Rechtsgutachten - so wie der Jihad eigentlich kein Krieg ist, sondern in erster Linie unermüdliche Anstrengung. Man muß es nur den Jihadisten sagen.]

 

Einschlägig auch Spiegel online 24.3.:

Die geplante Verleihung des Musikpreises Echo an den Musiker Yusuf Islam sorgt für Verärgerung. Der einst unter dem Namen Cat Stevens berühmte Sänger soll in Berlin für sein Lebenswerk geehrt werden - obwohl er früher Sympathie für die Fatwa gegen den Autor Salman Rushdie gezeigt hatte.


140. Geistige Gummibärchen: Die Begehung von Irrtümern und ihre Besprechung (So reden die Guten)

Manchmal konnte man nicht ernst nehmen, was er ernst meinte. "Ich habe viele Irrtümer begangen", sagt er. Die meisten davon hat er korrigiert.

Das schreibt Timo Frasch in der FAZ vom 27.3. über den Sänger Hannes Wader, den manche höhnisch "Heino der Linken" nannten, ich glaube gar ich auch. Aber darum geht es hier nicht. Die Herren (das sind es zumeist) schreiben immer wie im Evangelium: der arme Sünder, das verlorene Schaf werden belohnt, wenn sie Reue zeigen. Während die Guten ja nicht irren können: also sie, also wir. Wir waren ja immer schon da. (Nur vergessen sie da den Sinn des Gleichnisses, das eben keine so schlichte Grenzziehung kennt.) Irrtümer sind etwas, das begangen wird - von den anderen. Mit leichtem Schaudern lesen wir von deren Irrtümern. Dazu ist Zeitung da. Sie verleiht uns das Gefühl der Zugehörigkeit zu den Guten Schönen Wahren. Und so ist sie denn auch. Und so sehen wir aus. Wir Pharisäer***

Ach, Grass hat doch recht!**

 

**) Mehr dazu bei: Edo Reents: So redet ein Literaturnobelpreisträger, FAZ 26.3. (mit dem - an dieser Stelle eher ungewohnt unfeinen Schluß: "Das war im Wesentlichen die Leipziger Buchmesse. Günter Grass hat sie einem doch ziemlich versaut.")

***) Ich weiß, ich weiß: wie die Scheiße bei Enzensberger. Wir belegen unsere Un-Tugenden mit ihrem Namen und nennen das Verfahren Poesie. Poesie des Medienspeak.


139. Preisträger

Der frühere Bewährungshelfer Mike Barlow gewann den "Nationalen Lyrikwettbewerb" in Großbritannien für sein Gedicht "The Third Wife". Der Dichter aus Lancaster schlug die Konkurrenz von über 10.000 Beiträgen und bekam den ersten Preis in Höhe von £5,000. Juroren waren John Burnside, Lee Harwood und Alice Oswald.

Der Atmosphärenforscher John Latham bekam den zweiten Preis für das Gedicht "From Professor Nobu Kitigawa’s Notebooks on Effects of Lightning on the Human Body". Dritter wurde David Grubb für "Bud Fields and His World". Zu früheren Preisträgern gehörten Colette Bryce, Medbh McGuckian, Tony Harrison und Carol Ann Duffy. Der Wettbewerb wurde 1978 von der Poetry Society ins Leben gerufen. / Susan Cooper, 999 Today 26.3.


138. Twentieth Century German Poetry

Die ersten beiden Dichter in dieser Anthologie sind Else Lasker-Schüler und Christian Morgenstern, geboren 1869 bzw. 1871; die letzten sind Matthias Göritz und Jan Wagner, geboren ein Jahrhundert später. Dazwischen natürlich Bertolt Brecht, Georg Trakl, Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger und Günter Grass, aber auch die Maler Paul Klee, Kurt Schwitters und George Grosz. Der Herausgeber sagt: "Wo gab es die besten Dichter des 20. Jahrhunderts? Bezogen auf ihre Bevölkerungszahl bei Iren und Polen, zweifellos. Und nach anderen Regeln die üblichen Verdächtigen, Amerikaner und Russen, Spanier (besonders wenn man Lateinamerika dazurechnet) und (vervollständigt von Österreichern und Schweizern und ein paar Tschechen, Balten und Rumänen) die Deutschen." Seine Sammlung zerstreut eventuelle Zweifel. / Buffalo News 25.3.

“Twentieth Century German Poetry” edited by Michael Hofman (Farrar, Straus and Giroux, 512 pages, $40).

Man vergleiche mit dem achtbändigen deutschen "Kanon" von MRR, dessen jüngste Beiträger Albert Ostermaier (1967) und Steffen Jacobs (1968) sind und in dem zwar Schwitters mit einem Gedicht vertreten ist, aber selbstredend weder Klee noch Grosz, noch Wagner oder Göritz.


137. "ORIGINAL-IMITIERT STATT LIMITIERT"

DAS "BEST OFF"-VORWORT FÜR DIE "LOCHiSMUß LEiCHTGEMACHT"-POEMiE-PROBEPACKUNG (111 GEDICHTE VON TOM DE TOYS 1986-2006) BESORGTE DER NEUROPHILOSOPH DR. CHRISTOPH BERINGAR. Es ist jetzt vollständig auf dem "KünstlernetzNeukölln"-Portal lesbar.

AUSZUG AUS DEM ESSAY:

"...die "präsentomatische" Perspektive, die er uns aus dem 23. Jahrhundert zuruft. Mit der auf Automatik geschalteten Präsenz ist aufs Engste der Begriff des 'Lochismuß' innerhalb seiner Neuropoelitik verbunden, womit er das grundlegende Perma-Leuchten der greifbaren Gegenwart anspricht, welche sich aus der vollkommen heimgekehrten Anwesenheit in die eigene Existenz, dem 100% DA (-sein), formiert. Und so fällt es Tom de Toys nicht schwer, aus seinem Loch heraus die neuromagnetischen Schwingungswellen des Gegenwärtigen wie Kommenden zu empfangen, weil er auf Sendung ist, auf Permasendung des inneren Quantenradios"

Die Publikation ist nicht nur garantiert 100% ISBN-frei sondern auch dank des Copy-Art-Prints leicht weiterkopierbar und dadurch als originalgetreue Vorlage für ein Geschenk weiterverwertbar!

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136. César Vallejo komplett

Die erste vollständige Übersetzung des peruanischen Dichters César Vallejo (1892-1938) erschien in einer zweisprachigen Ausgabe Spanisch-Englisch in der University of California Press. Vallejo wird manchmal der schwierigste moderne Dichter in spanischer Sprache genannt und fast immer einer der besten neben Lorca und Neruda. Es sei daher eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres. Mario Vargas Llosa schreibt in seinem Vorwort, Vallejos Werk habe "einen nicht auf reine Vernunft reduzierbaren Kern, ein geheimes Herz, das sich allen Anstrengungen entzieht, die das rationale Begreifen unternimmt, es richtig zu verstehen." Das erkläre, warum der Übersetzer Eshelman ein halbes Jahrhundert dafür brauchte. Sein Nachwort wird diejenigen schockieren, die glauben, Übersetzen sei eine kaltblütige akademische Übung. / Buffalo News 25.3.

“Complete Poetry of Cesar Vallejo” Bilingual edition edited and translated by Clayton Eshelman (University of California Press, 716 pages, $49.95).

Außerdem in der Sammelbesprechung: Carl Dennis / Conversation Pieces: Poems That Talk to Other Poems / Kenneth Koch

Auf Deutsch lieferbar:

César Vallejo
Werke I - IV
Gedichte (spanisch / deutsch)
(übersetzt von Curt Meyer-Clason,
hrsg., mit Anmerkungen und einem Nachwort von Alberto Perez-Amador)
zus. 4 Abb., zus. 1525 S., geb., m. Lesebändchen, 2000
ISBN 3-89086-809-6 ISBN 3890868096
80 EU

In L&Poe 2006 Nov #133. Gräber


135. Bukowski die letzte

“The People Look Like Flowers At Last” ist der "letzte" (?) posthume Bukowski-Band, schreiben die Buffalo News. (Na mal sehen.) Ein moderner kalifornischer François Villon, sagt das Blatt. Aber er kann auch so klingen:

“in a world/where even/the disappearance/of the dinosaur/ remains a mystery/we should accept/the mysterious fact of/the vanishing poet./And when we accept/That/We are simply/making way for our own final/invisibility.”

/ Buffalo News 26.3.

Bukowski in L&Poe: 2001 Okt; 2002 Apr (Der kalifornische Buddha); 2003 Feb (Immer neu: zuerst war); Apr (439x Bukowski); Jun (Too much für euch Leute); 2004 Jan (Eigen-Beatler); Mai #12. Good Poems - Buch und Radioshow; Jun #17. Doku über Buko; Jul #6. Hank; 2005 Jan #10. Versifizierer, Narren, Tölpel & Lumpen; Dez #23. Hitler-Verehrer?; 2006 Jan #29. Gammler mit BMW; 2006 Jan 69. Borderline-Barde; 2006 Mrz #30. "Ich bin ein deutscher Dichter...“; 2006 Mrz #57. Typisch Presse; 2006 Apr #60. Neuer amerikanischer Kanon?


134. Rita Joe, Stimme der Mi’kmaq

Die Dichterin Rita Joe starb im Alter von 75 Jahren. Neuschottland (Nova Scotia - kanadische Provinz an der Atlantikküste) hat einen kulturellen Heros verloren, schreibt The Chronicle Herald, 26.3. Sie war als Poet laureate des Volkes der Mi'kmaq bekannt, das vor der Ankunft der Europäer die nordamerikanische Atlantikküste beherrschte. Ihr erstes Buch, "The Poems of Rita Joe" (1978), war vielleicht das erste Buch mit Mi’kmaq-Lyrik von einem Mi’kmaq-Autor, das in Neuschottland veröffentlicht wurde, sagt der Schriftsteller und Verleger Lesley Choyce.


133. Dichter und Kulturträger

Ein Bericht über eine Art Wettlesen von über 25 Lyrikern in der algerischen Stadt Tipasa endet so:

Solche Wiederentdeckungen sind nur vorteilhaft und sind hervorragende Argumente dafür, daß die Kultur in Algerien noch nicht tot ist trotz der Sorglosigkeit und der offen zur Schau getragenen Verachtung durch jene, die sich für die Hüter der Kultur unseres Landes halten. / La Nouvelle République 26.3.


132. Armenier und Dichter

In La Rochelle gibt es nicht viele Armenier, aber die Gemeinschaft der Poeten ist gut vertreten, schreibt Rémy Prin bei Yevrobatsi ("Armenier Europas, Bürger der Welt"). Vor allem gibt es «das Volk der Poeten. Für mich ist Grigor von Narek Franzose und Apollinaire Armenier », sagt Howhannes Grigorian, armenischer Lyriker, bei einer Veranstaltung zum "Frühling der Dichter" in La Rochelle.


131. Lyrik und Schinken

Slowenien, heuer Leipziger Themengast, blieb trotz schöner Messearchitektur relativ unbeachtet.

Überstrahlten doch handfestere Genüsse die Literatur aus jenem Land. So zog am Stand des Klagenfurter Wieser Verlags weniger der Abschlussband der Werkausgabe des slowenischen Dichters Florjan Lipus die Blicke auf sich als der große Prosciutto-crudo-Schinken, von dem Lojze Wieser eigenhändig Gustostückerln abschnitt. / Der Standard 26.3.

(Aber es gab am Stand, gleich neben dem Schinken, die neue Nummer der Zeitschrift "Edit", diesmal ganz der slowenischen Literatur gewidmet, mit Gedichten von Srecko Kosovel, Dane Zajc, Uros Zupan, Ales Steger und Tomaz Salamun - zum Teil Nachdrucke aus schon erschienenen Büchern - und einer Bibliografie deutschsprachiger Ausgaben slowenischer Literatur seit 1991 sowie eine CDROM mit Presseinformationen zu den Autoren.)


130. Gepixelte Kühe

"Glotzt nicht so romantisch!“: Brechts Aufforderung würde sich als Motto für die neuen Gedichte des Berliner Lyrikers Ron Winkler gut eignen – freilich kommt Brecht als Referenzgröße für einen ironisch durchtrainierten Bewusstseinspoeten wie Winkler nicht in Frage. In seinem dritten Gedichtband zelebriert der 1973 geborene Berliner Lyriker die Entzauberung romantischer Naturpoesie, indem er den alten Naturstoff mit Fachsprachen vor allem aus der digitalen Welt konfrontiert. Die lyrische Aura von altehrwürdigen Wörtern wie "Regen“, "Vogel“ oder "Schnee“ zitiert er in fast jedem seiner Gedichte – aber nur, um sie dann mit wissenschaftlichen Vokabeln zu konterkarieren. ...

Als lyrischer Diskursmischer vermag er über weite Strecken seines Bandes zu brillieren, nur will er mit ungestilltem Neologismen-Hunger immer noch eine Pointe draufsatteln. Seine metaphorische Eloquenz neigt zu Slapstick hart an der Grenze zum Kalauer. Es wimmelt dann von Fügungen wie "die Existenzform Frosch betreibt ein Lautaggregat“ oder "das Laub enthält keine Revolverblätter“, deren aphoristische Reize rasch verpuffen. In seiner "Köderlandschaft“ ist Ron Winkler ein lässiger Flaneur. Aber die Mahnung in seiner "High End Erfahrung“ sollte er auch auf sich beziehen: "möge er sich nicht vergoogeln / in diesem stark nachlassenden Wald“./ Michael Braun, Tagesspiegel 25.3.

Ron Winkler: Fragmentierte Gewässer. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2007. 90 Seiten, 18 EU


129. Reformator

Erstaunliches lesen wir in der Frankenpost. Ein Berliner Autor reiste nach Wunsiedel und erklärte den staunenden Franken, er wolle "die deutsche Dichtkunst vom Intellekt befreien". Er heißt Jan Weinert und hat früher mit Krimis besser verdient, lebt aber nun "seinem Traum nach, Lyrik zu schreiben" und sie nebenbei zu reformieren:

Jan Weinert hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als das deutsche Gedicht zu reformieren, er will es an seine Wurzeln zurückführen. Die zeitgenössische Lyrik sei zu intellektualisiert, alles Gefühl, Sentiment, fehle. Das sei das Erbe Bertolt Brechts, so der Kulturschaffende. Stellvertretend für Andere solle der Dichter Gefühle ausdrücken, sich dabei immer der Form und der Tradition verpflichten. Seine Vorbilder seien der Minnesang, die Romantik, Storm, Goethe und Jean Paul. "Wie der Wunsiedler Dichter bin ich Autodidakt“, bekennt Weinert.

Hier schon mal eine Leseprobe, gefunden in der ehemaligen "Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts". Achtung, hier kommt die Zukunft:

Engel, unverändert Wesen.
Ich umarm die Steinfigur.
Kann in ihren Blicken lesen.
Glitzernd eine Tränenspur.

»AUSGEWÄHLTE WERKE VII« heißt der lexikonstarke Band, den ich mir nicht kaufen würde (aber wenn nur ein Bruchteil der tausend darin gedruckten Dichter es tut oder sich von den stolzen Verwandten schenken läßt, verdienen die nicht schlecht! Achtung, Bauernfänger! Jungen Autoren, die natürlich gern gedruckt werden wollen, ist dringend abzuraten, ihre Texte an diese jetzt schlicht "Bibliothek des deutschsprachigen Gedichts " heißende Unternehmung zu schicken. Auch wenn sich beim besten Willen nicht vermeiden läßt, daß unter vielen tausend Gedichten auch ein paar annehmbare sind, haben wir hier die wahrscheinlich größte Mülldeponie der deutschen Lyrik. Die Bände halten tausend Jahre, aber es wird sie keiner lesen!


128. Die Ölsardine ... / rostet still vor sich hin

Buchmesse. Die Österreicher kamen ins Ringscafé

"Uff die Bääm, die Pälzer kumme ...", den Spruch kennt jeder Saarländer. Ob die Teilnehmer des Treffs der Grazer Autorenversammlung den kennen, könnte sein. Ich bin aber nicht sehr sportlich, konnte also nicht die jugenstylig vertäfelten Säulen des Tanzsaals des Ringcafés hoch; "mit der Schrift nach oben ins Gehirn." Wie Ferdinand Schmatz erfreuten die meisten Vortragenden an diesem Abend wenig. Das vermutete Highlight, Bodo Hells Auftritt dauerte keine halbe Minute lang, mit Maultrommelschwung an jedem Zeilenende. Schade, mehr als das.

Bis zum Intermezzo in Form einer Projektion irgendeines Autorentreffs irgendwo im Österreichischen vom vorigen Jahr, die niemand aus der abgesetzten Sitz- und Tischgelegenheit, wo wir noch Platz fanden (viel Platz) einsehen konnte, lassen Männer Anfang der Vierziger bis Mitte der Fünfziger geboren. (Ausnahmen möglich) Man schrullte herum im rosa Pyjamaanzug, (was die Damen hinter uns zuerst bemerkten), nuschelte maulfaul, sprach vom "Kosmos des Gartens", vom "verkappten Dialog der Materie", schwang die abgedroschenen Schlagworte vom Stammtisch, regionalisierte, es ging dann auch noch "um sprachliche Mittel" (natürlich ... die Damen hinter uns waren übrigens gegangen). Dann war da noch die Behauptung; es gibt ein "Ziel der Poesie". Luft. Raunen. Es roch nach mindestens zehn verdrückten Schweineportionen bis zum Rückblick im Mittelteil. "Wer Tiere jagt, der jagt auch Menschen.", empfing die wohlzufriedene Corona dazu aus dem Mund von Frau Neda Bei. "Im roten Teppich sehe ich einen roten Faden." Dort, im Ringcafé vier Zigaretten lang, konnte der meistenteils dünnstimmige selbstgelesene Geräuschteppich nicht gefallen. "Wir lassen die Hosen runter / Das ist also die Fremde.", mehr davon und anders: "Ich denke ein großes Wort: Lautsprecher." Nicht: "Schweigen mit Rilke"

W. Herbsts "Ölsardine", die "still vor sich hin" rostet, seine "Krautfleckerl", umreißen das Geschmacksniveau dieses Anglertreffs untoppbar, na, fast zumindest: GAU

/ Konstantin Ames, Leipzig


127. Wohin willst du, Nackte?

An einem regnerischen Nachmittag, allein zuhause und umgeben von einigen Büchern im blauen Orientzimmer unter dem Dach, kann man Entdeckungen machen! Ich wollte in ein Buch schauen, das mir Fritz Schütte zum Geburtstag geschenkt hatte: »Auf der Karte Europas ein Fleck«, Gedichte der osteuropäischen Avantgarde 1910-1930. Links steht der Text in der Originalsprache und rechts auf Deutsch; so muss das sein. Ich las das Nachwort, blätterte herum und stieß auf ein schönes polnisches Gedicht von Maria Komornicka, Am Scheideweg – Na rozdroozu.

Ich mag die polnische Sprache und kann sie leidlich entziffern, sie ist höllenschwer, aber auch wunderschön. »Gdzie idziesz, naga? - Po plaszcz z gwiazdzistych zamiec. (...) »Wohin willst du, Nackte? - Ich geh untern Mantel der flimmernden Sterne. - Kommst du allein? - Im Wind wird der letzte der Toten verwesen. - Woher? - Eine Blume leuchtet und tanzt in der Todsümpfe-Ferne.« Die Autorin: »Komornicka, Maria: geb. 1876 Grabów bei Kozienice, gest. 1949 Izabelin bei Warschau. Wurde 1907 geisteskrank.« Das Gedicht hat sie 1905 geschrieben. / Manfred Poser, Kritische Ausgabe 23.3.

Manfred Peter Hein (Hrsg.): Auf der Karte Europas ein Fleck, Gedichte der osteuropäischen Avantgarde (1910-1930), Ammann 1991


126. »Alle Lyrikunternehmen sind Amokläufe«

Gespräch mit Sascha Anderson. Über seine neuen Bücher und seine neue Verlagsreihe, über das Pinkeln in Vasen und Durch-die-Türe-Schauen, über Führungsoffiziere und Gelegenheitsdichtung. Christof Meueler / Frank Willmann, junge Welt 24.3.

Zitat:

Früher hatten Sie in Berlin zusammen mit anderen das Druckhaus Galrev. Gibt es das noch?

Ja, das gibt's noch, wenn auch verlegerisch kaum existent. Das war ein Verlag plus Druckerei mit allem Drumherum. Wir haben im Jahr 25 bis 30 Titel gemacht. Aber alle Lyrikunternehmen sind langfristig Amokläufe. Man weiß von vornherein, das kann nur mit dem Exitus enden. Also rennst du los und gibst alles Geld aus. Wenn es vorbei ist, mußt du den Verlag umwandeln – in eine Druckerei mit Druckvorstufe undsoweiter. Genauso funktioniert das heutige Druckhaus Galrev. Die sind im Druckgewerbe und machen, wenn sie Lust haben, auch mal ein Buch. Mir stellte sich dort irgendwann die Frage, entweder ich arbeite jeden Tag sechzehn Stunden oder ich schreibe weiter. Da habe ich Galrev gelassen. ...

Ich habe drei oder vier Grundformen, die sich bei mir bewährt haben. Elegische Elemente: Distichen – Hexameter, Pentameter. Das ist für mich die Idealform, weil es um Ausatmen geht, wie mich Allen Ginsberg in der Krisenzeit 1992/93 gelehrt hat. Ein Ausatmen über diese z. B. sechs langen Zeilen.

Sascha Anderson: Totenhaus, Gutleut, Frankfurt/Main 2006, 144 S., 16 Euro; ders.: Crime Sites. Nach Heraklit, Gutleut, Frankfurt/Main 2006, 72 S., 11Euro


125. Geglücktes Scheitern

Weil Reich-Ranicki ... gekränkt den Antisemitismus beglaubigte, der dem gekränkten Autor unterstellt wurde, weil Reich-Ranicki sich als Kronzeuge einer Fantasmagorie hergab, die im kritisierten Text keine Begründung hatte, hatte sich schließlich nur gezeigt, dass selbst dieses unnötige Buch gegen einen Kritiker durch die Kritik ins Recht gesetzt und bestätigt wurde. – Das ist Größe: wenn einem Dichter noch das Scheitern glückt.

Das Projekt Walser ist abgeschlossen. Die von ihm beklagte Wunde, das geteilte Deutschland, ist vielleicht noch nicht vernarbt, aber gut vernäht. Die deutsche Nation ist aufgehoben im reflektierten Stolz auf seine Bedeutung innerhalb der nachnationalen Entwicklung der europäischen Union. Die Moral stirbt definitiv ab und schafft dadurch den Raum – oder muss man heute sagen: den Markt? –, in dem sie erst recht wieder zum Bedürfnis wird. Neue Biografien geraten in die Volljährigkeit und entwickeln eine ganz andere Typik. Der linke Walser blickt nach rechts, der rechte Walser nach links, so dass sich in Summe ein Kopfschütteln ergibt: So war es also. / Robert Menasse, Die Presse 23.3.


124. Dirigentin des Phantastischen: Nora Iuga

Es ist wenig verwunderlich, dass der despotische Kommunismus des Ceaucescu-Regimes mit der sprühenden Phantastik ihrer Gedichte nicht zurecht kam. In Nora Iugas zweitem Gedichtband Gefangen im Kreis von 1970 entdeckten die aufgescheuchten Kulturwächter des Regimes einen "morbiden Erotismus". Das reichte für ein Publikationsverbot, so dass die Dichterin acht Jahre lang keine einzige Zeile mehr veröffentlichen konnte. Diese Zeit nutzte die Autorin, um einige kulturelle Brücken zu bauen zwischen der rumänischen und der deutschen Literatur. Sie begann zu übersetzen und konzentrierte sich auf einige Meisterwerke der phantastisch fabulierenden Erzähltradition, wie etwa die Märchen von Wilhelm Hauff, die Erzählungen von E.T.A. Hoffmann oder eben die Blechtrommel von Grass. Ihr literarisches Temperament hat Nora Iuga auch früh zu den Verfahrensweisen des Surrealismus geführt - eine Passion, die sich bis heute in ihren Gedichten manifestiert.

So ist die einst vom Beamtensohn Isidore-Lucien Ducasse alias Lautréamont eingeführte Urformel des Surrealismus, die lyrische Schönheit gleiche der "zufälligen Begegnung zwischen einem Regenschirm und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch", auch für Nora Iuga prägend geworden. Bereits das Titelgedicht ihres 1968 in Rumänien publizierten Debütbandes Es ist nicht meine Schuld spricht von einem absonderlichen Witwen-Ritus, bei dem es zu eigenartigen Begegnungen kommt: "Die Witwen tanzen um den Brunnen / die Witwen der auf dem elektrischen Stuhl / eingeschlafenen Pferde. // Es ist nicht meine Schuld / ruft eine grüne Witwe/ wenn ich eine Kröte brauche / um Schilfrohr zu werden." Hell flackernde Bilder und absurde Visionen vermischen sich in dieser Weise auch in den folgenden Gedichtbänden der Autorin zu einer Poetik der unablässigen Überraschung. ...

Bereits 2004 hatte die Stuttgarter Edition Solitude einen ersten Versuch unternommen, die eigensinnige Surrealistin Nora Iuga in Deutschland vorzustellen. Ernest Wichner hatte die Gedichte des sensationellen Gedicht-Zyklus Der Autobus mit den Buckligen übersetzt, Herta Müller hatte dazu ein Nachwort geschrieben. Die Reaktionen des Literaturbetriebs fielen jedoch sehr matt aus. Dabei hätte man bereits hier eins der bedeutendsten Gedicht-Werke des späten Surrealismus entdecken können. Das lyrische Ich dieses Zyklus entpuppt sich als die sehr virile und ziemlich gefräßige Kunstfigur "Sam", ein Frauenverschlinger wie einst Brechts "Baal", der sich in ungezügeltem Vitalismus auf die Welt wirft, ohne das Rätsel der eigenen Existenz begreifen zu können. In kleinen grotesken Episoden tastet sich diese Kunstfigur durch ihren kleinen Kosmos aus "Buckligen" und anderen auffälligen Menschenwesen. Es ist ein wunderbarer schwarzhumoriger Surrealismus, der hier zelebriert wird - und Nora Iuga erweist sich einmal mehr als eine große Dirigentin des Phantastischen. / Michael Braun, Freitag 12

Nora Iuga: Gefährliche Launen. Ausgewählte Gedichte. Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Mit einem Nachwort von Mircea Cartarescu. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, 112 S., 19 EUR


123. Ernst-Jandl-Preis an Paul Wühr

Der vierte Träger des Ernst Jandl Lyrik-Preises ist der deutsche Dichter Paul Wühr (79). Dies gab das Unterrichtsministerium am Mittwoch in einer Aussendung bekannt. "An Paul Wührs Werk lässt sich eindrucksvoll die Kraft des poetischen Denkens und der Dichtung ablesen. Gerade in Zeiten der Zweckrationalität und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche zeigt uns Paul Wühr, was Dichtung für unser Geistesleben leisten kann", so Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) heute anlässlich des "Welttags der Lyrik" zur Auswahl des diesjährigen Preisträgers.

Der mit 14.600 Euro dotierte Preis wird am 16. Juni im Rahmen der Ernst Jandl-Lyrik-Tage (15.-17. Juni) in Neuberg an der Mürz verliehen. / Der Standard 22.3.


122. American Life in Poetry: Column 104

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE, 2004-2006

At some time many of us will have to make a last visit to a house where aged parents lived out their days. Here Marge Saiser beautifully compresses one such farewell.

 

 

Where They Lived

 

One last time I unlock
the house where they lived

 

and fought and tried again:
the air of the place,

 

carpet with its unchanging green,
chair with its back to me.

 

On the TV set, the Christmas cactus
has bloomed, has spilled its pink flowers

 

down its scraggly arms
and died, drying into paper.

 

At the round oak table,
ghosts lean toward one another,

 

almost a bow, before rising,
before ambling away.

 

Reprinted by permission of Marjorie Saiser, whose most recent book of poems is "Lost in Seward County," Backwaters Press, 2001. Copyright © 2006 by Marjorie Saiser. This weekly column is supported by The Poetry Foundation, The Library of Congress, and the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. This column does not accept unsolicited poetry.


121. Weltliteratur, die die Welt nicht kennt

Am 22. März wird in München das jüdische Museum eingeweiht. Am selben Abend findet gegenüber im jüdischen Kulturzentrum eine CD-Präsentation der besonderen Art statt: David Klein und sein Quintet präsentieren den 400 geladenen Gästen ihre Musik-CD 'Selma - In Sehnsucht eingehüllt' – eine musikalische Hommage, gewidmet der Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger...

Corinne Susanek schreibt bei Hagalil.com über die Dichterin:

Die traumatischen Veränderungen der Lebensumstände und der tägliche Terror im Ghetto hinterlassen jedoch im Gedicht an späterer Stelle deutliche Spuren. Die äusseren Umstände zwingen die Dichterin in den letzten Strophen eine neue poetische Form zu finden, welche die Bedrohung des Alltags spiegelt: Kurze, reimlose Verse, atemlose Satzfolgen und zahlreiche Wortwiederholungen stehen im zweiten Teil des Gedichts für die Schreckensbilder und Todesangst der Schreibgegenwart:

 

Ein
Leben.
Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie
und
nie.

 

Trotz ihres sehnsuchtsvollen Grundtenors sind die Gedichte mehr als die schwärmerische Liebeslyrik eines jungen, lebensfrohen Mädchens, mehr als Nachahmungen der Naturdichtung ihrer romantischen Vorbilder und mehr als eine Dokumentation der Vernichtung jüdischen Lebens in der Bukowina. Das Werk Meerbaum-Eisingers verdankt seine Faszination der Spannung zwischen mädchenhaft-jugendlicher und gesellschaftlich-historischer Thematik, seiner Bandbreite von Motiven und Bildern sowie der Eigenständigkeit in seiner formalen Umsetzung und Ästhetik. Die künstlerische Reife der Lyrikerin sowie die Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit der Gedichte stellen Meerbaum-Eisingers Werk in einen Rang mit der bekannten deutsch-jüdischen Czernowitzer Literatur einer Rose Ausländer, eines Alfred Margul-Sperber oder Paul Celan. So spricht denn Rose Ausländer selbst über die Lyrik ihrer Dichterkollegin von einem "Teil Weltliteratur, den die Welt nicht kennt".

Das zitierte Gedicht stammt aus:

Selma Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Herausgegeben von Jürgen Serke. Hoffmann und Campe 2005, S. 44-46.

World Quintet: Selma. In Sehnsucht eingehüllt. SonyBMG 2007.
Gesungen von Sarah Connor, Xavier Naidoo, Yvonne Catterfeld, Reinhard Mey, Thomas D, Joy Denalane, Hartmut Engler, Inga Humpe, Volkan Baydar, Stefanie Kloß, Jasmin Tabatabai, Ute Lemper.

In L&Poe: 2001 Apr #23. Selma Meerbaum-Eisinger; Okt; 2003 Jan (Kurznachrichten); 2005 Jan #85. Selma Meerbaum-Eisinger; Nov #79. Selma aus Czernowitz / #96. Fürs Gemüt an dunklen Abenden, Dez #107. Selmas Gedichte; 2006 Jan #102. Nein; Feb #5. Gedichte von; Mrz #40. Über die Vertonung


Nachrichten 1-40 hier / 41-80 hier / 81-120 hier / 121ff hier


In diesem Monat über

(zur Nachricht bitte nach der angegebenen Nummer blättern - Sachregister unten)


Adonis: 3 75
Al-Mutamid: 73
Ames Konstantin: 69 76
Anakreon: 99
Anders, Richard: 158
Anderson, Sascha:74
Asenijeff, Elsa: 44
Asmodi, Herbert: 32
Astor, Willy: 31
Auden, WH: 93
Baraka, Amiri: 26
Barlow, Mike: 139
Bartsch, Kurt: 104
Baudelaire, Charles: 99
Bayer, Konrad: 65
Becker, Jürgen: 88
Benn, Gottfried: 144
Bennis, Mohammed: 116
Bethge, Hans: 59
Biermann, Wolf: 58
Blake, William: 160
Bloch-Johnson, Jonah: 25
Boege, Luise: 75 76
Böhme, Thomas: 84
Borkovec, Petr: 114
Bossong, Nora: 68
Brecht, Bertolt: 72 153
Brôcan, Jürgen: 1
Cardenal, Ernesto: 11
Charms, Daniil: 48
Ch’oe Sung-Ja: 33
Cotten, Ann: 85
Cross, Elsa: 40
Czechowski, Heinz: 6
Dathe, Julia: 27
Dawn Mee Choi: 33
Deckert, Renatus: 68
Delius, F.C.: 49
Dickinson, Emily: 80 89
Dickson, Robert: 108
Dove, Rita: 1
Drawert, Kurt: 46
Duinker, Arjen: 63
Dutli, Ralph: 52
Egger, Oswald: 66
Eichendorff, Joseph von: 147
Eliot, TS: 13 93
Enzensberger, Hans Magnus: 50
Erb, Elke: 104
Ezekiel, Nissim: 55
Ferlinghetti, Lawrence: 161
Fink, Wilhelm: 94
Fischerová, Viola: 103
Genschel, Mara: 75 76
Gerhardt, Paul: 28 53 56 72
Gerhardt, Rainer M.: 142
Gericke, Henryk: 74
Gernhardt, Robert: 72 77
Goethe: 100
Goswami, Joy: 92
Grass, Günter: 110 113 140
Gregoriou, Zeleia: 75
Grima, Adrian: 75
Grubb, David: 139
Guth, Gregor: 75
Hacks, Peter: 22
Hahn, Ulla: 56
Hafis: 19 100
Halmay, Petr: 103
Hamann, René: 68
Handke, Peter: 50 163
Haugová, Mila: 74
Henscheid, Eckhard: 48
Herrick, Robert: 24
Heuer, Stefan: 62
Heuser, Andrea: 68
Hölderlin: 102
Horaz: 99
Ingold, Felix Philipp: 114
Jackson, Hendrik: 85
Jandl, Ernst: 50 65
Jelinek, Elfriede: 50
Jentzsch, Bernd: 104
Johnson, Bengt Emil: 29 47
Jollimore, Troy: 79
Kabir: 55
Kampmann, Anja: 76
Karasholi, Adel: 27 75
Keats, John: 41
Kerr, Alfred: 38
Kim Heysoon: 33
Kirsch, Rainer: 22
Kling, Thomas: 68
Köhler, Barbara: 63
Kooser, Ted: 8 43 87 150
Kramer, Theodor: 10 34
Krohn, Alexander: 74
Kundera, Milan: 90
Kunst, Thomas: 63 158
Labé, Louize: 52
Lange, Norbert: 68
Laraque, Paul: 51
Larkin, Philip: 93
Lasker-Schüler, Else: 9
Latham, John: 139
Lemonick, Yonah: 25
Lentz, Michael: 27 50
Leupold, Dagmar: 98
Lind, Yakov: 64
Li Tai-po: 99
Longfellow, Henry Wadsworth: 23
Mallarmé, Stéphane de: 36
Mandelstam, Ossip: 52
Maurer, Georg: 27 53 61
Mayröcker, Friederike: 50 65
McMillan, Ian: 155
Meckel, Christoph: 74
Mehrotra, Arvind Krishna: 55
Michelangelo: 30
Mickel, Karl: 49
Mirabai: 55
Moose, Ruth: 150
Morina, Bekim: 12
Mort, Valzhyna: 157
Muldoon, Paul: 67
Müller, Heiner: 49
Müller, Herta: 49
Nain-Rudovic, Dana: 37
Nebel, Otto: 106
Obama, Barack: 155
Opitz, Hellmuth: 14
Ostermaier, Albert: 50
Osundare, Niyi: 111
Papenfuß, Bert: 74
Pastior, Oskar: 5
Patel, Shailja: 18
Pey, Serge: 38
Pietraß, Richard: 27
Preiwuß, Kerstin: 27
Priessnitz, Reinhard: 65
Proust, Marcel: 86
Rakusa, Ilma: 75 98
Reinecke, Bertram: 27 76
Reitzer, Angelika: 146
Rennert, Jürgen: 104
Rifka, Fuad: 3 75
Rilke, Rainer Maria: 30
Rinck, Monika: 75 85
Roloff, Marcus: 14
Ronsard, Pierre de: 69
Roussel, Raymond: 65
Rühmkorf, Peter: 97
Rumi: 17
Runge, Doris: 162
Rylant, Cynthia: 8
Sall, Amadou Lamine: 15
Sanjosé, Axel: 88
Schaflinger, Knut: 62
Schieke, Jörg: 84
Schindel, Robert: 47 70
Schlotmann, Ulrich: 65
Schloyer, Christian: 68 145
Schmitzer, Stefan: 47
Schuster, Peter Maria: 163
Shakespeare, William: 81
Sinda, Martial: 15
Snyder, Rick: 87
Stolterfoht, Ulf: 149
Tandori, Dezsö: 98
Thill, Hans: 45
Topinka, Miloslav: 103
Toys, Tom de: 77 137
Treichel, Hans-Ulrich: 20 109
Trumbetas, Dragutin: 16
Tuor, Leo: 54
Ujvary, Liesl: 65
Ulrich, Eckhard: 104
Utler, Anja: 66
Verhelst, Peter: 63
Wagner, Jan: 85
Wagner, Richard: 49 82
Walser, Martin: 91 94 110 143
Walser, Robert: 94 102
Wandelère, Frédéric: 45
Wellershoff, Dieter: 144
Whitledge, Jane: 43
Whitman, Walt: 23
Widmer, Urs: 78
Wieczorek, Rainer: 71
Winkler, Ron: 85
Wolf, Uljana: 105
Yi Yon-ju: 33
Zahl, Peter Paul: 49
Zander, Judith: 27
Zhadan, Serhij: 115
Zhang Jianhong: 112
Zwetajewa, Marina: 52

 

Abu Dhabi: 159
Afrikanische Lyrik: 15
Alfred Joyce Kilmer Memorial Bad Poetry Prize: 25
American Life in Poetry: 8 43 87
Amerikanische Lyrik: 1 23
Anthologien: 1 33 55 59 104
BELLA triste: 85
Berlin: 11 21 35 37 38 58 71 89
Berliner Anthologie: 149
Bonn: 77
Britische Lyrik: 139
Buchmesse, Leipziger: 45 63 74 75 76 84 85 88
Cachan: 15
Carmina Burana: 7
Chinesische Lyrik: 59
DADA: 71
Darmstadt: 5 46 68
DDR-Lyrik: 104
Erotische Lyrik: 24
Eulenspiegel Verlag: 22
F.-C.-Weiskopf-Preis: 158
Festival: 15U
Frankfurter Anthologie: 20
Frankfurt/ Main: 86
Frankophonie: 95
Frauenlyrik: 33
Friedrich-Hölderlin-Preis: 78
Geistige Gummibärchen: 83 140
Gender: 24
Graz: 29 47 84
Greifswald: 49
Indien: 2 42
Indische Lyrik: 55
Iran: 19
Ist's auch nicht Lyrik: 86
Kalligraphie: 148
Koreanische Lyrik: 33
Kurt-Wolff-Preis: 45
LCB: 88
Leipzig: 27 45 61 63 91
Leonce-und-Lena-Preis: 68 145
Literarischer März: 46
Literaturinstitut Leipzig: 76
London: 41
lyrikline.org: 157
Marokkanische Lyrik: 107
Marrakesch: 73
Marseille: 15
Mitlesebuch: 90
München: 7 102
Nationalsozialismus: 101
Niederländische Lyrik: 63
Nigerfia: 111
Oregon: 26
Österreich: 146
Paris: 15
Poet laureate: 26
Popliteratur: 77
Potsdam: 58
Prinzhornsammlung: 89
Rom: 41
Rotbuch Verlag: 22
Sonett: 69
Sprachen: 4
Sprachschützer: 152
Theater: 89
Toulouse: 36
Übersetzung: 42 88
Urs Engeler Editor: 45
Vertonung: 5
Wasserlyrik: 39
Weidener Literaturtage: 146
Welttag der Poesie: 35 116
Wettbewerb: 39
Wien: 64 103
Wuppertal: 9

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