09a/2005
www.lyrikzeitung.de

In diesem Monat (erste Hälfte) über

(zur Nachricht bitte nach der angegebenen Nummer blättern)


Anthologien: 1 8 31
Berlin: 26 35 37 44
Bröllin: 13
Chemnitz: 48
Dada: 46
Darmstadt: 45
Demokratie: 23
Detmold: 5
englische Lyrik: 31
Fußball: 40
Geld: 37
Generation: 12
Gruppe 47: 10
Hall: 32
Hombroich: 29
Islam: 23
Ist´s auch nicht Lyrik...: 36
Kanon: 1 8
Köln: 14
Lautpoesie: 48
Liège: 32
literaturfestival berlin: 26 35 37
Nachdichtung: 25
Paris: 50
Parodie: 25
Performance: 13
popKOMM: 44
Rotenburg: 15
Sprachspiel: 24
Surrealismus: 46
Szczecin/ Stettin: 13
Tansania: 2
Urban Electronic Poetry: 44
Verserzählung: 17
Visuelle Poesie: 48
Werbung: 45


Achleitner, Friedrich: 32
Álvarez, Soledad: 26
Armantrout, Rae: 26
Basho: 41
Bauer, Christoph W.: 32
Bauer, Wolfgang: 11
Benn, Gottfried: 33
Bernhard, Thomas: 18
Berryman, John: 12
Biskupek, Mathias: 26
Bleutge, Nico: 29
Bobrowski, Johannes: 10
Bonnefoy, Yves: 50
Burrows, E.G.: 7
Christensen, Inger: 5
Claus, Carlfriedrich: 48
Cosic, Bora: 49
Dante: 17
Danz, Daniela: 4
Donhauser, Michael: 5
Dove, Rita: 28
Draesner, Ulrike: 26
Enzensberger: 26 37
Falb, Daniel: 29
Fallersleben, Hoffmann von: 3
Flenter, Kersten: 44
Frostenson, Katarina: 26
Fühmann, Franz: 24
Gappmayr, Heinz: 48
Garnier, Ilse: 48
Geertken, Hartmut: 48
Gernhardt, Robert: 43
Goethe: 25
Grünbein, Durs: 1 8 9 20 41 42
Hacks, Peter: 43
Handke, Peter: 40
Harp, Jerry: 12
Hartung, Harald: 16
Hass, Robert: 41
Heaney, Seamus: 42
HEL Toussaint: 26
Jandl, Ernst: 6
Kleist, Heinrich von: 25
Kling, Thomas: 29 42
Kooser, Ted: 7 38
Lafleur, Stan: 44
Lentz, Michael: 48
Macdonald, Helen: 31
Maxwell, Glyn: 17
Mayröcker, Friederike: 47 48
Milosz, Czeslaw: 41
Mon, Franz: 48
Müller, Herta: 5
Nemerov, Howard: 39
Novak, Helga M.: 34
Novalis: 5
Ostermaier, Albert: 40
Pastior, Oskar: 5 48
Pinsky, Robert: 28
Popescu, Marius Daniel: 21
Popp, Steffen: 19 29
Pönnighaus, Jörg: 2
Presley, Frances: 31
Prynne, J.H.: 31
Raine, Craig: 31
Reich-Ranicki, Marcel: 1 8
Rinck, Monika: 29
Scherstjanoi, Valeri: 48
Schmatz, Ferdinand: 42
Schmidt, RoN: 44
Schrott, Raoul: 42
Schütz, Xochil: 44
Sekiguchi, Ryoko: 26
Simic, Charles: 30
Stadler, Arnold: 18
Stevens, Wallace: 26 37
Sutherland, Keston: 31
Toys, Tom de: 26 35 44
Turnball, Tim: 31
Tzara, Tristan: 46
Uhland, Ludwig: 8
Utler, Anja: 29
Walls, Martin: 38
Wardle, Sarah: 40
Weber, Robert: 44
Wedekind, Frank: 45
Weinstein, Arnold: 27
Wenzel, Christoph: 22
Wiman, Christian: 17

 

50. Ein Kolloquium über Yves Bonnefoy

findet am 14. an der Sorbonne statt:

Colloque consacré aux Planches courbes d'Yves Bonnefoy

Le mercredi 14 septembre 2005, en Sorbonne,
Amphithéâtre Descartes, à 9 heures

Organisé à l'Université de Paris Sorbonne (Paris IV)
par Pierre BRUNEL et Caroline ANDRIOT-SAILLANT

Auf Deutsch:

Yves Bonnefoy: Beschriebener Stein und andere Gedichte. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp. Hanser-Verlag, München 2004. 357 S., Fr. 38.70.

Ders.: Die gebogenen Planken. Ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort von Friedhelm Kemp. Klett-Cotta, Stuttgart 2004. 231 S., Fr. 39.60.

vgl. L&Poe 2004 Jul (73)


49. Bora Cosics Berlin-Gedichte

Das serbische Original der Gedichte fehlt. Der Leser der Übersetzung Milo Dors ist durch eine Schallmauer von der Sprache des Dichters, der Stimme der Gedichte, von der Verstechnik und dem Formdenken des Autors getrennt. Die Entscheidung des Verlags gegen eine ernsthafte Edition ist umso unbegreiflicher, als es sich um ein Werk Bora Cosics handelt. ...

Das Gelände seines Lebens, das er von Gedicht zu Gedicht vermisst, ist ein wimmelnder Verkehrsknotenpunkt, auf den jene Straßen des Gedächtnisses zulaufen, die den Savignyplatz und die Balkone seiner Jugendzeit verbinden, den herbstlichen Spaziergang mit Baudelaire im Tornister und die Verräter im Belgrader Fernsehen. Mit dabei sind, in Gespräche vertieft, Italo Svevo und Leibniz, Strindberg und Bach und Mozart, Joyce, Kafka, Malewitsch, Melville, Pavlovic, Pessoa und Debussy. / SIBYLLE CRAMER, FR 6.9.

Bora Cosic: "Irenas Zimmer." Gedichte.
Ausgewählt und aus dem Serbischen übersetzt von Milo Dor. Folio Verlag, Wien 2005, 127 Seiten, 19, 50 Euro.


48. Schrift. Zeichen. Geste.

Carlfriedrich Claus im Kontext
von Klee bis Pollock

Kunstsammlungen Chemnitz
24. Juli 2005 bis 9. Oktober 2005

Im Rahmen der Ausstellung läuft seit Juli ein spannendes Lese- und Vortragsprogramm. Dies demnächst:

Samstag, 17. September 2005, 19:00 Uhr
Ein langer Abend Neuer Poesie. Lesungen, Akustisches, Visuelles
Heinz Gappmayr, Friederike Mayröcker, Österreich
Ilse Garnier, Bernard Heidsieck, Frankreich
Hartmut Geerken, Franz Mon,
Oskar Pastior, Deutschland
Konzept und Moderation: Klaus Ramm, Hamburg

Samstag, 24. September 2005, 20:30 Uhr
Ort: Schlossbergmuseum
Lautpoesie international II. Sprechen, Klatschen, Stampfen, Gehen
Erwin Stache, Wolfgang Heisig,
Michael Lentz, Jan Philip Schulze,
Stefan Blum, Deutschland
Arbeitskreis Klangexperimente
Gymnasium Brandis, Leipzig
Konzept und Regie: Josef Anton Riedl, München

Samstag, 1. Oktober 2005, 19:30 Uhr
Oh läutet, Lauthälse!
LAUTKONZERT für Carlfriedrich Claus mit
Schlagzeug, Stahlcello und Stimme
Valeri Scherstjanoi, Berlin, und
Wolfram DER Spyra, Kassel/Berlin

Samstag, 8. Oktober 2005, 14:00 Uhr
Ein kleines Gesprächs-Symposion
mit Erich Franz, Rudolf Mayer, Franz Mon,
Olaf Nicolai, Werner Schmidt (angefragt)
und Gerhard Wolf
Konzept und Moderation: Klaus Ramm,

Kunstsammlungen Chemnitz, Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz

Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen, 544 Seiten
herausgegeben von Ingrid Mössinger und Brigitta Milde
Katalog: 28,00 €


47. Lebensliebespaar

Die beiden waren das schönste deutschsprachige Dichterpaar der Nachkriegsliteratur, ein Lebensliebespaar, wie es nicht viele gibt. Ihr ganzer Lebenslauf verlief so eigentümlich parallel.

Beide wurden sie in Wien geboren, sie im Dezember 1924, er acht Monate später. Beide arbeiten nach dem Krieg als Lehrer. Zunächst aus Idealismus, dann aus Pflichtgefühl. Beide veröffentlichen 1956 ihr erstes Buch, das bei beiden eher unbeachtet bleibt. So schweigen beide zehn Jahre lang, und dann erscheinen ihre Bücher, die sie berühmt machen. "Tod durch Musen" heißt das von Mayröcker, "Laut und Luise" Jandls Buch. Da kannten sie sich schon zwei Jahre. Jandl erinnerte sich: "Es war ein Glück, daß ich mit der Dichterin Friederike Mayröcker zusammentraf, die schon damals einen guten Namen besaß, und ich schrieb an ihrer Seite viele Gedichte. Wir sind bis heute eng verbunden, aber wir leben nicht mitsammen, denn ich verstand es nicht, etwas an Glück dauerhaft zu machen." / VOLKER WEIDERMANN, FAS 4.9.

Friederike Mayröcker: "Und ich schüttelte einen Liebling". Suhrkamp-Verlag 2005. 238 Seiten, 19,80 Euro.


46. Über den surrealistischen Bruch,

"La rupture surréaliste: L´autre vérité comme attribut de l´art", schreibt Lisandro Otero González in Ahora.cu (Kuba) 9.9. - etwa über den jüdisch-rumänischen Dichter Samuel Rosenstock alias Tristan Tzara.


45. Vater, mein Vater /

ich werde nicht Soldat / Dieweil man bei der Infanterie / nicht Maggi-Suppe hat.

Mit solchen Werbesprüchen für die Firma Maggi verdiente sich Frank Wedekind seine Brötchen, bevor er in Berlin als Dramatiker reüssierte.

Die Ausstellung "Lass uns mit dem Feuer spielen" im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt ist noch bis zum 31. 10. zu sehen, Mo 9 - 19. 30 Uhr, Di bis Do 9 - 17. 30 Uhr, Fr 9 - 15Uhr, Eintritt frei. / Wiesbadener Tagblatt 9.9.


44. popKOMM

"Popmusik und Literatur haben eine überraschend große Schnittmenge", sagte popKOMM-Geschäftsführer Ralf Kleinhenz. Viele Schriftsteller hätten sich "auf die Musik zu bewegt, und zahlreiche Musiker fanden den Weg in die Literatur."

KOMMENTAR ZUR CD www.Urban-Electronic-Poetry.com (UEP) c/o www.SCHALTKREIS.net (Label+Vertrieb):

"Top-Stoff, besonders die DVD ein echtes Alternativprogramm zu MTV`s empty visions."

(Mathias Penzel, in: "Rolling Stone", Ausgabe Juli 2005)

Autoren=Sprecher auf der CD u.a. Altmeister RoN Schmidt & stan lafleur, Brinkmann-Preisträger...

 

=> DONNERSTAG, 15.9.05: uep c/o popKOMM:

Nach der gelungenen Premiere in Hannover werden einige der 14 vertonten & verfilmten Dichter mit ausgewählten Gastmusikern im Rahmen der Musikmesse popKOMM auf der "WORD UP!" -Bühne ihr Stelldichein geben, um die CD+DVD ein weiteres Mal multimedial live vorzustellen... mit u.a.:

Tom de Toys, Xochil Schütz, Frank Bröker, Roma, Kersten Flenter

(Das Poem von De Toys heißt "SKANDAL": geschrieben 1995, entnommen aus dem Band "ÜBERWELTiGT!":

Ausgewählte Beispiele Direkter Dichtung - erscheint zur Leipziger Buchmesse 2006 im KOALL-Verlag)

ORT: Kino in der Kulturbrauerei; ZEIT: 24 Uhr*

EINTRITT: VVK 12 Euro / AK 15 Euro
(= Kombi-Tagesticket für 9 Locations der Kulturbrauerei)

KNK-DETAIL-INFOS & HYPERLINKS: => KunstSparten / Sonstiges / Tom de Toys / Ekstatische Events /

= http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/
public/obj/page.php?obj=5283

*BEGINN DIESES ABENDS: 20 Uhr - LINE-UP:

Oliver Hübel & Band (D), Gerhard Augustin (D), Andreas Rausch (D), Jovanka v. Willsdorf & Chrish Klose (D), Jens Bringmann & Valentin Kopetzki (Hotze /D), Robert Weber (D), Urban Electronic Poetry (D)

Am zweiten Word Up!-Abend gibt es unter anderem ein von Oliver Hübel und seiner Band vorgetragenes Portrait Leonard Cohens mit Songs und Texten sowie eine Lesung von Robert Weber (Surfpoeten) zu bewundern. Höhepunkte des Abends sind ohne Zweifel die freie Lesung des legendären "Beat-Club"-Gründers Gerhard Augustin* sowie die abschließende Urban Electronic Poetry-Crew.**

 

**Musikmagazin "INTRO", in Kölner Lokalrubrik "Diverse" [August`05] über Urban Electronic Poetry:

Manchmal muss man beim Überfliegen des Heimspiels den Eindruck bekommen, dass es mit der Abstraktionsfähigkeit der heute (pop-) künstlerisch Aktiven nicht weit her ist. Die zig'te Gitarrenpop-Produktion ruft jedenfalls nicht bei jedem aus dem Stand übergroße Aufmerksamkeit hervor. Aber es geht auch anders: Auch im Kleinen können hehre Konzepte erdacht und sogar umgesetzt werden, und manchmal auch ganz ohne Kulturförderung. Ein großartiges Beispiel dafür liefern uns Max Würden und Kersten Flenter mit ihrer "Urban Electronic Poetry", einem Konzept, das gleich drei Kunstformen einbindet: Poeten lesen ihre Texte, die von Musikern mit Musik unterlegt werden und damit den Soundtrack zu einem Film bilden. Unvorstellbar? Dabei scheint alles ganz allmählich gewachsen: Der Autor Flenter veröffentlichte in Zusammenarbeit mit dem Musiker Würden und anderen Schriftstellern schon 2002 eine CD mit dem Namen "Familienangelegenheiten", die offenbar sehr positiv rezipiert wurde. Von dort aus brauchte es nur ein paar weitere visionäre und aktive Geister, um auch den nächsten Schritt zu gehen, der auf der beiliegenden DVD dokumentiert ist. Das Ergebnis ist in jedem Fall beeindruckend und vermeidet ein atmosphärisch zu schnulziges Gesamtbild. Viele von den Texten können sich sehen lassen und werden sehr angemessen vorgetragen, und musikalisch bürgen neben Würden u. a. Leute von Your Ten Mofo für Qualität. Die generelle Stimmung lässt sich in etwa mit der vieler apokalyptischer Hörspiele, die nachts auf dem Radiosender 1Live ausgestrahlt werden, vergleichen. Insgesamt bietet diese Produktion ebenso viel Angriffsfläche wie Substanz und ist auf jeden Fall mal eine Veröffentlichung, über die man gerne mehr Worte verlieren würde, als die Vorgabe einer Rezension gebietet.

Das gesamte "Word Up!"-LINE-UP (3 Tage):

Königwerk, Lars Besa (Normahl), Tanja Dückers & Bertram Denzel, John Watts (Fischer Z), Astrid Vits, Jan Böttcher (Herr Nilsson) & Jakob Dobers (Zimtfisch), Oliver Hübel & Band, Gerhard Augustin (Beatclub), Andreas Rausch, Jovanka v. Willsdorf & Chrish Klose, Jens Bringmann & Valentin Kopetzki, Robert Weber (Surfpoeten), Urban Electronic Poetry (Schaltkreis), Kerstin Graeter, Bernhard Lassahn, Martin Jankowski, Achim Amme, Matthias Penzel, Wiebke Lorenz & Nina George, Wiebke Lorenz, George Lindt, Nik Page, Philipp Oehmke, Johannes Waechter, Iris Hanika, Thomas Meinecke


43. Peter Hacks: Rote Sommer

In der Frankfurter Anthologie der FAZ vom 10.9. beneidet Robert Gernhardt "Preußens dünkelhafte Kommunisrten" - "wer da hätte mitverlieren dürfen!".


42. Ding-Worte

Roman Bucheli befaßt sich mit der Verwandlung der Dinge in (und in der) Sprache und beobachtet eine Rückkehr zu den Dingen vor einer jüngeren Vergangenheit, die er so schildert:

Indessen brachten die letzten Jahre mitunter lyrische Exerzitien hervor, bei denen häufig entweder ein Übermass oder ein Mangel jener «selbst-entzückten Erfindungskraft» im Spiel war, von der Seamus Heaney spricht. Wir haben dabei Raoul Schrotts Exkurse in die Physik erlebt, der sich von der metaphorischen Sprache Heisenbergs oder Niels Bohrs veranlasst sah, Analogien zwischen der Quantenphysik und der Poesie zu vermuten und in seinen Gedichten fruchtbar zu machen. Andere wiederum - von Thomas Kling bis Ferdinand Schmatz - erlagen, nachdem sie nur lange genug und vielfach sehr inspiriert mit den Worten gespielt und dabei manchen Hintersinn aus ihnen hervorgetrieben hatten, dem Zauber der so geschaffenen Klänge und betrieben fortan das Spiel um seiner selbst willen. Und schliesslich kannten wir manche, die auf ihren Streifzügen durch die Wirklichkeit erst in der Ferne fündig wurden: Die Fundstücke der Antike etwa schienen Durs Grünbein erst würdig genug, um den Schauraum seiner Gedichte zu möblieren. / NZZ 10.9.

(Und geht u.a. auf Ulrike Draesner, Armin Senser, Raphael Urweider und Marion Poschmann ein)


41. Basho + Lacan

San Francisco war immer ein gutes Pflaster für die Poesie. Hier trug Allen Ginsberg zum ersten Mal sein visionäres Langgedicht "Howl“ vor. Hier ließ sich der zivilisationsmüde Robinson Jeffers mit seiner Frau Unna nieder und baute sich aus Felsbrocken ein Haus am Strand. Hier schrieb der Beatpoet Gary Snyder seine meditativen Naturgedichte, und hier verteidigte Robert Duncan klassische Sujets und metrische Eleganz. Robert Hass, 1941 in San Francisco geboren und heute Professor an der University of California in Berkeley, bewundert sie alle und ist natürlich auch bei Ezra Pound, William Carlos Williams und Walt Whitman, den Gründervätern der amerikanischen Dichtung, in die Schule gegangen. Er hat darüber aber Europa und Asien nicht vergessen, wie sein Essayband "Twentieth Century Pleasures“ beweist: Als geistige Verwandte nennte er auch Czeslaw Milosz und Tomas Tranströmer (deren Werke er übersetzt hat), Rainer Maria Rilke sowie die alten Chinesen und Japaner. ... Der große Zenmönch und Haiku-Dichter Matsuo Basho und der Psychoanalytiker Jacques Lacan reichen sich die Hand. / Volker Sielaff, Tagesspiegel 8.9.

Robert Hass: Die Wünsche der Menschen. Gedichte. Aus d. Amerikanischen von Hans Jürgen Balmes. Ammann, Zürich 2005, 128 S., 16,90 €. – Termine beim Internationalen Literaturfestival: 13. 9. , 21 Uhr, Haus der Berliner Festspiele; 14.9., 19.30 Uhr, Stiftung Brandenburger Tor (Hommage an Czeslaw Milosz mit Durs Grünbein); 15. 9., 20 Uhr, Whisky & Cigars.


40. Nicht nur Handke

Albert Ostermaier schrieb einst die schöne "Ode an Kahn", aber die dürfte neben Peter Handkes "Mannschaftsaufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968" das einzige Fußball-Gedicht deutscher Fertigung sein, dem national Beachtung geschenkt wurde.

Auch lyrisch geht England mal wieder in Führung, wie die WM-vorbereitend im Berliner British Council durchgeführte Veranstaltungsreihe "House of Football and Culture" deutlich macht.

Dort gibt es in Gestalt der 35jährigen Sarah Wardle eine echte Hofdichterin, die Fußball, WM und Völkerverständigung zum Gegenstand klassischer Poeme macht. Wardle repräsentiert damit eine erstaunliche britische Dichter-Offensive der Spielfreude und Schlagkraft. Elfmeter mögen die Engländer nicht so gut beherrschen, dafür aber Penta- und Hexameter. Zumindest bei Sarah Wardle ist das der Fall, die von ihrem Heimatverein Tottenham Hotspur als "Poet-in-Residence" angeworben wurde, der das Treiben auf dem Platz mit gezielten Versfußtritten in mythologische Zusammenhänge bringt.

schreibt Josef Engels, Die Welt 6.9. - Na, was heißt schon Beachtung? Hier ein paar Fußballgedichte deutscher Sprache, die die ihre auch fanden:

Trainerfrage geklärt (Ismael Fischmord)
Fußball (Heinz Erhardt)
fußball (Kurt Bartsch)
fußball (nebst abart und ausartung) (Ringelnatz)
fußball-sonett (Ror Wolf)
weh, unser guter fußball ist tot (Uwe Herms)
Der Ball (Rilke)
An einem schönbemalten Sonntag (Kito Lorenc)
und Robert Gernhardt, und...

- nur mal so auf die Schnelle. Britannia rules?? Glauben wir nicht, nicht? - Freilich die Briten haben noch dies:
 

Hitler, he only had one ball,
Goering, he had two but very small,
Himmler had something simmler,
But poor old Goebbels had no balls at all.

(geht zu singen auf "Puppchen, du bist mein Augenstern" oder so)

9:2 for Germany!

Fußball und Lyrik in L&Poe:

Großbritannien: 2004 Mrz (48); Apr (17, 59);

Deutschland: 2004 Apr (21); Jun (77); Jul (5); 2005 Jun (27); Jul (14); Jul (80)

Außerdem Österreich u. Italien

[Spricht an sich sowie für sich, nämlich für die Fairness & Unparteiischkeit der Lyrikzeitung, deren Redakteur ein stadtbekannter Fußballverächter]


39. Who can remember back?

Gleich noch ein amerikanisches Gedicht (Pardon? Pah!). Nachtrag zu Nr. 84 vom August: Die ersten Dichter. Gefunden heute bei americanpoems.com als Gedicht des Tages:

Howard Nemerov (1920 - 1991)

The Makers

 

Who can remember back to the first poets,
The greatest ones, greater even than Orpheus?
No one has remembered that far back
Or now considers, among the artifacts,
And bones and cantilevered inference
The past is made of, those first and greatest poets,
So lofty and disdainful of renown
They left us not a name to know them by.

 

They were the ones that in whatever tongue
Worded the world, that were the first to say
Star, water, stone, that said the visible
And made it bring invisibles to view
In wind and time and change, and in the mind
Itself that minded the hitherto idiot world
And spoke the speechless world and sang the towers
Of the city into the astonished sky.

 

They were the first great listeners, attuned
To interval, relationship, and scale,
The first to say above, beneath, beyond,
Conjurors with love, death, sleep, with bread and wine,
Who having uttered vanished from the world
Leaving no memory but the marvelous
Magical elements, the breathing shapes
And stops of breath we build our Babels of.


38. American Life in Poetry: Column 024

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

In this poem by New York poet Martin Walls, a common insect is described and made vivid for us through a number of fresh and engaging comparisons. Thus an ordinary insect becomes something remarkable and memorable.

 

Cicadas at the End of Summer

 

Whine as though a pine tree is bowing a broken violin,
As though a bandsaw cleaves a thousand thin sheets of
titanium;
They chime like freight wheels on a Norfolk Southern
slowing into town.

 

But all you ever see is the silence.
Husks, glued to the underside of maple leaves.
With their nineteen fifties Bakelite lines they'd do
just as well hanging from the ceiling of a space
museum —

 

What cicadas leave behind is a kind of crystallized memory;
The stubborn detail of, the shape around a life turned

 

The color of forgotten things: a cold broth of tea & milk
in the bottom of a mug.
Or skin on an old tin of varnish you have to lift with
lineman's pliers.
A fly paper that hung thirty years in Bird Cooper's pantry
in Brighton.

 

Reprinted from "Small Human Detail in Care of National Trust," New Issues Press, Western Michigan University, 2000, by permission of the author. Poem copyright © by Martin Walls, a 2005 Wytter Bynner Fellow of the Library of Congress. His latest collection "Commonwealth" is available from March Street Press. This weekly column is supported by The Poetry Foundation, The Library of Congress, and the Department of English at the University of Nebraska, Lincoln. This column does not accept unsolicited poetry.


37. Geld oder Dichtung

Das "Internationale Literaturfestival" ist solch ein Globalisierungs-Kind. 150 Autoren aus allen Kontinenten, Erzähler, Lyriker, Essayisten versammelt es in diesem Jahr bis zum 17. September. Für das Programm "Literaturen der Welt" wurden sie von einer zehnköpfigen Jury eingeladen, der unter anderen Mario Vargas Llosa (Peru), Adam Zagajewski (Polen), Abdelwahab Meddeb (Tunesien) und Charles Simic (USA) angehören. ...

Enzensberger las Gedichte von Wallace Stevens, einem amerikanischen Lyriker, der vor fünfzig Jahren in Hartford/Connecticut starb und Zeit seines Lebens Amerika nie verlassen hatte. Beim Lesen entwickelte Enzensberger die Qualitäten eines Fernsehkochs. Er ließ die Gedichte im Original und in verschiedenen Übersetzungsversionen ihren Klang und ihr Aroma so entfalten, daß die poetische Rezeptur sich von selbst mitteilte. Nur hier und da würzte er mit einer kleinen Bemerkung nach, die meist den eigenen kunstvollen, aber eben doch unzulänglichen Übertragungen galt. Um so genüßlicher und genießerischer fächelte er dem Publikum das Fehlende in feinstem Oxford-Englisch zu. Stevens übrigens hat den Gedanken, den Fuentes essayistisch entfaltete, einmal in dem Satz zusammengefaßt, daß die Dichtung den Platz Gottes einnehme "als des Menschen Heil". Enzensberger nannte das "starken Tobak". Ganz so feierlich hat Stevens das wahrscheinlich nicht gemeint, denn er sagte auch: "Dichtung steigert den Wirklichkeitssinn. Geld ist so etwas Ähnliches wie Dichtung." / Eckhard Fuhr, Die Welt 8.7.


36. Ist´s auch nicht Lyrik...

hat es doch Bedeutung. So wie dieser Zeitungsfund (Kontext lasse ich weg):

"Die Bürger wollen nicht, daß die Politiker sie vor der Sonne beschützen, sie wollen vor den Politikern beschützt werden". Sagt ein Politiker und hat trotzdem recht. (Und wir könnten der Sonne ein paar würdige Gegenstände an die Seite stellen, als: Bücher, Kunstwerke, Gedanken, Universitäten...). Aber so weit sie zahlen (wie großzügig oder schäbig auch immer), werden sie doch nicht entsprechen. Und auch wo sie keinen Cent zahlen, können sie sich meist nicht enthalten. Bettnässer. Sela.**

** Berufsgruppen wie Anwälte, Richter etc. können sich gern mit angesprochen fühlen. Aber die tun´s erst recht nicht.***

*** Gilt natürlich auch für Terroristen und "gewöhnliche" Verbrecher. Grade hat so einer Steven Spielberg kritisiert. Der Zar als Literaturkritiker - kann man vielleicht nicht verhindern. Aber auch noch die! Die sollen im Knast mit ihren Knastbrüdern fachsimpeln. Meinetwegen dann auch über Gedichte (gibt ja genügend Material von den Herren Saddam, Karadzic & Co.) Wir sollten´s halten wie Brecht mit seinem Lukullus: Ins Nichts mit ihm und ins Nichts mit allen wie er.


35. Türsprecher erobern Westbörlin

10.+14.+16.+17.9.05: 5.internationales literaturfestival berlin (Ergänzung zu Meldung 26):

Die Türsprecher verlassen den Klingelsektor Ost und erobern die Westbezirke im Rahmenprogramm des "5. internationalen literaturfestivals berlin" (ilb) als "Special" auf der sogenannten poesiemeile!

SMS-Zitat A.Eschweiler (dadafokussierte Lyrikanalytikerin 1. Grades) über

http://www.INUNDAUSWAENDIG.de : "ein superprojekt, habe url schon gecheckt!"

Poesiemeile mit "INUNDAUSWÄNDIG" (erweiterte Info aus der Festivalpresse):

Bei der Türsprechanlagen-Lesung INUNDAUSWÄNDIG liest eine Gruppe Berliner AutorInnen in Privatwohnungen Texte auf Klingelzeichen über die Gegensprechanlage. Jeder, der klingelt kann am Lautsprecher vor der Haustür zuhören. Es kann so oft geklingelt werden, wie das Publikum Lust hat, amüsante, kritische und manchmal absurde Lyrik oder Kurzgeschichten zu hören. Mit u.a. Ivo Esser, Mia Frimmer, Alexander Hahn, Nathalie du Prel, Christiane Tomasik, Martin Tomasik, HEL ToussainT, Tom de Toys, René Hamann und Beatrice Wolf. De Toys wird u.a. seine brandneue Antiprosa "ÜBERSKANDAL" (vom 4.9.05) sowie das DRITTE metapoetologische Pamphlet über die "Erweiterte Sachlichkeit" uraufführen...

7.+10.+14.9.: 17-19 Uhr: Fasanen-Str. 69
16.9.: 17-19 Uhr: Fasanen-Str. 37
17.9.: 17-19 Uhr: Meinecke-Str. 17


34. Silvatica. Aus dem Wald

Tilman Krause gratuliert Helga M. Novak, der Dichterin, die erst die DDR (nach Island) und dann auch die BRD (nach Polen) verließ, zum 70. Geburtstag:

Nach der Wende sah es eine Weile sogar so aus, als wolle sie sich selbst dem Schreiben verweigern.

Doch dann erschienen 1995, im Frankfurter Schöffling-Verlag, gleich zwei Bücher, die bezeugten, daß sich die nunmehr Sechzigjährige durchaus noch immer als Autorin begriff, wenngleich als eine Unbehauste, die sich buchstäblich in die Wildnis zurückgezogen hatte. Diese beiden Bücher hießen "Aufenthalt in einem irren Haus. Gesammelte Prosa" und - noch bezeichnender - "Silvatica. Gedichte" ("silva" ist Latein und heißt "Wald"). Sie wurden von der Kritik mit einhelligem Jubel begrüßt, weil hier ein Talent in aller Abgeschiedenheit sich weitergebildet und dabei einen Höhepunkt der Sprachkunst erklommen hatte, die in ihrer Verwerfungswut und -wucht geradezu atemberaubend wirkte. / Die Welt 8.9.

Mehr: Süddeutsche 8.9. ("die bescheidenste der großen deutschen Dichterinnen") / ND 9.3. (Fritz Rudolf Fries)

In L&Poe: 2005 Jun (55); 2005 Jan (9)


33. Über das prekäre Verhältnis

Gottfried Benns zu seiner Tochter Nele schreibt Joachim Dyck aus Anlaß ihres 90. Geburtstages in der Welt vom 8.9.


32. Etwas übersichtlicher

als Berlin oder gar Liège (vgl. 26) ist Hall in Tirol:

Der literarische Startschuss soll am 16. September um 14 Uhr mit dem Tiroler Autor Christoph W. Bauer und dem Wiener Friedrich Achleitner fallen. Danach soll drei Tage lang fast rund um die Uhr gelesen und erzählt werden. / Der Standard 7.9.


31. Betreff: Re: Semtex

Als Sechste im Bunde firmiert die 1952 geborene Frances Presley. Die engagierte Feministin ist eine mit konkreter Poesie faszinierende Amerikanistin, die durch fiktional noch unverbrauchte Themen (darunter der «11. September») und innovative Formen (so im E-Mail-Imitat «Betreff: Re: Semtex») in besonderem Mass besticht. Dies Urteil gilt auch für die Übersetzer, die primär mit ihren Variationen desselben Gedichts für Lesefreude sorgen - zum Beispiel wenn das «snowy drift» der Vorlage als «verwehte Schneesaat», «stiebender Schnee» oder «Schneedrift» erscheint. Dem Laien sei übrigens eingangs das kundige Nachwort von Michaela Schrage-Früh empfohlen, das den siebzehnten Titel der gediegenen Reihe «Poesie der Nachbarn» zu einem Schatzkästchen macht. / Thomas Leuchtenmüller, NZZ 7.9.

Hans Thill (Hrsg.): Wozu Vögel, Bücher, Jazz? Gedichte aus England. Englisch-deutsche Ausgabe. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2005. 182 S., Fr. 33.90.

Die anderen fünf Autoren in der Anthologie:

Craig Raine, Tim Turnball, J. H. Prynne, Helen Macdonald, Keston Sutherland


30. Wo Bilder fehlen

In der NZZ vom 7.9. schreibt der amerikanische Lyriker Charles Simic über die Lage nach der Flutkatastrophe in den Südstaaten:

Wenn amerikanische Journalisten nun betonen, wir seien alle Teil der Nation, egal, welcher Klasse und Rasse wir nun zufällig angehören - dann ist das nur eine weitere schöne Fabel, die uns zum Trost verabreicht wird. Sogar die breite Welle von Mitleid mit den Flutopfern wird früher oder später versanden. Schon jetzt fürchte ich, dass ihre Gesichter bald wieder aus den Tagesaktualitäten verschwinden. Kein Land wird gern an seine Schattenseiten erinnert, und wir machen da keine Ausnahme. Zudem wird es weitere Katastrophen, weitere Hurrikane und anderlei Zerstreuungen für das Publikum geben. Wo Bilder fehlen - das wissen wir inzwischen -, da können sich Stumpfheit und eine schreckliche Ignoranz breit machen; und mit ihnen die schönen Lügen, die unser Tagesgeschehen verbrämen, so dass dahinter die vom Schicksal Geschlagenen nicht länger sichtbar sind.


29. Hombroich 13

Im Frühjahr diesen Jahres verstarb 47-jährig der Lyriker Thomas Kling, der die Reihe "Hombroich : Literatur" ins Leben gerufen hat. Bereits im letzten Winter hatte er die Auswahl der diesjährigen Gäste getroffen; die Reihe ist auch in ihrer 13. Folge dem deutschsprachigen Gedicht gewidmet. Am 16. und 17. September 2005, jeweils 19.30 Uhr, treten junge Autoren auf, die alle schon mit ersten Literaturpreisen ausgezeichnet worden sind: Nico Bleutge, Jahrgang 1972; Daniel Falb, Jahrgang 1977; Steffen Popp, Jahrgang 1978; Monika Rinck, Jahrgang 1969, und Anja Utler, Jahrgang 1973. "Hombroich : Literatur XIII" wird von dem Kritiker Tobias Lehmkuhl moderiert. / FR 6.9.

www.inselhombroich.de


28. American Smooth

So heißt der neue Gedichtband von Rita Dove. Der Ausdruck meint eine bestimmte Art zu tanzen, wo die Partner sich von Zeit zu Zeit loslassen dürfen, um zu improvisieren. Vielleicht, sagt Robert Pinsky in der Washington Post*)-Kolumne Poet´s Choice (4.9.), sind es Liebende; aber oft schließen die Gedichte auf raffinierte Weise eine andere Sorte Freiheit, sich zu trennen und doch beieinander zu bleiben, mit ein - die zwischen Dichter und Leser. Wenn Ihnen das zu poetisch ist, lesen Sie die Gedichte von Rita Dove. Hier ein Stück aus dem Kommentar von Pinsky:

The characteristic gesture of this book is a smooth meditation on bodily experience: thinking about the senses and their world, with the intellectual effort flowing rather than labored. In American Smooth , dance, that flirtatious and stylized play of body and soul, is both figurative and literal. Not that there is never an actual dance or a love partner, but that the poems are about a kind of self-hood: informal, capricious, reflective, ornery, improvisatory -- that is, American.


27. Arnold Weinstein,

amerikanischer Dichter, Dramatiker, Opernlibrettist (er nannte sich "theater poet“), ist am Sonntag in Manhattan gestorben. Er lehrte Drama an den Universitäten Yale u. Columbia. Bei einem Aufenthalt in Florenz wurde Darius Milhaud auf ihn aufmerksam, der ihn einem amerikanischen Komponisten weiterempfahl. / NYT *) 6.9.


26. Schönes Chaos

Nichts einfacher, als dem schönen Chaos des 5. Internationalen Literaturfestivals Berlin auszuweichen, indem man nur die Lesungen der Stars besucht. ... Der schwierigere, aber reizvollere Weg besteht darin, ins hierzulande weniger Bekannte aufzubrechen und womöglich darauf zu stoßen, wie sich die vertraute geistige Topografie verschiebt. ... Da gibt es einen, Raúl Rivero, der ist Castros Gefängnissen knapp nach Madrid entkommen, und kann etwas erzählen vom Kampf um die Freiheit in Kuba. ... Da ist einer, der lebt gleich nebenan, in Dänemark. Er heißt Søren Ulrik Thomsen und gilt mit seinen knapp 50 Jahren als bester Dichter seiner Generation Und da ist gleich noch einer von nebenan, der Pole Daniel Odija aus Stupsk, den wir nicht viel näher kennen als Mark Strand, den hochdekorierten Lyriker aus einem Land, das wir so gut zu kennen meinen: Amerika. / Gregor Dotzauer, Tagesspiegel 6.9.

Hier das Programm: www.literaturfestival.com

Hier sechs Berliner Autoren über die Gäste, die suie betreuen (darunter Ulrike Draesner über Katarina Frostenson, Mathias Biskupek über Rae Armantrout, Gregor Eisenhauer über Ingrid de Kok)
Außerdem druckt der Tagesspiegel Gedichte von C.K. Williams, Soledad Álvarez und Ryoko Sekiguchi.

Hier noch zwei Einzeltips, darunter einer von der Prominenz:

Lesung: Hans Magnus Enzensberger liest Wallace Stevens
6. September ; 21:00 Uhr
Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin
Aus Anlaß des 50. Todestages von Wallace Stevens gibt Hans Magnus Enzensberger einen Einblick in das lyrische Werk eines der einflussreichsten amerikanischen Poeten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Eintritt: 5 Euro/ 4 Euro (erm.)

Lesung: INUNDAUSWÄNDIG
7. September ; 17:00 Uhr
Inundauswändig, Fasanenstraße 69, 10623 Berlin
Im Rahmen des 5. internationalen literaturfestivals findet eine sogenannte Poesiemeile statt. Bei dieser Türsprechanlagen-Lesung liest eine Gruppe von AutorInnen in der Zeit zwischen 17:00 und 19:00 Uhr in Privatwohnungen Texte über die Gegensprechanlage.

--> DIE TERMINE: 7.+10.+14.+16.+17.9.2005:

Poesiemeile / Bei der Türsprechanlagen-Lesung INUNDAUSWÄNDIG liest eine Gruppe Berliner AutorInnen in Privatwohnungen Texte auf Klingelzeichen über die Gegensprechanlage. Jeder, der klingelt kann am Lautsprecher vor der Haustür zuhören. Es kann so oft geklingelt werden, wie das Publikum Lust hat, amüsante, kritische und manchmal absurde Lyrik oder Kurzgeschichten zu hören. Mit Ivo Esser, Mia Frimmer, Alexander Hahn, Nathalie du Prel, Christiane Tomasik, Martin Tomasik, HEL ToussainT, Tom de Toys, René Hamann

ZEITEN & ORTE (BENUTZTE WOHNUNGEN):

7.+10.+14.9. -> 17-19 Uhr Fasanenstr.69
& 16.9. -> 17-19 Uhr Fasanenstr.37
& 17.9. -> 17-19 Uhr Meineckestr.17

Mehr: BLZ 6.9. / BLK 6.9.

Apropos "Chaos": Verständlicherweise erschreckt die hohe Zahl - 150 Dichter aus über 30 Ländern - den (professionellen) Betrachter im kleinen Deutschland immer wieder. Das soll er alles ausforschen? Anders im großen Belgien. Dort geht gerade in Liège (200.000 Einwohner) ein Festival zu Ende (das 24.), bei dem 241 Dichter aus 71 Ländern zusammenkamen. Vgl. L&Poe Aug (60 u. 85)


25. Unter allen Zweigen ist Ruh,


In allen Wipfeln hörest du
Keinen Laut.
Die Vögelein schlafen im Walde
Warte nur, balde
Schläfest du auch.

Wem das bekannt vorkommt, kann nicht irren. Dieser Text wurde im Jahre 2001 bei einer Auktion angeboten. Aber nicht von Goethes Hand (der sein Nachtlied bekanntlich mit Bleistift auf eine Bretterwand im Thüringischen schrieb, die Bretterwand ist abgebrannt) stammte der Zettel, sondern von Heinrich von Kleist. 70.000 Mark war er dem Kleistmuseum in Slubfurt (vulgo Frankfurt an der Oder) wert (L&Poe 2001 Nov). Parodie, Kleists Rache an Goethe)? Eine Tagung von Kleist- und Goetheforschern brachte es (wie es ihr Beruf ist) zu Tage. Schon 1969 nämlich hatte Eberhard Haufe auf ein 1803 erschienenes Buch hingewiesen, das Kleist gekannt haben wird. Und das Gedicht Goethes war zu Kleists Lebzeiten bekannt und gleich mehrfach vertont worden. Kleist mag sich das Gedicht nach oder auf einem Konzert notiert haben.

In der FAZ am 5.9. ein ausführlicher Bericht von Wulf Segebrecht mit Faksimile des Zettels.

Hier ein Ratespiel, hier Goethes Originaltext, hier eine japanische Fassung (rückübersetzt), hier neben vielem Interessanten zu Übersetzungsfragen eine maschinelle Übersetzung.


24. Sprachspielbuch

In der FAZ vom 3.9. weist Gundel Mattenklott auf "Franz Fühmanns berühmtes Sprach- und Reimspielbuch" hin. Wir schließen uns an! Ein Muß für Eltern und Leser.

Franz Fühmann
Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel
Ein Sprachspielbuch. Ab 6 Jahren
Hinstorff Verlag, Rostock 2005
ISBN 3356010980,
Gebunden, 358 Seiten, 19,90 EUR


23. Roman - Demokratie, Lyrik - Despotie

Eine Ausstellung in Barcelona beleuchtet das Bild des Westens in den Augen der Moslems seit 1000 Jahren. Dazu wurden auch Schriftsteller aus islamischen Ländern eingeladen. Der Berichterstatter der New York Times * (3.9.) notiert:

The most original answer, though, came from Sorour Kasmai, an Iranian writer. To the question of why the West is democratic and the East often despotic, she responded: "I think democracy exists in the West because the West has had the novel. And despotism reigns in the East because the East has had poetry. The novel develops the democratic imagination because it offers various paths, various destinies, while poetry is despotic."


22. benn-blau

Jetzt wird es also haptisch, der Elfenbeinturm des Gelehrten ist aufgebrochen: "NACKT durch nacht und nabel läuft die zungenschrift“. Auf dem Körper bricht die Sprache entzwei. Die Schrift erfährt eine körperliche Präsenz, die Wenzel virtuos in dem erschütternden "aschbuch“ kulminieren lässt: "als die schrift und das buch starben/ rauchaufgang. dann/ niederschlag von bruch- + blutstaben“, eine celansche Reminiszens, ohne falsches, feierliches Pathos, dezent gesetzt, verhallt sie im Raum historischen Sprachgewirrs. Kleinschreibung als Verneigung vor der Sprache und Geschichte.

Ein großartiger Band, dem man viele Leser wünscht, ein wahrer Sprachzauber ergießt sich über den aufmerksamen Leser. Leise prallen die Worte an den Resonanzkörper Schädeldecke. Tief im Innenohr wird hier die abgegriffenste Floskel zu einem Blues: "benn-blau/ bläst den blues/ gegen zwölf-/ takt-tiede (...)“. / Daniel Ketteler, titel

Christoph Wenzel: zeit aus der karte.
Gedichte.
Rimbaud, Aachen 2005.
Broschiert, 74 S., 13 Euro
ISBN 3-89086-633-6.
www.rimbaud.de
www.siconline.de


21. «les femmes, elles m'emmerdent!»

(Die Frauen kotzen mich an). Das hört ein Busfahrer einen anderen sagen, laut, von einem Busfahrerfenster zum anderen Busfahrerfenster, in einem Gedicht eines Busfahrers, der Gedichte schreibt. Der Mann heißt Marius Daniel Popescu, er stammt aus Rumänien und lebt und arbeitet in der Schweiz, in Lausanne: als Busfahrer und als Dichter. Hier mehr von ihm und über ihn, Largeur.com 10.8. (frz.)


20. Der Misanthrop auf Capri

Durs Grünbeins neuer Gedichtband "Der Misanthrop auf Capri“ enthalte historische, auf die römische Antike bezogene Gedichte, die trotzdem auch von Erscheinungen der Gegenwart handelten, erklärt der Suhrkamp Verlag.

Der Titel des Werks "Der Misanthrop auf Capri“ sei eine Anspielung auf Kaiser Tiburtius. Grünbein versammle in diesem Band verstreute und in den eigenen Gedichtbänden publizierte "Historien“ – Gedichte zur römischen Antike. Dabei sei ihm die "Brücke zur Gegenwart“ ebenso wichtig wie der Einklang mit den Erscheinungen der Gegenwart. Dichter der Antike wie Horaz oder Juvenal seien für Grünbein nicht einfach irgendwelche lateinische Klassiker, sondern hätten ihm direkt etwas mitzuteilen: Ihre Werke würden zu "Interpretationsmitteln der eigenen Existenz“. / BLK 5.8.

GRÜNBEIN, DURS: Der Misanthrop auf Capri. Historien / Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005. 121 S., 11,80 €.


19. Der Saturnische Dichter

Weder die Ordnung der Dinge, noch die Ordnung des Himmels halten objektive Antworten für das Dichten bereit. Der Saturnische Dichter nutzt diese vertrauten Ordnungen zu eigenen Bedingungen. Zu einem Weltentwurf in Zeichen unter neuen Prämissen. Da ist er also doch, der Weltentwurf. Die Zeichen laden ein, zu labyrinthischem Bedeutungsbudenzauber im All. Es ist mal wieder Anbruch der Neuzeit. / Nora Sdun, Textem

Steffen Popp: Wie Alpen, Gedichte, 70 Seiten, Kook books 2005, kookbooks


18. Bernhards Gemeinheit

NORBERT MAYER spricht in Die Presse vom 20.08. mit Arnold Stadler über Stifters Sehnsucht und Bernhards Gemeinheit:

Bernhard verzeihen Sie nicht, dass er Stifter schlecht macht, ihn "überprüfen" will.

Stadler: Überprüfen ist ein hoch arrogantes Wort, man ist ja kein Bettnässer. Die Literatur kann man nicht überprüfen, schon gar nicht, wenn man sich nicht als Kritiker versteht, sondern als Leser. Man kann nur sein eigenes Verhältnis überprüfen. Mit dem Frühwerk Bernhards meine ich ja nicht diese wunderbaren Bücher, seinen Höhepunkt; Von "Die Ursache" bis "Ein Kind". Ich meine die furchtbaren Gedichte, "Unter dem Eisen des Mondes" heißt eines. Und dann noch die Bücher ab "Holzfällen". Sowohl diese Gedichte als auch ein Buch wie "Auslöschung" müsste man einmal wieder lesen - und dann ist man bitter enttäuscht.


17. Verserzählung von 9/11

Warum sollte jemand im 21. Jahrhundert eine lange Geschichte in Versen erzählen, fragt der Lyriker Christian Wiman in der New York Times Book Review vom 4.9. Nicht nur, daß er mehr Leser (und Geld) bekommt, wenn er daraus einen Roman oder ein Drehbuch macht. Auch in der kleinen Welt der Lyrik wird es ihm nicht gedankt, weil da der Ruhm an kleine, personliche, lyrische Texte geht. Ist es nicht ein bißchen pervers und verrückt, die technischen Fähigkeiten zu einem langen erzählenden Gedicht zu erwerben?

Nun, der Mann heißt Glyn Maxwell, ein englischer Dichter, der in seinem achten Buch eine Geschichte zwischen zwei Ländern und zwei Kriegen erzählt. Doch wer sein Werk kennt, wird nicht überrascht sein. Da gibt es ein 400-Seiten-Gedicht nach der Göttlichen Komödie Dantes.

''The Sugar Mile'' begins in a bar on Broadway and 86th Street three days before 9/11, where an English poet who is obviously a stand-in for Maxwell himself meets an old man named Joseph Stone. Stone is also English and over the next two days tells ''Glenn'' a story about the bombing of London in World War II, when Stone was a boy. ... The voices are sharply distinct, and the best moments of the poem reveal the power of narrative poetry, combining dramatic breadth with poetic concision. Note, for instance, the compressed characterization, layered tones of humor and pathos, and subtle rhymes of this passage:

 

I must have held my breath
so long the lad who opened the door said
Mum
there's someone here something's the matter with.

 

I'm going to have that carved above my name,
I have a place in Jersey
ready for it. In fact forget the name.

 

Or they can still put Joey.
Stone, as I always say,
goes without saying.

 

THE SUGAR MILE
By Glyn Maxwell.
140 pp. Houghton Mifflin Company. $23.


16. Sieben Gedichtbände

veröffentlichte der Literaturwissenschaftler Harald Hartung seit 1970. Der jetzt erschienene achte druckt sie alle nach mitsamt dem achten neuen.

Mehr in Die Welt 3.9.


15. Gedichte-Bringdienst

Das Ratsgymnasium bietet vom 13. bis zum 21. September einen so genannten Gedichte-Bringdienst an. Jeweils von 15 bis 19 Uhr können sich Interessenten telefonisch ein Gedicht bestellen, das dann auch so schnell wie möglich von den Gedicht-Kurieren direkt an der Haustür durch Vortragen abgeliefert wird. Dafür wird dann eine kleine Gebühr fällig. "Das ist im Prinzip so wie bei einem Pizza-Service", sagte gestern Birgit Lemmermann, die in den nächsten Tagen noch die Telefonnummern bekannt geben wird, unter denen die Gedichte geordert werden können. / Rotenburger Kreiszeitung 2.9.#


14. LESEBÜHNE AM BRÜSSELER PLATZ

Nächster Termin: 15. September 2005, 20 Uhr
Ort: Köln, Nyland-Stiftung, Brüsseler Str. 72, 50672 Köln

Es lesen Adrian Kasnitz, Enno Stahl und Achim Wagner sowie die Gäste Marc Degens (Berlin), Britt Gericke (Köln) und Daniel Ketteler (Aachen)

http://www.lesebuehne-koeln.de


13. Graspiloten

Schloss Bröllin, eine Produktionsstätte für freie Kunst, veranstaltet im September 2005 das interdisziplinäre Festival Graspiloten. Die Kuratoren Katharina Husemann, Jörn J. Burmester und Tom Mustroph laden Künstler und Theoretiker ein, um im Spannungsfeld von Aktion und Reflexion zu sondieren, welchen Einfluss der Ort auf die Kunst und die Kunst auf den Ort haben. Was kann ortspezifische Kunst heute leisten? Die Resultate, Aktionen, Performances und Vorträge, sind am 9. und 10. September in Bröllin sowie am 13. September in Szczecin zu sehen.

Rund 30 Graspiloten vermessen Schloss Bröllin - früher Schauplatz agrarischer Arbeit, jetzt zum Ort der Kunst mit Studios, Werk- und Spielstätten verwandelt - als Landeplatz für künstlerische Projekte neu. Der Installationskünstler Thomas Hauck spannt rote Fäden, die britischen Performer von plan b pirschen sich per Satelliten-Navigation an frühere Kunstexkursionen an, die Schweizer Gruppe Gaststube baut Nester für den temporären Aufenthalt. Die Schäferin und Performerin Anna Staffel belebt den einstigen Stall mit einer Schafherde, Anja Ibsch trägt Aura-Schichten ab. Die Wagner-Feigl-Forschung komprimiert Kunst- und Performance-Geschichte, Hans Winkler, Fachmann für interventionistische Aktionen, stellt Arbeiten aus Grenzbereichen vor, die Gruppe blackhole-factory berichtet von aktuellen deutsch-polnischen Grenzgängen: Graspiloten ist ein Hybrid aus Symposium, offenem Atelier und Präsentation.

Informationen zum Programmablauf:

www.broellin.de oder telefonisch unter 039747-50235


12. Jede Generation muß

ihren eigenen Weg zum Lesen klassischer Texte finden, sagt der Lyriker Jerry Harp und erläutert es an Texten John Berrymans. / Good Times weekly, 31.8.


11. Noch einmal Wolfgang Bauer

Der im August verstorbene Schriftsteller wurde in einem Grazer Ehrengrab beigesetzt (Standard 2.9.). Alle alle Österreicher loben ihn: auch Bundeskanzler Schüssel (Motor der literarischen Avantgarden) und Kunststaatssekretär Morak (Bauer habe in der Sprachkunst Linien fortgeführt, die "Nestroy, Karl Kraus und Wittgenstein vorgegeben haben. Er hat jäh und selbstschonungslos gelebt und war doch voll tiefer Herzlichkeit und Menschenliebe".). Auf den Standard-Seiten noch weitere Artikel und Links.


10. Der Sarmate und die jungen Wilden

Und obwohl Bobrowski von den zeitgenössischen literarischen Strömungen fast abgeschottet schien, wirken seine Gedichte und Erzählungen auch heute noch zeitlos und kühn, in einer verblüffenden Mischung aus wuchtiger Archaik und bis ans Äußerste getriebener Moderne. Bobrowski gab Klopstock als seinen "Lehrmeister" an, und er selbst spielte auf der Orgel am liebsten Pachelbel, Buxtehude und Bach - doch die "jungen Wilden" aus der Gruppe 47 pilgerten Anfang der sechziger Jahre zu ihm und wollten etwas von seiner spröden, dunklen, zwischen Hermetik und suggestivem Traum schwingenden Lyrik lernen. / Helmut Böttiger, Freitag, 02. 9., 20.10 - 21.00 Uhr bei Deutschlandfunk


9. Beruhigende Zäsuren

Die FAZ gedenkt des heutigen Jahrestages des Bibliotheksbrandes von Weimar zweifach. Auf der ersten Feuilletonseite ein mahnender Artikel mit großem Foto von verkohlten Papieren und auf der letzten eine Rede von Durs Grünbein. Ein lyrikbezogenes Zitat:

Was ihn [den Dichter] aufhorchen läßt, ist die Zäsur. Und wie könnte es auch anders sein bei jemandem, der sein ganzes Denken auf den Vers konzentriert? Sind nicht Metrik und Zeilensprung für die Dichtung, was im Alltag der Unfall ist, das unverhoffte Ereignis - ein Äquivalent all der kleinen und großen Zwisahenfälle, die uns jederzeit aus der Bahn werfen können? / FAZ 2.9.


8. Aber es war nur

mentaler Kapitalismus. Zinsen auf dem Aufmerksamkeitsmarkt waren MRR immer sicher seit seiner Flucht in die Bundesrepublik vor gut fünf Jahrzehnten. Auch L&Poe zollt Tribut (sic!). Die Zitateauswahl in Meldung 1 suggeriert, der Lyrikkanon sei vorgestellt worden. Nein, er wurde nur vorangekündigt. Erscheinen soll das Werk zur Buchmesse im Oktober. Entwarnung. - Welche Gedichte enthalten sind, werde vorerst nicht verraten, sagt der Herausgeber. (Sicher scheint nur, daß es bis Grünbein reicht).

Nur (?) das Hamburger Abendblatt weiß mehr und gibt "schon einmal einen Vorgeschmack mit drei Gedichten - von insgesamt 1370". Ob sie sie von MRR erhalten haben oder nur geraten, wird nicht mitgeteilt. Hoffentlich ist es kein Vorabdruck, denn das Gedicht "Einkehr" von Ludwig Uhland enthält ein überflüssiges und höchst ärgerliches Komma in der ersten Zeile. Dieses zerstörerische Komma (ich hab jetzt keine kritische Uhlandausgabe zur Hand, aber es scheint mir so sinnwidrig, daß ich aus dem Stand vermute, es kann nicht von Uhland stammen, wiewohl es digital herumgeistert, z.B. bei Gutenberg.de) - dieses falsche Komma, sag ich, hat wenn keinen Marktwert (s.o.) so auf der siebenteiligen Richterskala der Lyriknachrichten einen Wert von 4-5, die Ankündigung im Frankfurter Mousonturm gerade mal 1. (Für mentale Literaturkapitalisten natürlich Peanuts).


7. American Life in Poetry: Column 023

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

In this fine poem about camping by Washington poet E. G. Burrows, vivid memories of the speaker's father, set down one after another, move gracefully toward speculation about how experiences cling to us despite any efforts to put them aside. And then, quite suddenly, the father is gone, forever. But life goes on, the coffee is hot, and the bird that opens the poem is still there at its close, singing for life.

 

Camping Out

 

I watched the nesting redstart
when we camped by Lake Winnepesaukee.
The tent pegs pulled out in soft soil.
Rain made pawprints on the canvas.

 

So much clings to the shoes,
the old shoes must be discarded,
but we're fools to think that does it:
burning the scraps.

 

I listened for the rain at Mt. Monadnock,
for the barred owl on a tent peak
among scrub pines in Michigan.
I can hear my father stir

 

and the cot creak. The flap opens.
He goes out and never returns
though the coffee steams on the grill
and the redstart sings in the alders.

 

Reprinted from "Passager," 2001, by permission of the author. Copyright © 2001 by E. G. Burrows, whose most recent book is "Sailing As Before", Devil's Millhopper Press, 2001. This weekly column is supported by The Poetry Foundation, The Library of Congress, and the Department of English at the University of Nebraska, Lincoln. This column does not accept unsolicited poetry.


6. Radikale Dichtung

Auf Spanisch klingt die Salve des Krieges offenbar nicht ganz so scharf. «trchnbrmm» steht dort, wo Ernst Jandls Lautgedicht mit seinem «schtzngrmm» die Luft zerreisst. Das kongenial auf o verknappte Jandl-Gedicht «ottos mops» kommt in einer Übersetzung von Francisco Díaz Solars fast episch daher: «otto y el buldog toto». Wenn Ottos Mops bloss kotzt bei Jandl, geht's dem Spanier ans Schuhwerk: «toto vomita el zapato». International ist Ernst Jandl noch zu lancieren. Sonst aber scheint Österreichs vor fünf Jahren verstorbener Dichter längst in der Gnade der Klassik. Dass ihn das Österreichische Literaturarchiv zum 80. Geburtstag mit einem eigenen Aufsatzband würdigt, ist mehr als billig. Das Archiv kann aus dem Vollen schöpfen. Der Nachlass Ernst Jandls immerhin ist in seinen Händen. / Paul Jandl, NZZ 31.8.

Ernst Jandl. Musik Rhythmus Radikale Dichtung. Hrsg. von Bernhard Fetz. Zsolnay-Verlag, Wien 2005. 256 S., Fr. 32.50.


5. Alphabet der Welt

Die Autorentage Schwalenberg 2005 finden in Detmold vom 2.-4.9. statt. In diesem Jahr steht die Veranstaltung unter dem Motto "das alphabet der welt":

Inger Christensen steht mit ihrem Werk im Mittelpunkt der Autorentage. Es ist ihre faszinierende Kunst, Inhalt und Form, Sinn und Ästhetik, Sprache und Klang auf eine bisher so nicht gekannte Weise zu verschmelzen, jedes ihrer Langgedichte, die Muster aus der Natur aufnehmen, kann als ein Modell von Welt gelesen werden. Der Dichter Michael Donhauser spricht über das Wissen und die Erfahrungen, die sich in der Lyrik von Inger Christensen angesammelt haben. Vielleicht kann Poesie gar keine Wahrheiten sagen und Kunst keine Wahrheiten zeigen, aber sie kann wahr sein, weil die Wirklichkeit, die mit den Worten und Bildern folgt, wahr ist. Diese Gefolgschaft zwischen Sprache und Wirklichkeit ist die Erkenntnisweise der Poesie, von der Novalis sagt: ‹Das Äußre ist ein in Geheimnißzustand erhobnes Innre›. ... Ein anderes Alphabet der Welt erschafft Oskar Pastior mit seinen dichterischen Regelwerken, zu welchen spielerischen Formen die poetische Phantasie findet, zeigt Herta Müller... / Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe, Detmold


4. Förderpreis für Daniela Danz

Die Schriftstellerin Daniela Danz (Halle/ Saale) erhält den Förderpreis für Literatur des Landes Sachsen.-Anhalt.Die 5000 Euro werden ihr am 25. Oktober zu den Landesliteraturtagen in Halle übergeben. 2004 erschien ihr Gedichtband "Serimunt".


3. Öko-Pionier

Die literarische Qualität der Strophen ist nicht welterschütternd. Zudem hat Hoffmann eine solche Masse an Gedichten in die Welt gesetzt – es herrscht kein Mangel, sozusagen.

Gleichwohl ist der Fund natürlich eine feine Sache, finden unsere Gewährsleute von der Hoffmann-Gesellschaft in Fallersleben, Dr. Kurt Schuster und Karl-Wilhelm Freiherr von Wintzingerode-Knorr. Freudig erregt sitzen die beiden in ihrer schönen Hoffmann-Bibliothek und leuchten das Umfeld der Gedichte aus. Eben hat Schuster die passende Tagebuch-Notiz vom 11. Januar 1866 gefunden. Von Schweinchen-Kauf und Anzug-Schneiderei ist da zunächst die Rede. Und dann: "Wieder sehr fleißig. Gegen Abend ein viertes Gedicht. ,Was die Corveyer Kastanien erzählen.’ Es scheint mir sehr gelungen."

Wintzigerode-Knorr ist richtig glücklich darüber, Hoffmanns Rolle als Öko-Pionier beglaubigt zu sehen. / newsclick.de 1.9.


2. In Lugala

existieren kein Telefon, kein Fernseher, keine Waschmaschine, es funktioniert kein Handy, erreichbar ist Lugala nur über eine Straße, die diese Bezeichnung nicht verdient. Strom liefert entweder ein Generator oder, so die Sonne scheint, eine Batterie Solarzellen. In diesem Jahr wurde ein neuer Brunnen gebohrt, der Wasserturm harrt noch seiner Erneuerung.

Was liegt da näher, als Gedichte zu schreiben? Der Arzt Jörg Pönnighaus hat es getan, in Lugala, das in Tansania liegt. Bändeweise:

Lyrik scheint in der Abgeschiedenheit schwer zugänglicher afrikanischer Landstriche wie dem der Kilombero-Ebene, in der Lugala (140 Kilometer von der nächsten größeren Stadt Ifakara entfernt) liegt, gut zu gedeihen. So heißt denn auch einer seiner vielleicht fünf oder sechs Gedicht-Bände, die der Arzt im Gepäck hatte, "Kilombero Ebene". Er ist 2005 im Fischer-Verlag erschienen (ISBN 3-8301-0795-1). Eine kurze Leseprobe: "Zeit - ein Kreis, der sich schließt; ein Traum, der verblasst; Wind, den niemand sieht; Zeit, ein Becher, den wir leeren müssen, du, ich". / Mitteldt. Zeitung / Jessener Land 1.9.


1. MRRs Lyrik-Kanon

Das Rätselraten hat ein Ende. Hier nun die wichtigsten deutschen Gedichte aller Zeiten (Sehen Sie schnell nach, ob Sie dabei sind: Band 7! Aber nur, wenn Sie nicht jünger als Grünbein sind.):

"Der Kanon" ist die größte deutschsprachige Literatursammlung. Nachdem schon die Bände mit Romanen, Erzählungen und Dramen erschienen sind, hat Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki nun die Sammlung von Gedichten in Frankfurt vorgestellt.

Der vierte Band der Reihe beinhaltet 1.370 Gedichte von 270 Autorinnen und Autoren. Die ersten lyrischen Texte stammen aus dem 9. Jahrhundert und gehen weiter von Minnesang und Spätmittelalter, über Reformation und Barock, über Klassik und Romantik bis zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts und der jüngsten Generation deutscher Lyriker.

Marcel Reich-Ranicki, der den vierten Band seiner Anthologie gemeinsam mit der Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski in Frankfurt vorgestellt hat, betonte, dass die ausgewählten Gedichte die wichtigsten der deutschen Literatur seien. / HR online

"Der Kanon"

Die deutsche Literatur - Gedichte
Herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki
7 Bände und ein Begleitband im Schuber
Etwa 2500 Seiten. € 49,90
Preis gilt bis 31.12.2005
danach € 58,-
ISBN 3-458-06785-X
Insel Verlag, Frankfurt

 

Band 1
Walther von der Vogelweide
bis Friedrich Gottlieb Klopstock
(Anfang des 9. Jh. – 1803)

Band 2
Gotthold Ephraim Lessing
bis Friedrich Schiller
(1729 – Anfang 19. Jh.)

Band 3
Friedrich Hölderlin
bis Annette von Droste-Hülshoff
(1770 – Ende 19. Jh.)

Band 4
Heinrich Heine
bis Frank Wedekind
(1797 – Mitte 20. Jh.)

Band 5
Stefan George
bis Kurt Tucholsky
(1868 – späteres 20. Jh.)

Band 6
Klabund bis Paul Celan
(1890 – Gegenwart)

Band 7
Erich Fried bis Durs Grünbein
(1921 – Gegenwart)

 

Mehr: Der Standard 1.9. / Netzeitung /

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