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40. Indische "Befindlichkeit" Dichterseele hin oder her - ein Blatt mochte Alokeranjan Dasgupta nicht vor den Mund nehmen, als er im Podiumsgespräch zum Thema «Indische Übersetzungen» das Wort ergriff: Hier in Frankfurt, so der auf Bengali schreibende Lyriker, würden «dritt- und viertklassige Bastard-Produkte englisch schreibender Autoren» als indische Literatur vorgeführt und hoch gelobt, während die besten Schriftsteller des Landes - womit hier die in den Regionalsprachen schreibenden gemeint waren - unbekannt blieben. Amitav Ghosh, Amit Chaudhuri, Shashi Tharoor - dritte oder vierte Liga? Da schluckte man denn doch leer, auch wenn sich unter den übersetzten indischen Autorinnen und Autoren gewiss das eine und andere minder leuchtende Gestirn finden mag. / Angela Schader, NZZ 9.10. 39. Bas Böttchers Textbox Eine der geglücktesten Personalisierungen auf dieser Messe war die "Textbox", die der Spoken-Word-Poet Bas Böttcher betreute. Die "Textbox" ist gleichsam eine phonozentrische Kultstätte. In einer kleinen Box aus Plexiglas steht der Poet und spricht in ein Mikrofon. Er ist nur für jene zu hören, die zu den vor der Plexiglasscheibe ausliegenden Kopfhörern greifen. Dann allerdings entsteht augenblicklich eine faszinierende Intimität zwischen Sprecher und Zuhörer - als würden die Lippen des Dichters einen an der Ohrmuschel kitzeln. So entsteht im Trubel der Messe eine abgeschlossene Hörgemeinschaft, zu der nur gehört, wer über einen Kopfhörer verfügt. Bas Böttcher lud die unterschiedlichsten Spoken-Word-Poeten ein, und man muss sagen: Sehr professionell, was in diesem Genre passiert. Zum Beispiel Timo Brunke, der gleichsam auf den Zehenspitzen seiner Stimme vom Maximum an Zartheit "sang", nämlich davon, wie ein Pfauenauge auf einer Blüte sich niederlässt; um mit seiner nächsten Nummer in vorwärts peitschendem Rhythmus sich durch 2000 Jahre Weltgeschichte zu reimen: vom Prager Fenstersturz über die Boston Tea Party bis zu Boris Beckers Wimbledon-Sieg. / Ijoma Mangold, SZ 9.10. 38. Nacht der deutschen und russischen Poeten Liebe Freunde des APHAIA VERLAGs, Wjatscheslaw Kuprijanow wird im Rahmen des deutsch-russischen Dichtertreffens seine Neuerscheinung "Mitlesebuch 96-Viacheslav Kuprijanov mit Grafiken von Wladimir Prib" vorstellen. Die "Lyrische Nacht der deutschen und russischen Poeten" mit Musikprogramm beginnt um 19 Uhr am Freitag, 13. Oktober im "studio im hochhaus, kunst und literaturwerkstatt", Zingster Straße 25, 13051 Berlin-Hohenschönhausen. * Die Montags-Lesung mit Live-Musik im Kulturzentrum Adlershof Alte Schule widmet sich diesmal dem Köpenicker Lyrikkreis, Lesebühne der Kulturen in Karlshorst, mit folgenden Teilnehmern: Wolfgang Behring / Karl Bongardt / Victor Bueno Román / Andreas Diehl / Michael Eric / Marko Ferst / Gunter Fezer / Charlotte Grasnick / Ulrich Grasnick / Elisabeth Hackel / Horst Konopatzki / Reiner Müller / Jürgen Polinske / José Pablo Quevedo / Heidrun Sommer / Petra Urbaniak / Philidor Terrey / Frank Wegner-Büttner Wann / wo: Montag, 16. Oktober 2006, 19,30 Uhr im Bürgersaal, Dörpfeldstraße 54, 12489 Berlin-Adlershof * Aus unserer Veröffentlichung: "Wat los, Parzen?" ein Lesebuch junger Autoren lesen u.a. Nora Bossong, Tom Bresemann, Alexander Gumz, Philip Maroldt und Angela Sanmann am: Do. 12. Oktober 2006 ? 20.30 Uhr zur welcome home Party der S3 Literaturwerke @ Lettrétage
Mit freundlichen Grüßen APHAIA VERLAG 37. Nobelwetten und Damenfußball Bei Ladbrokes.com, Britanniens größter Wett-Seite, kann man unter Pferden, Windhunden, Hurling, Billard "und sogar Damenfußball" auch den Literaturnobelpreis finden, schreibt SUSAN SALTER REYNOLDS, Union Leader 4.10. So stehen die Wetten: Orhan Pamuk (3-1), Adonis (4-1), Ryszard Kapuscinski (5-1), Joyce Carol Oates (6-1), Philip Roth (10-1) und so weiter bis in die niederen Regionen der Hoffnungsvollen, näher am Erhabenen: Ko Un, Tomas Tranströmer, Milan Kundera, Thomas Pynchon, Margaret Atwood, John Updike, Julian Barnes, Paul Auster und, last but not least, Bob Dylan (500-1!). Was auch immer herauskommt, es wird Grund zum Nörgeln geben. Der allgemeine Konsens in den letzten Jahren sei, daß der Nobelpreis ein "Witz" sei, wie Roger Straus, Ko-Gründer von Farrar, Straus and Giroux einmal sagte, oder, wie es Charles McGrath, früherer Herausgeber der New York Times Book Review, diplomatischer ausdrückte, ein "großes Mysterium". Im letzten Jahr beklagte der Londoner Literaturkritiker Robert McCrum, der Nobelpreis habe seine Unschuld verloren. Daß 1997 der italienische kommunistisch-anarchistische italienische Dramatiker Dario Fo ausgezeichnet wurde, sei, so schrieb er ,auf "beinahe universelle Bestürzung" gestoßen, und die Auszeichnung des chinesischen Autors Gao Xingjian 2000 habe nur noch Verwunderung ausgelöst. Daß 2004 Elfriede Jelinek ausgewählt wurde, "die streitlustige, unlesbare österreichische Feministin", sei noch umstrittener gewesen, schreibt Frau Reynolds, und habe Knut Ahnlund, einen der 18 schwedischen Akademiemitglieder, zum Austritt veranlaßt. [Wenn auch, täuscht mich die Erinnerung nicht, erst ein Jahr und einen Preis später, M.G.] "Erniedrigung, Beleidigung, Schändung und Selbstekel, Sadismus und Masochismus sind ihre Hauptthemen", schrieb er in der konservativen Zeitung Svenska Dagbla[de]t. "Alle anderen Aspekte des Menschenlebens bleiben draußen." [Na denn - dafür hat er ziemlich lange gebraucht. Sind ja auch nicht die Jüngsten, die Akademiker.] Der ideale Kandidat für den Nobelpreis wäre eine Lesbe aus Asien, so zitiert der Meinungs-Leader (bzw. seine Autorin), und deutet gar an, Czeslaw Milosz 1980 und William Butler Yeats 1923 hätten den Preis primär aus politiischen Gründen bekommen**. Es reicht, es reicht... Jetzt bitte Bob Dylan! **) Die Wahrheit ist, sie können nicht akzeptieren, daß jemand gut sein kann, den sie nicht kennen... oder nicht verstehen... oder dessen politische (oder sexuelle?) Orientierung sie nicht teilen. Wenn nicht sogar... Damenfußball! 36. Übersetzungszauber Der britische Dichter Don Paterson hat Rilkes "Sonette an Orpheus" "variiert" - er besteht darauf, daß es sich nicht um Übersetzungen handelt. Ob es um mehr als Bewunderung und technische Herausforderung geht? Paterson gesteht offen, daß er an einer Art Writer's Block litt, als er seine Version des 55 Sonette umfassenden Zyklus anfing. "Ich hatte beinahe fünf Jahre kein Gedicht geschrieben. ... Ich schaue auf den anderen Dichter, und indem man sich fremde Stimmen aneignet, hofft man, daß man durch irgendeinen magischen Vorgang in die Rolle hineinwächst." / Stuart Kelly sprach mit dem Dichter, Scotland on Sunday, 8.10. Don Paterson, Orpheus: A Version of Rainer Maria Rilke, Faber and Faber, £12.99 Eine Leseprobe siehe L&Poe Sep #16. Rilke englisch In L&Poe: 2004 Jan (Lesenswert); Jun #14. Achtung, neue Dichter!; Okt #10. Michael Donaghy; 2005 Okt #102. Orthodoxe Postmoderne; 2006 Sep #16. Rilke englisch 35. 3. ZEBRA Poetry Film Award Am Mittwoch, 11.10.2006 beginnt der 3. ZEBRA Poetry Film Award, das Filmfestival der Dichtung, im Kino Babylon berlin:mitte. Das Festival zeigt vom 11.-14. Oktober 2006 die aktuellen Arbeiten der Poesiefilmproduktion aus aller Welt. Zur Eröffnung werden einige der besten Filme vom letzten Festival gezeigt sowie ein Ausblick auf den diesjährigen ZEBRA Poetry Film Award. Zu Gast ist das New Yorker Independant-Label Rattapallax, zur Begrüßung sprechen die Kulturrätin der Botschaft von Kanada Frau Erica Claus sowie der Kulturrat der Botschaft der USA Herr Peter Claussen. Eigene Länderschwerpunkte widmen sich den aktuellen Werken von Poesiefilmern aus den Niederlanden, Kanada und Großbritannien. Mit "Made in Germany“ stehen die Produktionen aus Deutschland im Blickpunkt. Animationsfilme, Poesiefilme aus dem DDR-Untergrund und Verfilmungen berühmter Gedichte sind weitere Themen. Neu dabei ist ein eigenes Programm für Kinder von 6-12 Jahren mit Filmen aus Europa, Amerika und Asien. In zwei Kolloquien diskutieren Experten aus verschiedenen Sparten die Vermarktung von Poesiefilmen und erläutern den Wandel des Urheberrechts im digitalen Zeitalter. Interaktive Installationen ergänzen das Programm. Filmemacher aus 51 Ländern bewarben sich mit über 600 Filmen für den 3. ZEBRA Poetry Film Award. Die Programmkommission wählte daraus die besten 34 Filme für den Wettbewerb. Die Jury vergibt drei Preise, insgesamt mit 10.000 EUR dotiert: Den ZEBRA-Preis für den besten Poesiefilm, den Preis für experimentelle Filmpoesie, verliehen durch das Goethe-Institut und den Preis für Poesie, Film und Politik, verliehen durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Hörer von radioeins wählen den Gewinner des Publikumpreises, gestiftet von Cine Impuls. Das vollständige Programm finden Sie unter www.literaturwerkstatt.org. 3. ZEBRA Poetry Film Award 34. Marathongedicht Eine Gruppe weißer Südafrikaner will das längste je in Afrikaans geschriebene Gedicht geschrieben haben, um der Minderheitensprache zu einer Renaissance zu verhelfen. Afrikaans, eine Mischung aus Holländisch und lokalen Dialekten, provozierte zornige Reaktionen von Schwarzen vor 30 Jahren, als die Apartheid-Regierung der weißen Minderheit es in den Schulen einführte, was die blutigen Unruhen von Soweto 1976 anfachte. Heute erlebt die Sprache eine Wiedergeburt als eine der 11 offiziellen Sprachen des Landes. Auch junge Bewohner der schwarzen Vorstädte sprechen Afrikaans kombiniert mit ihrer lokalen Sprache. ... "Unsere Liebe zu Afrikaans" ist das Hauptthema des Gedichts, das so anfängt: "Toe vat die Suid-Afrikaners hand en dig die land aan die brand." Ungefähr: "Dann vereinigten Südafrikaner die Hände und entzündeten das Land" (mit Lyrik). / News.scotsman 3.10. Hier der Anfang des Marathongedichts: Toe vat die Suid-Afrikaners hand
Al is ons vêr verspreid
Afrikaans my kosbare taal
Afrikaans Afrikaans jou oulike ding
My liefde is onmeetbaar 33. Die Stadt Toronto benannte einen Platz nach dem ungarisch-kanadischen Dichter George (György) Faludy, der lange in der Stadt lebte. Faludy war im September im Alter von 95 Jahren gestorben. / Newswire.ca 3.10. In L&Poe: 2004 Apr #68. Bi-. ja Multi-; 2006 Sep #17. Glückliche Zeit in der Hölle 32. Parataxe und Namenslisten Hinter dem Plädoyer für den anti-hierarchischen Listenbau und der "Utopie der Parataxe" zeichnete sich die Ursprungskonstellation der Pastior-Sprachspiele ab, ihre Herkunft aus dem Zeitalter der Kriege und totalitären Politik. In Pastiors Spielen mit Zahlwörtern und Wortkolonnen, in der unerschöpflichen List des Listenanlegens ist das Echo auf die "Namenslisten auf dem Amt, bei Verteilern oder Deportationen" unüberhörbar. Nein, sein Werk, dieser späte, weit verzweigte Trieb am Baum der historischen Avantgarde, ist nicht allein aus dem Spieltrieb hervorgegangen. Sondern ebensosehr aus der Notwehr und der obsessiven Wiederholung der immergleichen Urszene der Selbstbehauptung des jungen Mannes, der einer Übermacht nichts entgegenzusetzen hat als das Alphabet. LOTHAR MÜLLER, SZ 6.10. Außerdem in dieser Ausgabe: Erinnerung an Oskar Pastior. Von Michael Krüger 31. Aus Sicht der Lyrikzeitung liegt die FAZ bei den Literaturbeilagen klar vorn. Erfahrungs-, erwartungsgemäß. (Die Neue Zürcher Zeitung war an dem Tag nicht zu haben - Greifswald grüßt Salzburg). Die Süddeutsche brachte gerade mal eine Lyrikrezension (Borges). Den bespricht die FAZ auch - darüber hinaus aber Josef Guggenmos sowie auf einer ganzen Seite: Wulf Segebrecht über Oskar Pastior, Walter Hinck über Günter Kunert und Harald Hartung über Ales Steger. Und die Zeit-Beilage? 104 Seiten garantiert lyrikfrei. FAZ 4.10. - SZ 4.10. - Zeit Literatur. Zeit Nr. 40 30. Frost paraphrasiert Die Inhaber der Rechte am Werk Robert Frosts erlauben nur vier Zeilen aus dem neuaufgefundenen Gedicht (L&Poe 2006 Sep #124. Unbekanntes Frost-Gedicht entdeckt) zu zitieren. Es besteht aus sieben Strophen zu je fünf Zeilen. Deshalb greift Scott McLemee (auf Inside Higher Ed 4.10.) zur Paraphrasierung der Strophen 1-6 und zitiert dann die letzte - dh deren letzte vier Zeilen: The scene is late afternoon on a weatherbeaten farm. Storage sheds spot the landscape behind a house. A woman sewing inside hears a ruckus — a conflict between blue jays and crows. She gets up to look out the window. A few of the birds are talking among themselves in a tree. They discuss going AWOL — flying off, one by one, even though their battle is no more finished than the one under way in France. The woman’s mind turns to thoughts of an army camp there — a place where men are turned into soldiers. That one of those men is a husband, or son, or brother, is not explicitly stated. (The voice narrating the poem is fairly taciturn.) She pulls down the shade and lights a lamp. The window glows from its light. And the final lines of the poem (which we’ll quote per the quota) sketch the scene outside: The uneven sheds stretch back In L&Poe: 2001 Jan (poetry-free presidency); Mrz (Deliberate Prose, the long-awaited collection of Ginsberg's essays and criticism); 2003 Jan (Robert Frost wiederzuentdecken); Aug (Die amerikanische Dichterin Louise Gluck); 2004 Jan (In The Oregonian); Mai #12. Good Poems - Buch und Radioshow; Aug #28. Gedenktafel für Ezra Pound; Aug #68. Irrenhaus; 2005 Mrz #96. Plazierungen; Okt #73. Dynamische Gestaltung; 2006 Mrz #119. Was wir zuerst gelesen; Apr #14. Lyrik Kabinett München - Lyrik-Bibliothek; Apr #83. Zwischenbilanz zum US-National Poetry Month / #87. Promises to keep; Jul #8. Schlicht und geheimnisvoll; Aug #50. Mending Walls; Sep #124. Unbekanntes Frost-Gedicht entdeckt 29. Man staunt über die elegante Weltaneignungsgeschicklichkeit, mit der Steger seinen Katalog der Dinge anlegt. Er erprobt die unterschiedlichsten Annäherungsformen: Es gibt philosophische, sprachspiel-verliebte, zeithistorisch akzentuierte, aber auch maniriert-groteske Gesten, mit denen er die Eigenheiten der Dinge zur Erscheinung bringt. In seinem Exkurs über "Brot" ist das Lebensmittel selbst das aktive Subjekt, das seinem menschlichen Nutzer die Bedingungen seines Handelns vorrechnet: "Jeden Abend wiederholst du dieses Spiel aus Mehl. / Es schuf dich als Verbrennungsofen deiner Schuld." In solchen Gedichten bleibt er nah am poetisch evozierten Gegenstand. In seiner Abhandlung über den "Regenschirm" zieht er die Heiligenlegende vom heiligen Sebastian als Topos heran, um einen etwas überinstrumentierten Vergleich zu legitimieren. Bereits hier treibt er die metaphorische Kühnheit ziemlich weit. Das Prasseln der Tropfen auf den Regenschirm erscheint als existenziell-medizinische Grenzsituation: "Ihr bleibt stehen und lauscht dem dumpfen Dröhnen zwischen seinen Rippen. / Ein Kammerflimmern zweihundert Pädophiler vorm Infarkt." Mit erkennbarer Leidenschaft für eine grelle Bildlichkeit versucht Steger seine Dinge zu illuminieren. Wo er nah an den Objekten bleibt, lässt man sich überzeugen und auch faszinieren von den Gedichten. In den stärksten Momenten seiner Ding-Poesie erweisen sich die Gegenstände als Zeit-Kerne, in denen unzählige dramatische Geschichten und Menschenschicksale verkapselt sind. / Michael Braun, Freitag 40 Ales Steger: Buch der Dinge. Aus dem Slowenischen von Urska P. Cerne und Matthias Göritz. Mit einem Nachwort von Matthias Göritz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, 96 S., 14,80 EUR 28. Indische Zahlen Es gibt 15. 000 indische Verlage, 250 Universitäten, 24 Amtssprachen. Wenn man in diesem riesigen Land mit mehr als einer Milliarde Menschen nur ein Prozent Lesewillige annimmt, dann sind das schon zehn Millionen, ein gewaltiger Markt. Die Auflagen der Bücher sind insgesamt kleiner als in Deutschland. Ein Bestseller-Autor wie Sunil Gangopadhyay verkauft 50.000 Exemplare seiner Bücher, im Durchschnitt beträgt die verkaufte Auflage eines Romans aber nur 2.000-3.000 Exemplare. Obwohl die Lyrik einen weitaus größeren Stellenwert hat als in Deutschland, werden von einem Gedichtband - ähnlich wie in Deutschland - weit unter 1000 Exemplare verkauft. / Michael Braun sprach mit dem Heidelberger Verleger Christian Weiß, Freitag 40 Bücher aus dem Draupadi Verlag: Vishnu Khare: Die später kommen. Prosaische Gedichte. Aus dem Hindi von Lothar Lutze. 92 S., 9,80 EUR Mandakranta Sen: Alles im Zeichen der Nacht. Gedichte aus Bengalen. Aus dem Bengalischen von Shaymal Dasgupta. 40 S., 7,50 EUR 27. Magnetbanduntergrund Folgt ein Widerstand dem Ohmschen Gesetz, bestehen Zusammenhänge zwischen Spannung, Stromstärke und elektrischer Leistung. Ein Buch, das Spannung. Leistung. Widerstand heißt, könnte also leicht für ein Lehrbuch der Elektrotechnik gehalten werden. In Wirklichkeit läßt das von Alex Pehlemann und Roland Galenza herausgegebene Werk die unabhängige Tapekultur der ehemaligen DDR wiederauferstehen. Zwei inliegende CDs, kompiliert von Bernd Jestram, Bo Kondren, Ronald Lippok und Bert Papenfuß, präsentieren aus Hunderten alter Kassettenaufnahmen ausgewählte Stücke des musikalischen Untergrunds. Mit Punk in der DDR hatte sich Roland Galenza - neben Alex Pehlemann von "Zonic" Herausgeber von Spannung. Leistung. Widerstand - in seinen letzten, mit Heinz Havemeister herausgegebenen Büchern Wir wollen immer artig sein. Punk, New Wave, Underground und Hip Hop in der DDR (1999) und Mix mir einen Drink (2002) über die Band "Feeling" B beschäftigt. In Spannung. Leistung. Widerstand geht es nun um die Schnittstelle von Undergroundliteratur, Bildender Kunst und Postpunk, vereinigt auf einer Magnettonbandkassette. ... Ein wichtiges Interview fehlt im Buch, es wurde nicht rechtzeitig fertig und in Heft 5 der von Bert Papenfuß herausgegebenen Zeitschrift TorTour nachgereicht. Mit dem Gespräch zwischen Bert Papenfuß, Cornelia Schleime und Ralf Kerbach wird das Buch erst vollständig. Es ist also empfohlen, TorTour 5 dazuzuerwerben, die Zeitschrift ist allerdings mangels Vertrieb ebenso schlecht zu bekommen wie seinerzeit eine Kassette von "Ornament & Verbrechen". Einige der Protagonisten der Undergrounds sind inzwischen international erfolgreich, wie "Tarwater", "To Rococo Rot", "Carsten Nicolai" oder "Rammstein". Sie arbeiten heute unter völlig veränderten Bedingungen. Andere Protagonisten können aufgrund ihrer prekären Lebensumstände nicht einmal mehr die Miete für eine Einzimmerwohnung im Prenzlauer Berg (inzwischen kostet sie 200 Euro aufwärts) aufbringen, einige sind tot, vor die Straßenbahn gelaufen, beim Raubüberfall erschossen, zuviel Ephedrin/Amphetamin oder Herzversagen s... Aber so ist es wohl immer, wenn ein Untergrund aufgewühlt wird./ Annett Gröschner, Freitag 40 Alexander Pehlemann & Ronald Galenza (Hrsg.) Spannung. Leistung. Widerstand. - Magnetbanduntergrund DDR 1979-1990, Verbrecher, Berlin 2006, 192 S., 29,90 EUR 26. Begehbares Gedicht in München Dieser, der zweite Teil des Stationendramas "Mariens Woyzeck-Ghaselen" ist die Coda, die freie Variation dessen, was zuvor an der Marienklause an der Isar als Thema gesetzt wurde. Es ist die Phantasie darüber, was nach dem Mord noch ist. Es ist das größte begehbare Gedicht, das es je gab, auf der Brücke, die einst Selbstmörder anzog wie der Mond die Poesie. / SZ / München, 7.10. Berkan Karpats Stationengedicht "Mariens Woyzeck-Ghaselen", bis 9. Oktober, Telefon 54 03 08 18 25. Harry Mathews de l'Oulipo Als Harry Mathews im Januar 1991 nach Berlin kam, benutzte er seine Visitenkarte als Klingelschild. In erhabener Schrift stand da auf feinstem Karton: "Harry Mathews de l"Oulipo". Der etwas geheimnisumwitterte Harry Mathews, Ästhet, Experimentalist, Koch und Erotiker, Verfasser des masturbationsreichen Buches "Die Lust an sich" und der unerklärlichen Sado-Kreuzigungsszene in seinem Roman "Zigaretten" und die ebenfalls etwas geheimnisumwitterte Oulipo-Gruppe ("Ouvroir de littérature potentielle", "Werkstatt für potentielle Literatur") - das scheint sehr gut zusammenzupassen. Auf einem Foto von 1975 sieht man ihn, zwischen Italo Calvino, Gruppengründer Le Lionnais und Raymond Queneau, Georges Perec im Hintergrund und der abwesende Jacques Roubaud grünlich in einen grünen Baum hineincollagiert. Wie stieß der Amerikaner Harry Mathews zu dieser Werkstatt für potentielle Literatur? Was hat ihn, der uns auf dem Foto etwas traurig, etwas lüstern, etwas hintersinnig anschaut, von New York, seinem Geburtsort, nach Paris, von dem Musikstudium in Harvard zur "freien" Lyrik, von der Entdeckung Raymond Roussels zum "Oulipoisten**" und schließlich zum Agenten des amerikanischen Geheimdienstes gemacht? / JOACHIM SARTORIUS, SZ 7.10. HARRY MATHEWS: Mein Leben als CIA. Eine Chronik des Jahres 1973. Autobiographischer Roman. Aus dem Amerikanischen von Michael Mundhenk. Urs Engele Editor, Basel 2006. 280 Seiten, 19 Euro. ** Oskar Pastior hätte gesagt: "Oulipoten". Oulipo ist eine Werkstatt und kein Ismus. Aber der lebt nicht mehr 24. Freiheit des Denkens gegen den Strich Ein Nachruf von Christina Weiss, die ihre Laudatio auf Pastior dennoch halten wird. Es ist ihm doch zu sehr zu Herzen gegangen: Oskar Pastior starb zwei Wochen vor der Verleihung des Büchner-Preises durch die Akademie für Sprache und Dichtung. Er starb einen eigenartigen, eigensinnigen literarischen Tod: In Frankfurt zur Buchmesse angekommen, sitzt er allein am Tisch von Freunden, liest, ist völlig auf die Interviews der folgenden Tage eingestellt, seine Rede zum Büchner-Preis liegt zu Hause in Berlin fertig auf dem Tisch. Ein guter Moment im Dichterleben. Aber Freude und plötzlich anbrandendes Öffentlichkeitsinteresse brechen geradezu gewaltsam ein in das Leben eines Kopfarbeiters, für den Konzentration und Präzision der Arbeit so existenziell wichtig sind. Oskar Pastior sitzt am Tisch und liest, und sein Leben hört einfach auf. Am Tag vor den großen Interviews, dem ihm gar nicht geheuren öffentlichen Gepränge, geht er mit der ihm so eigenen Bescheidenheit einfach friedlich davon. Dieser Tod, der zu früh (wie der Büchner-Preis zu spät) kam, passt zu Oskar Pastior, diesem Sprachzauberer, der allen, die ihm beim Vorlesen zuhörten, den Kopf verdreht hat. Seine Sprache hat er zu seinem Instrument der Freiheit gemacht. Er hat in seinem Leben begriffen, dass die Sprachfähigkeit das Einzige ist, was dem Subjekt Freiheit beschert, Freiheit des Denkens gegen den Strich. Es geht um die Freiheit, mit einer eigenen Sprache den Horizont der Wahrnehmung und des Denkens zu beschreiben, zu erweitern, um sich unabhängig zu machen von Vorgaben und Zwängen und vorgegebenen eindeutig verstehbaren Bedeutungen. / Christina Weiss, Die Welt 8.10. 23. Was bleibt von Senghor? Der ehemalige senegalesische Präsident Léopold Sédar Senghor würde am 9. Oktober 100 Jahre. Schwer zu sagen, welcher Teil seines Wirkens am wichtigsten ist - das lyrische Werk, die Verteidigung schwarzafrikanischer Werte, der Kampf für den Dialog der Kulturen oder der Aufbau eines demokratischen Staates. ... Was bleibt von Léopold Sédar Senghor ? Ohne Zweifel seine Lyrik. Das Wort des Dichters, "Neuschöpfer des Kosmos", hört nicht auf, die Träume der Menschen zu beflügeln. Seine Gedichte, "diese Worte die das Herz und das Ohr erfreuen", dieses "gut sagen", wie er es definiert, sind unvergänglich. Sie singen von Liebe, Brüderlichkeit, Menschlichkeit, Tod, Leben, Schönheit. Sie singen von der Hoffnung, Afrika auferstehen zu sehen, wenn die Ketten zerbrochen sind, "um beizutragen zum Aufkeimen einer panhumanen Zivilisation". / TSHITENGE LUBABU M.K., Jeune Afrique 1.10. In L&Poe: 2001 Aug, Okt, Dez (4 Nachrichten); 2004 Aug #91. Die größten Afrikaner; 2005 Mai #87. Léopold Sédar Senghor-Preis, Jun #44. Unsichtbare Literatur, Jul #70. Négritude oder Malgachitude?, Okt #47. Gesänge der Négritude; 2006 Jan #110. "Sklavenvordenker"; Feb #12 (Négritude, arabité et francité); Feb #56. Leider kannte keiner / #82. Senghor-Jahr; Mrz #11. Senghorjahr in Gabun; Mrz #97. Es gibt sie immer noch / #98. Panafrikanische Synthese; Mai #84. Rodney Sainte Eloi; Aug #24. Schwarzer Aufbruch 22. Iranischer Lyriker und Satiriker gestorben Der iranische Lyriker und Satiriker Omran Salahi starb in Teheran im Alter von 60 Jahren. Seit 1973 arbeitete er für Rundfunk und Fernsehen seines Landes. Wegen seiner bissigen Satire sagte der Lyriker Ahmad Shamlu über ihn: "Er heißt Omran", (das heißt Wachstum und Aufbau), "aber von Anfang an verursachte er Zerstörung". / Mehr News, Iran, 5.10. 21. American Life in Poetry: Column 080 BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE, 2004-2006 One of poetry's traditional public services is the presentation of elegies in honor of the dead. Here James McKean remembers a colorful friend and neighbor.
Elegy for an Old Boxer
From my window
Reprinted from "Headlong," University of Utah Press, 1987, by permission of the author. First published in "Prairie Schooner," Vol. 53, No. 3, (Fall 1979). Copyright © 1979 by James McKean, whose latest book is nonfiction, "Home Stand: Growing up in Sports", Michigan State University Press, 2005. This weekly column is supported by The Poetry Foundation, The Library of Congress, and the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. This column does not accept unsolicited poetry. 20. Oskar Pastior gestorben Eben erfahre ich im Radio, daß Oskar Pastior gestern abend im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Zuerst gelesen habe ich ihn - Gedichte und Übersetzungen - als Student in Rostock in den 70er Jahren in der Zeitschrift Akzente. Seitdem ist mir ein spezifischer Pastiorton im Ohr (obwohl Pastior sich in fast jedem Buch neue Verfahren erfand). Zuerst persönlich gehört habe ich ihn Anfang der 90er Jahre in Vaasa in Mittelfinnland. Seitdem hat dieser Ton auch eine akustische Seite. Im Oktober sollte er den Büchnerpreis erhalten. Das ist jetzt postum. Ich mochte ihn sehr. In L&Poe: 2001 Jan (ENRITSUDAHL / Huchel-Preis an Oskar Pastior); Feb (Europäische Poesie 2001 / Lyriker Hugo Claus erhält Preis); Mrz (Drei Stunden Lyrik im ZDF); Apr (Peter-Huchel-Preis 2001 für Oskar Pastior); Aug; Okt; 2002 Jan (Radio- und Fernsehtip); Mrz (Urs Engeler Editor); Apr (Oulipo & Co); Mai (Letztes Colloquium / Begegnung in Innsbruck); Sep (Die Kulturtage Lana feiern Oskar Pastior); Okt (Dichter polylingualer Herkunft); Nov (Erich-Fried-Preis für Oskar Pastior); Dez (Harry Mathews); 2003 Apr (Avantgarde, [wieder mal] abschließend / Dauergeheimtip (Kling über Pastior)); Mai (First Pantoum of Summer); Sep (3. Internationales Literaturfestival Berlin, 10.-21.September); Dez (Lyrik aus Rumänien); 2004 Feb #23. Zeitverhafteter, aber jetzt wiederentdeckter rumänischer Avantgardist / #32. Verrückte Bibliothekarin (Anthologie) / #36. Pastiors Chlebnikow neu; Jul #45. Petrarca 700; Aug #4. Konzepte; Sep #34. Heimische Preciosen; Nov #28. Flaumiran Schpektrum; 2005 Jan #25. Europas "Lichtungen"; Jan #63. Nochmal ein anderer / #78. Huchelpreis für Nicolas Born (1937-79); Mai #2. In memoriam Thomas Kling; Sep #5. Alphabet der Welt / #48. Schrift. Zeichen. Geste; Nov #30. Rumäniendeutsch auf Französisch; 2006 Feb #64. Der Kanon / #68. Aus gegebenem Anlaß; Mai 43. Büchnerpreis für Oskar Pastior; Mai / #44. Dichterfest in Kopenhagen #51. Gretchenfrage / #57. Homilettrie für Christensen; #67. Oskar Pastior & Otto Nebel / #69. Literatur Sommer / #74. Vernissage Otto Nebel mit Oskar Pastior; Mai #96. Sinnfreien Buchstabensalat; Aug #109. Tiefenpoetin in Erlangen; Sep #75. Früher Pastior 19. Alain Lance ausgezeichnet Als Dichter war er, obwohl schon in jungen Jahren mit Philippe Soupault persönlich bekannt, zunächst von Nazim Hikmet, Ilarie Voronca, Attila Jozsef, Bert Brecht beeinflußt und fand erst später zu den Dichtungen von Robert Desnos, Raymond Queneau, Yves Bonnefoy, Jean Follain. Diese für einen Franzosen untypische Entwicklung könnte dazu beigetragen haben, daß Alain Lance nun den DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt erhalten hat. / Joseph Haniman, FAZ 5.10. (Nur frage ich mich ein wenig, wieso es typisch deutsch (oder Hessisch?) sein soll, von einem türkischen oder ungarischen Dichter beeinflußt zu sein?) In L&Poe 2002 Jul (Das "Neue Deutschland" schmückt) 18. Forward Prize 2006 verliehen Der Forward Prize 2006 für die beste Sammlung (£10,000) geht an Robin Robertson für den Band "Swithering". Robertson, 50, aus Scone, Perthshire, ist der erste Lyriker, der den Preis für die beste Sammlung und den für die beste erste Sammlung (1997 für "A Painted Field") erhielt. Der Preis für die beste erste Sammlung 2006 (£5,000 ) geht an Tishani Doshi, 31, geboren in Indien. Als bestes Einzelgedicht wird "Fantasia On A Theme Of James Wright." von Sean O'Brien ausgezeichnet (£1,000). Sein Gedicht sei "so nahe wie nur möglich an einem perfekten Gedicht". O'Brien, 53, aus Newcastle, hat früher schon einmal den Preis für die beste Sammlung bekommen. / BBC 5.10. Longlist s. L&Poe Jul #65 Robertson: 2002 Feb (Der Guardian druckt zwei Gedichte von Robin Robertson nach Rilke, darunter dies); 2004 Jun #14. Achtung, neue Dichter!; 2006 Jul #65. Forward Prize 2006 17. Er tut es - Gedichtelesen nämlich - "moderne Gedichte, aber auch Brecht". Kurt Beck, Ministerpräsident, SPD-Vorsitzender, Leser. / Gespräch in Die Zeit 41 16. Sie tat es Daß man es bei Guggenmos mit einem großen Menschenfreund zu tun hat, teilt sich mit, und gleichzeitig ist bei aller Zugänglichkeit der Gedichte in jedem von ihnen eine Reserviertheit zu spüren, ein unerklärbarer Rest, der der Freude am Wortspiel geschuldet ist oder dem großen Vermögen des Autors, krumme Wege zu gehen: Schwungvoll und anarchisch nimmt das seinen Lauf, und oft hat das Ende vom Lied die Anfangsmelodie völlig vergessen. "Sie tat es!" heißt etwa ein besonders hübscher Fünfzeiler, der diese Wendung auf engem Raum und mit großer Musikalität vollbringt: "Susanne, ein Mädchen in Genf,/ verzierte den Kuchen mit Senf/ sowie mit dem Rest des Spinates./ Ja, tut man das? Doch sie tat es./ Sie tat es! Sie tat es! Sie tat es!" Wer so grazil die Backen aufblasen kann im Gedicht, wer über Versfüße auf das eleganteste verfügt und sich ebenso frei über sie hinwegzusetzen weiß, der hat auch eine so großzügig gestaltete Werkauswahl wie diesen Band verdient. Sie enthält vieles von dem, wofür man diesen ungemein freien Geist schätzen wird, sie hält sich eher an die Miniaturen, vergißt aber darüber nicht die federleichten Liebesgedichte und gereimten Briefe, die so gar nichts von der Betulichkeit haben, die dieser lyrischen Untergattung sonst unweigerlich anhaftet. Guggenmos aber formt daraus die zierlichsten Vertraulichkeiten, die man sich denken kann. / Tilman Spreckelsen, FAZ 4.10. Josef Guggenmos: Groß ist die Welt. Die schönsten Gedichte. Auswahl und Nachwort von Hans-Joachim Gelberg. Mit Bildern von Sabine Friedrichson. Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2006. 208 S., geb., 24,90 [Euro]. Ab 6 J. L&Poe zuletzt Sep #111. Verregnetes Leben der Eintagsfliege 15. Der Macher In der FAZ-Literaturbeilage vom 4.10. schreibt Paul Ingendaay über Jorge Luis Borges' Gedichte. Die neue Ausgabe sei nicht nur die dritte Überarbeitung und Vervollständigung, sondern die dritte Neuedition einer Borges-Werkausgabe innerhalb von 25 Jahren. "Außer Frage steht, daß diese Verse für das Borges-Verständnis fundamental sind" (über die Gedichte des Bandes "El Hacedor", Der Wortschöpfer, von 1960). Ingendaay rügt - m.E. völlig zu Recht - die schwedischen Akademiker, die es nicht über sich brachten, ihren Preis mit Borges zu ehren (vermutlich aus political correctness, welche ein Kardinalübel ist) Der Gedichte erster Teil. Aus dem Spanischen übersetzt von Gisbert Haefs und Karl August Horst. Zweisprachige Ausgabe. München: Hanser 2006 331 S., 24,90 EU (Wobei gleich "Der Wortschöpfer" für "El Hacedor" ins Dilemma des Übersetzens führt, denn eigentlich heißt das Wort nur "Schöpfer, Macher", wird oft auf "den Schöpfer", Gott, angewandt, kann aber auch den Verwalter einer Hacienda meinen. Borges spielt mit diesen Bedeutungen und übersetzt doch nur wörtlich das griechische Poet, Macher. Soll der Übersetzer interpretieren, an der Hand führen, oder nicht doch den Leser selber interpretieren lassen, wenn er halt mag und kann?) Mehr: Volker Breidecker, SZ 4.10. In L&Poe: 2001 Mrz (Seit einigen Jahren wird die moderne argentinische Lyrik); 2002 Feb ("two nightingales dueling"); 2003 Jan (Borges, Metaphern lesend); Jul (Jaime Labastida); 2004 Jan (Von Angesicht zu Angesicht); Feb #89. Nochmal Quevedo; Mrz #9. Lyrikreise; Okt #28. Kein Preis für Lyrik; 2005 Apr #56. Drei große Alte; 2006 Apr #56. Claude Esteban gestorben: Jun #63. Czernin, Novalis, Borges; Jul #11. Verbissen 14. Krieg dem Palast In der FAZ vom 2.10. kommentiert Durs Grünbein eine ganze Seite Fotos vom Abriß des Palastes der Republik in Berlin und bekennt seine Genugtuung: "Nicht alles soll bleiben, manches ist wert, daß es zugrundegeht." (Nun, so spricht ein Sachse, ein Dresdner. Mancher Berliner sieht es ja anders) 13. Ein linguistischer Jacques Tati, stellt Brunke mit Wortüberdrehtheit die Sprachleergüter aus Funk und Film, Technik und Reklame als tendenziell unmenschlich bloss, verleiht ihnen in anachronistischer Empfindsamkeit mitunter aber auch einen poetisch-elegischen Dreh. Da schiessen Zauberlehrlings- und Prometheus-Motiv im «Konstrukt» zusammen («Ich bin das Tool, das Deinen Kühlschrank mit dem Auto kombiniert», und postindustrielle Features fügen sich – als buchstäbliche Stereo-Typie – zum salomonischen Hohelied: «Meine Worte möchten ein Martini Bianco sein für Dein linkes Ohr und ein Martini d'Oro für Dein rechtes.» / NZZ 4.10. Timo Brunke: All das. All diese Dinge. Poetry, 1 CD (63 Min.). Verlag Der Gesunde Menschenversand 2006. www.menschenversand.ch 12. Gedicht für Frank Beyer Als ich die Nachricht vom Tod des Filmregisseurs Frank Beyer hörte, fiel mir ein Gedicht von Wolf Biermann ein - geschrieben als Prolog für den Defafilm "Die Spur der Steine" und aus dem Film gestrichen, bevor der Film gestrichen wurde. 1988 las ich im Mitteilungsblatt der Ostberliner Akademie der Künste eine Filmographie Beyers, die auch den verbotenen Film auflistete. Daraufhin schlug ich dem Greifswalder Filmklub vor, unter Berufung auf die Akademie den Film bei der zuständigen "Bezirksfilmstelle" in Rostock anzufordern. Der tat das auch und erhielt die amtliche Antwort eines zuständigen Herrn: "Dieser Film ist uns nicht bekannt." Erst gut ein Jahr später wird auch der ihn gekannt haben, zuständig für was auch immer dann oder jetzt. "Spur der Steine" ist einer der besten Defafilme. Die "Berliner Morgenpost" vom 4.10. druckt Biermanns Prolog im Auszug. Hier der ganze Text: Sie sehen hier ein Defa-Stück! Die Geschichte des Films "Spur der Steine", Tagesspiegel 2.2.2005 11. Salzburger Lyrikpreis Das Land Salzburg vergibt seit 1993 einen Lyrikpreis in jenen Jahren, in denen kein Georg-Trakl-Preis ausgeschrieben wird. Der Preis wird heuer zum achten Mal verliehen und geht heuer an Hans Augustin (57) und Bettina Balaka (40). Das teilte am Dienstag Kulturreferent LHStv. Othmar Raus (S) mit. Das mit 2.900 Euro dotierte Preisgeld wird diesmal geteilt. Die Überreichung der Preise findet am 28. November in der Neuen Residenz statt. / Der Standard 4.10.* 10. Metaphysische Possen Es geht etwas Geheimnisvolles vor in den Gedichten von Charles Simic. Sie führen zunächst in eine alltägliche, manchmal geradezu banale Szene, die jedoch zunehmend rätselhafter wird, bis sich das, was eben noch bekannt war, plötzlich im Bodenlosen verliert. Als würden die Fäden, die unsere Vorstellungen von der Welt und ihre Gesetzmässigkeiten zusammenhalten, aufgetrennt. Doch dann erblickt man auf einem Seil über dem Abgrund in perfekter Balance den Dichter, der mit verschmitzter Miene seine metaphysischen Possen treibt. Der kleine Vagabund mit Stock und Bärtchen beim schwindelnden Hochseilakt. ... Die Hölle in Simics Vision unterscheidet sich in nichts von einem Gang durch eine Grossstadtstrasse: «Wir sahen überall brennende Häuser, / In denen Menschen gefangen waren, / Aber niemand achtete auf sie, / Denn es gab so viel anderes zu tun und zu sehn.» / Jürgen Brôcan, NZZ 2.10. (Bücherherbst) 9. KMCM Folgendes ist zu verkünden: Am Freitag, den 13. Oktober veroeffentlicht der Schweizer Rapper und Dichter Kutti MC a.k.a. Juerg Halter sein neues Album “Dark Angel“ (Muve Recordings). Die Gaeste auf dem Ausnahme-Album heissen Kuno Lauener (Zueri West), Endo Anaconda (Stiller Has), Polar und Fettes Brot (Remix von “Dini Stadt“). Produziert wurde das Album von Kutti MC und Benfay. “Dark Angel“ kann über citydisc.ch, cede.ch u.s.w. ab jetzt vorbestellt werden. Mehr der Information ist zu finden unter: http://www.kuttimc.com. Den in Las Vegas gedrehten Video zum Song "Dini Stadt" (Nummer 731) ins Fernsehen (Viva Swizz) waehlen: http://www.vivatv.ch/community/vivamat/2 Auch die diversen Radios sind zu bewegen. Bereits in das neue Album “Dark Angel“ reinhoeren? Check: http://www.myspace.com/kuttimc Die Dark-Angel-Tournee-2006 mit Kutti MC & Band laedt zum Besuch ein: 20. Okt. Duedingen (Bad Bonn), 27. Okt. Zuerich (Moods), 10. Nov. Bern (Dampfzentrale), 16. Nov. Solothurn (Kofmehl), 24. Nov. Langenthal (Chraemerhuus), 30. Nov. Luzern (Treibhaus), 7. Dez. Thun (Cafe Mokka), 9. Dez. Winterthur (Kraftfeld) u.a. Der Vorverkauf laueft. Fuer weitere Konzerte ist Kutti MC’s Booking-Agentur zu kontaktieren: http://www.weltrekords.ch One Love - Der Film Am Sonntag, den 22. Oktober zeigt das Schweizer Fernsehen SF 1/Klanghotel den 52-minuetigen Film “One Love – Juerg Halter vs. Kutti MC“. Ein Dokumentarfilm, ein Abendteuerfilm, ein filmischer Entwicklungsroman ueber einen jungen Schweizer Kuenstler, der auszog, sich in der Fremde fast zu verlieren und zu finden. Von Susanna Huebscher und Hannes Hug (Das Kollektiv, Zuerich). Gedreht wurde in Los Angeles, Bern, Las Vegas und Tokyo. “Ein Film, der jawohl ueberrascht“ (O-Ton von P. D., Produzent). Anfang 2007 wird der Film auch untertitelt auf 3sat zu sehen sein. Eine DVD ist in Planung. - Es gruesset praechtig, Elfriede "K-J" Kehrtwende Sekretariat, Kutti MC Movement (KMCM) In L&Poe: 2004 Mai #50. art.21-swiss performance poetry; Jul #75. Willkommen in den Welten von art.21.; Nov #84. Lyrisches Abendessen; 2005 Jan #38. Kohle-Haiku; Mrz #11. art.21; Jun #17. Jürg Halter, Prophet; Jul #63. Abgesoffen; Dez #73. Anna Blume trifft Zuckmayer; 2006 Jan #45. Sechs junge Dichter 8. Von Loops zu Pools Manchmal genügt die Vertauschung einer unscheinbaren Silbe – und in Gedichten entsteht eine neue Welt. Matthias Göritz vertraut in seinem zweiten Gedichtband auf ein Anagramm, auf den Reiz einer Bedeutungsverschiebung, um die Grenzlinien seiner poetischen Territorien neu festzulegen. Auf sein Débutbuch «Loops» (2001) lässt er nun «Pools» folgen – eine poetische Metamorphose mit gewaltigen Konsequenzen. ... Seit dem Erscheinen der «Loops» vor fünf Jahren hat Göritz einen weiten Weg zurückgelegt: vom Grossstadtpoeten, der den Signalen im urbanen «Genesisgelände» nachspürt, hin zum gelehrigen Schüler einer meditativ-spirituellen Dichtkunst, der mit einer Ästhetik der Kargheit die Begegnung mit den Dingen ermöglichen will. Das kleine Titel-Anagramm von «Loops» zu «Pools» signalisiert bei Göritz eine Ausdehnung seines poetischen Horizonts – bei gleichzeitiger strenger Selbstdisziplinierung in der lyrischen Form. Dieser Wandel ist das Resultat einer intensiven Beschäftigung des Autors mit den Traditionen der chinesischen und der koreanischen Poesie. Vor einem Jahr hat Matthias Göritz als Übersetzer bei der Edition grosser koreanischer Modernisten mitgewirkt. Wer seine Übersetzungen der Gedichte von Kim Chi-Ha («Blütenneid», Wallstein-Verlag) mit seinen eigenen Gedichten vergleicht, dem fallen die offenkundigen Parallelen sofort ins Auge. Eine poetologische Notiz von Kim Chi-Ha könnte den «Pools» geradezu als Motto dienen: «Mein Auftrag des Himmels ist nun, mit der Sprache sparsam umzugehen, um die Lücken zu öffnen. Durch die Lücken möchte ich das Leben ein- und ausgehen lassen.» / Michael Braun, NZZ 2.10. In L&Poe: 2001 Dez (Jacobs´ Gedichte); 2002 Dez (Jan Wagner bespricht in der FR); 2004 Mai #77. Meraner Lyrikpreis; 2005 Okt #41. Über die Schwierigkeiten beim Lesen koreanischer Literatur in Übersetzung; Okt #96. Netzwerk; 2006 Mrz #23. Der Renegat der Avantgarde; Mrz #84. Autoren-Förderungsprogramm der Stiftung Niedersachsen ; Apr #88. "Trojanisches Pferd"; Sep #56. Ann Lauterbach 7. Thomas Hardy Im Guardian vom 30.9. ein Vorabdruck aus Claire Tomalins Biographie von Thomas Hardy Thomas Hardy: The Time-Torn Man, to be published by Viking on October 19, price £25 In L&Poe: 2003 Aug (It is hard to understand); 2004 Aug #68. Irrenhaus; 2005 Dez #7. Stimmenarchiv 6. Gute Lyrik Die Lyrik unterteilt sich in gute Lyrik - verfaßt von uns - und schlechte - von den anderen. (Miroslav Holub) In einem guten Gedicht wie in einer guten Ehe wird nicht alles ausgesprochen (David Burnett) Gute Gedichte lösen Gefühle auf, schlechte lösen sie aus (Peter Robinson) Moderne Lyrik ist schwierig, damit die Frau des Dichters sie nicht versteht. (Wendy Cope) Leseprobe aus: The Bloodaxe Book of Poetry Quotations edited by Dennis O'Driscoll (Bloodaxe, £9.95) / Besprochen im Guardian vom 30.9. 5. Poet laureate für Kinder Die Poetry Foundation hat Jack Prelutsky zu ihrem ersten poet laureate für Kinder ernannt. Damit will sie das Bewußtsein für das Genre schärfen und mehr Dichter dazu ermuntern, für Kinder zu schreiben. Prelutsky, 66, hat mehr als 35 Bücher veröffentlicht mit einer Gesamtauflage von mehr als einer Million. Mit dem Titel ist ein Geldbetrag von $25,000 verbunden. / New York Times 28.9. 4. Pizza Vongole Heute, am 1. Oktober, erscheint im Yedermann Verlag ein neuer Gedichtband von Adrian Kasnitz, "innere sicherheit“. Darin sind 57 neue Texte versammelt. "Der Alltag ist bankrott, die Idylle grau und die Illusion dahin. Prahlende Männer am Tresen, Mädchen, die servieren und abservieren – Kasnitz erzählt von Kaffeebars, Pilslaune und Barackenwhiskey. Vom Leben, das wie eine Kirmes ist: Plüschtier oder Niete", sagt der Klappentext. Hier eine Probe
pizza vongole (so als ob)
ich aß eine pizza vongole mit einem dichter
Weitere Informationen hier. 3. A lamba, la lampe, die Lampe Si Mouh Berdjane ist ein Dichter aus der echten kabylischen Tradition, er sucht seine Worte nicht, er "hat sie unter der Zunge" - und bleibt trotzdem im Schatten, weil seine Ideen stören, schreibt kabyle.com. Die Überschrift des Artikels: "Ein von einer Kultur unter Okkupation zurückgewiesener Dichter". Er hat wohl tausend Gedichte ersonnen, knapp die Hälfte kann er auswendig. Seine Fruchtbarkeit erklärt er so: "Ich reime unwillkürlich, ohne jede Anstrengung. Mir kommen Reime beim Gehen, in der Nacht, beim Fahren, unter der Inspiration des Augenblicks oder der aktuellen Ereignisse." Erinnert ihn jemand an den Anfang eines Gedichts, das er vergessen hat, fällt es ihm manchmal wieder ein, wenn nicht, ist es verloren. Si Mouh Berdjane wurde 1946 in Aguemoune in Nordalgerien geboren. Er dichtet über alles - Natur, Religion, Politik. Einmal nahm er an einem Poesiewettbewerb in Tizi Ouzou teil. Er trug ein Gedicht vor, "das vom politischen Leben sprach, von dem, was manche "die arabische Welt" nennen: von Wahlbetrug, Präsidentschaft auf Lebenszeit, Folter usw., und was geschah? Ich wurde von der Liste der 100 besten Poeten gestrichen." Den toten Dichtern wünscht er, daß Gott sie alle in seinem Paradies versammelt, und den lebenden, ob bekannt oder unbekannt, daß sie sich nicht entmutigen lassen, "man muß viel arbeiten, da wir in einem Land leben, wo die Kultur nicht in guten Händen ist, deshalb Mut und noch mal Mut". Im Oktober - "wenn alles gut geht" - erscheint sein erstes Gedichtbuch mit etwa 30 Gedichten zweisprachig (Kabylisch und Französisch). Hier sein erstes Gedicht in der Berbersprache - "A lamba" (Die Lampe) von 1972:
A lamba ughur nettwali
Izri-w yeghleb lehmali
Ttxilem câel ur xetti 2. Kein Westimport Die Homosexualität ist kein Import aus dem Westen, wie uns gewisse religiöse Fundamentalisten und Extremisten glauben machen wollen. Seit Jahrhunderten ist sie in der arabischen Kultur präsent! "Der Mann ist ein Kontinent, die Frau ist das Meer. Ich ziehe das Festland vor.": Abu Nuwas, der große arabische Dichter, machte kein Hehl aus seiner Neigung zu Knaben... im Persischen des 10. Jahrhunderts. ... Abu Nuwas ... wurde 757 in Ahwaz (heute Iran) von einem arabischen Vater und einer persischen Mutter geboren und starb in Bagdad im Jahr 815. Er gilt als einer der begabtesten arabischen Dichter. Er studiert die arabische Literatur und Poesie und läßt sich in Bagdad nieder, das damals auf seinem Zenit war. Seine Ankunft fällt mit dem Beginn der Herrschaft des Kalifen Harun Al Raschid zusammen. Sein Ruf als Lebemann und seine literarische Kühnheit verschaffen ihm einen Platz als Höfling und am Hof geschätzter Dichter. / Emarrakech (Die Leserdiskussion beweist, daß es nicht selbstverständlich ist, offen über Homosexualität zu reden. Aber es ist möglich, in Marokko zumindest) Abu Nuwas in L&Poe: 2001 Okt; 2002 Okt (Poesie der Freiheit); 2004 Apr #10. Poesie und Fatwa; Okt #19. Im Garten mit Baudelaire 1. Wie man Gedichte verkauft Interview mit Wolf Wondratschek, SZ 30.9.: Vor 100 Jahren, da war ich, wie Sie wissen, kurzfristig immer mal wieder mein eigener Verleger, das hat alles noch mächtig Spaß gemacht, und wie! Mich amüsiert das heute noch, wie ich da durch die Hallen ging und das selbst hergestellte Bändchen mit meinen Gedichten angeboten habe. Die haben mich angestarrt und aus Barmherzigkeit ein Exemplar für fünf Mark abgekauft. Kein Jahr später waren dieselben Gedichte Bestseller. "Chucks Zimmer" war der für lange Zeit meistgekaufte Gedichtband. Es gab kaum jemand, der ihn nicht las . . . Für viele bin ich bis heute der Autor dieser Gedichte geblieben. ... Wie bitte kauft man ein Gedicht? Wir waren hier, im "Romagna Antica", und haben meine Lesung gefeiert. Bernd [Eichinger] schickte seinen Chauffeur los, und der kam nach einer halben Stunde wieder, weiß Gott woher, mit einem Briefumschlag voller Scheine. Ein Abend erregender Turbulenzen, ganz nach meinem Geschmack! Ich brauchte Geld. Er wollte dieses Gedicht haben, unbedingt, er wollte es wie einer, der getrunken hat, eine Frau will. In DLF-Lyrikkalender vom 1.10. sein Gedicht "Endstation" | ||||||
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