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50. Poetischer Terrorist Top-Terrorist al-Zarqawi, der jüngst den bevorstehenden Sieg über die USA ankündigte, ist (wie sein Chef Bin Laden) auch ein Freund der Poesie: The speaker, whose recording was dotted with poetry and historical parables, often rhymed his words in sophisticated Arabic. / USA today 12.9. 49. Michael Hofmann Laudator Durs Grünbein würdigte Michael Hofmann als einen "einzigartigen, literaturgeschichtsträchtigen Fall", der ein "Speditionsgeschäft mit deutschem Kulturgut" betreibe. Hofmann stellte in seiner Dankesrede fest: "We are aufeinander angewiesen, German and me." ... 48. The death of a man ... is like the fall of a mighty nation,'' declared Czeslaw Milosz in one of the many poems in which he speculated upon the experience of dying. The poem explains that the fall occurs because the nation is no longer mighty, ''its cities are empty, its population dispersed / . . . its mission forgotten, its language lost.'' Yet it is the death of this man that is like the fall of a mighty nation, but a nation full and undispersed, its mission honored and its language imperishable. The magnitude of Czeslaw Milosz, who died in Krakow on Aug. 14 at the age of 93, is almost unimaginable./ Leon Wieseltier, NYT *) 12.9. 47. Jewgenij Jewtuschenko, russischer Dichter und Regisseur, hat den Opfern der Geiselnahme im Nordkaukasus ein Gedicht gewidmet. "Die Schule von Beslan", veröffentlicht am 9. September von der römischen Tageszeitung La Repubblica, ist vor allem ein Aufruf zur Versöhnung - "Zwischen verbrannten Schulbänken und Sträuchern/wandern Mohammed und Christus wie Brüder/und sammeln Stücke der Kinder". Zugleich erinnert Jewtuschenko an die Leiden der Tschetschenen in der Deportation unter Stalin: "Als die Züge nach Kasachstan fuhren/überfüllt mit Tschetschenen, einer auf dem anderen/Da entstand der künftige Terror/im Fruchtwasser der Ungeborenen" / BLZ 11.9. 46. Hugo Loetscher Als Hugo Loetscher im vergangenen Winter erstmals in der Literaturzeitschrift «Akzente» (NZZ 10. 1. 04) mit eigenen Gedichten an die Öffentlichkeit trat, konnte darüber im Grunde nur erstaunt sein, wer in Loetschers Prosawerken bisher die lyrischen Nebenstimmen überhört hatte. / Roman Bucheli, NZZ 11.9. Hugo Loetscher: Es war einmal die Welt. Gedichte. Diogenes-Verlag, Zürich 2004. 128 S., Fr. 29.90. 45. Hasenclever-Preis für Delius Der Schriftsteller F. C. Delius ist am 11.9. mit dem mit 20 000 Euro dotierten Walter-Hasenclever-Literaturpreis ausgezeichnet worden. Delius sei ein sprachlich brillanter Autor mit einem tief empfundenen gesellschaftspolitischen Verantwortungsbewusstsein, hieß es bei dpa 44. Im Widerstand: Michael Guttenbrunner Der österreichische Schriftsteller Michael Guttenbrunner ist zeitlebens ein literarischer Aussenseiter geblieben. Der sprachkritischen Schule von Karl Kraus entstammend, hat er sein Schreiben als Widerstand gegen Phrase und Jargon, gegen die Besinnungslosigkeit des Kulturbetriebs und die Halbheiten der Politik verstanden. Guttenbrunner, der am 12. Mai verstarb, hinterlässt ein bedeutendes Prosa- und Gedichtwerk. ... ... er war ein Leser, der weit über das brüchige Geflecht jedes Kanons hinaus ein tragendes Netz aus Geistesverwandten knüpfte: "Die Fähigkeit, allem Komfort auf dem Gebiete der Ideen und der Massenmechanik von Dogmen und Meinungen zu widerstehen, wurde vor allem beim Lesen der Fackel von Karl Kraus ausgebildet", heisst es bei J. D. Sauerländer./ Richard Wall, NZZ 11.9. Früh übte er sich im Widerstand: wegen Weigerung, das Horst-Wessel-Lied zu singen, flog er von der Schule. Im April diesen Jahres wurde ihm der Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil verliehen. Am 13. Mai starb er 84jährig in Wien. Hier sein Werk im Rimbaud-Verlag (mit Textauszug u. Rezension) Hier einige Texte. Ein Fund aus dem Archiv der Zeit (11/ 1960) - es geht um Kampf gegen den Lärm: Dabei müssen alle mithelfen. Das sollte nicht gleich so handgreiflich geschehen, wie es vor einiger Zeit der Wiener Dichter und Staatspreisträger Michael Guttenbrunner demonstrierte, als er "wider den Lärm in der herrlichen Natur" ausgezogen war und mit einer Axt in der Hand erbarmungslos auf alle lärmenden Fahrzeuge einschlug, die nichtsahnend die Wiener Höhenstraße daherkamen. Hier Guttenbrunner und Kramer im L&Poe-Archiv (dort auch über eine weitere Handgreiflichkeit Guttenbrunners) 43. Kein Duliöh So begegnet in diesen Auswahl-Bänden ein faszinierender Dichter, Eigenbrötler und Ethiker, der "eine möglichste Schonung alles Lebendigen" forderte und praktizierte, deshalb auch nie in Kriegsbegeisterung verfiel wie so viele gebildetere Kollegen. Er erkannte "das Heldentum des Nitroglyzerins nicht an". Seine Kunst steht allein in ihrer Zeit, außerhalb des Betriebs und der Tradition, wenngleich sich Assoziationen zu Goethes Liedern, zur Radikalität des späten Rückert oder Rilkes Versen einstellen. Ein schwäbischer Bauerndichter aber war er nicht. Das betonte schon kurz nach Wagners Tod im Februar 1918 Kurt Tucholsky: "Er war allerdings ein Landmann; er hat die Natur gekannt, aber das Hälmchen war ihm kein Anlaß Duliöh" zu schreien oder ein knallig angestrichenes Gemüt leuchten zu lassen. Er war ein in sich gekehrter Künstler und wohl wert, daß wir ihn alle läsen und verehrten." / ROLF-BERNHARD ESSIG, SZ 3.9. Christian Wagner -> DLF Büchermarkt 4.1.04 Gedichte von Christian Wagner Der 7. Christian-Wagner-Preis wird am 17.11. an die Lyrikerin Dorothea Grünzweig vergeben 42. Abgebrannt Nur langsam entsteht ein genaueres Bild von den Verlusten beim Weimarer Bibliotheksbrand. Vieles konnte gerettet werden oder lagerte eh auswärts, aber, schreibt Joachim Güntner: Der Schaden bleibt gravierend genug, die gesamte Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts ist schwer betroffen, darunter die Sammlung der Freunde der Fruchtbringenden Gesellschaft mit vielen Erstdrucken barocker Dichter wie Opitz, Moscherosch oder Gryphius. / NZZ 10.9. 41. Tiroler Literaturtage in Hall
10.-12. September. Es lesen u.a. der Vorarlberger Lyriker Norbert Mayer, Jürgen Nendza, Ferdinand Schmatz, Yoko Tawada, Franz Hodjak und Herta Müller. / Tirol online
40. Nendzas Gedichte Auch wenn sich Jürgen Nendzas Gedichte nicht dazu eignen, sie auf allzu eingängige Begriffe festzuschreiben, so bieten sie dem Leser doch eine Lesart an. Dem Tumultartigen, Chaotischen stellen sie die Ordnung des folgerichtigen Denkens gegenüber, dem Haptischen und der "Körpermalerei" die "Vogelperspektive" des Rationalen. Zugleich wissen sie genau, dass sich die unaufhörlich anprallenden Erscheinungen der Gleichzeitigkeit des Anschauens eigentlich verweigern, die Sprache sich ihre Teilchen stets zurechtschleift: "und immer verschwindet die Vielfalt im Augenblick // einer Perspektive". / Nico Bleutge, NZZ 8.9. Jürgen Nendza: Haut und Serpentine. Gedichte. Verlag Landpresse, Weilerswist 2004. 63 S., EUR 17.-. 39. Urs Allemann über die Ode Der Ausgangspunkt war die Lektüre der Oden von Hölderlin, die mich immer begleitet hat. Es war mein Wunsch, so etwas selber zu machen, und ich habe dann begonnen, die Odenliteratur zu studieren. So bin ich von Hölderlin auf Klopstock und von Klopstock auf Horaz und die Sappho gekommen. In den alten Formen steckt ein riesiges Potenzial. Die Moderne war mit diesen Formen zu früh fertig. Wie kann man, habe ich mich gefragt, eine Ode, eine Elegie oder ein Sonett schreiben, ohne klassizistisch zu werden. Das heißt nicht jetzt auf einmal wieder so schreiben wie Hölderlin, sondern nach einer modernen, eigenen, zerrissenen Sprache suchen, die sich auf der Höhe der Jetztzeit befindet und sich mit den alten Gefäßen verbindet. Meine größenwahnsinnige Fantasie war es, dass sich die Moderne und die alten Formen aneinander regenerieren könnten, ohne jetzt alle Skrupel und jegliche Sprachskepsis über Bord zu werfen. Heute meint man ja, man könne ohne Skrupel und Sprachskepsis daherschreiben. Es kann auch in der Dichtung nicht so sein, dass man einfach die Moderne wegräumt und unbeschwert Sonette, Oden und Elegien schreibt, aber die antiken Formen und die Sprache der Jetztzeit könnten sich aneinander neu entzünden. // ff. Südtiroler Wochenmagazin 38. internationale literatur Das Festival, das unter Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission steht, soll nach dem Willen seiner Veranstalter - der Peter-Weiss-Stiftung für Kultur und Politik e.V. sowie der Berliner Festspiele - die zeitgenössische Entwicklung von Prosa und Lyrik vorstellen und die Kommunikation zwischen den Kulturen ermöglichen. Geprägt wird das Angebot durch den Programmteil "Literaturen der Welt". Hierfür schlagen 11 internationale Juroren je drei Autoren als Teilnehmer vor, unabhängig davon, ob diese hier zu Lande mehr oder weniger bekannt sind. Sie lesen ihre Texte jeweils im Original, die deutsche Übersetzung wird von Schauspielern vorgetragen. Im Anschluss an die Lesungen ist Zeit für Gespräche. Unter den Gästen sind in diesem Jahr unter anderem Aharon Shabtei (Israel), Bernard Noel (Frankreich), Duong Thu Huong (Vietnam) und Jelena Schwarz (Russland)./ ND 10.9. internationales literaturfestival berlin -> 34 37. Mörike in Weimar Nur noch bis morgen, Freitag, ist der Nachlaß von Eduard Mörike in Weimar zu sehen. Er wird nach Marbach verkauft. Nicht wegen des Brandes - wegen der Fürstenabfindung. / MDR 36. Rilke in Hellerau Darüber schreiben die Dresdner Neuesten Nachrichten am 9.9. 35. André Stil, französischer Schriftsteller und gleichermaßen engagiert für Kommun- und Surrealismus, starb am 3.9. im Alter von 83 Jahren. Außer 50 Romanen veröffentlichte er auch einen Gedichtband. Nachruf im Independent vom 9.9.
34. Heimische Preciosen Über das 4. Internationale Literaturfestival in Berlin schreibt die Morgenpost am 9.9.: Mehr als 120 Schriftsteller konnte Festivalleiter Ulrich Schreiber gestern für den aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds finanzierten Lesungsmarathon ankündigen - darunter hommes de lettres wie Rafael Chirbes und Lars Gustafsson, Provokateure wie Frédéric Beigbeder, den britischen Jugendbuchautor Melvin Burgess sowie heimische Preziosen wie Durs Grünbein, Volker Braun und Oskar Pastior. Letzterer las bei der Programmvorstellung ein Poem, das leitmotivisch für eine gelungene Interaktion zwischen Autoren und Rezipienten steht: "das gedicht gibt es nicht / es gibt immer nur dies gedicht / das dich gerade liest", lautet eine für die Wirkungsmacht der Lyrik und idealiter auch des Festivals symptomatische Passage. Internationales Literaturfestival Berlin, Tel.: 278 786 20, www.literaturfestival.com 33. Kein Aufbruch zu erwarten In der NZZ vom 8.9. beklagt Hassan Dawud das Verschwinden der Lesekultur in den arabischen Ländern: Es gibt kein zwingendes Bedürfnis mehr nach Büchern. Ein arabisches Buch aus einem bestimmten Land verlässt dieses Land praktisch nicht mehr und wandert jenseits seiner Grenzen bestenfalls durch die Hände einiger Intellektueller. Ich weiss nicht, ob es heute noch möglich wäre, dass eine neue künstlerische oder kulturelle Strömung eine solche Wirkung auf die arabische Kultur hätte, wie das zum Beispiel einst bei der irakischen Lyrik der Fall war, die Mitte der vierziger Jahre die arabische Poesie erneuerte. Wahrscheinlich kann man das gar nicht und von niemandem mehr erwarten. -> 25 32. George Wir haben ewig nichts von Stefan George gehört. - meint Rolf Vollmann in der Zeit Nr. 38 und ändert das also. 31. Die Gegarten und die Rohen Donald Allen, der 1960 die einflußreiche Anthologie "The New American Poetry: 1945-1960" herausgab, starb im Alter von 92 Jahren in San Francisco. Die Anthologie führte zum Durchbruch einer ganzen Generation, die bis dahin nur in kleinen Zeitschriften gedruckt wurde: Mr. Allen started compiling his landmark collection in 1958 as an editor at Grove Press. In "The New American Poetry: 1945-1960" he presented a new generation. It offered a sampler of 44 young voices arranged in five overlapping groupings, and was one of the first countercultural collections of American verse. The difference between the older traditional voices and the new was described by Robert Lowell as the difference between the "cooked" and the "raw." There were the Black Mountain poets like Charles Olson, Robert Duncan and Robert Creeley; the San Francsico renaissance voices of James Broughton, Madeline Gleason and Lawrence Ferlinghetti; the beat generation of Allen Ginsberg, Jack Kerouac and Gregory Corso; the New York poets like John Ashbery, Kenneth Koch and Frank O'Hara; and a fifth group of younger names without geographical definition, including Philip Whalen and Stuart Z. Perkoff. / NYT 9.9. 30. Andreas Reimann Nach einem kurzen Ausflug in die jüngere Geschichte, als Reimann im Frühsommer '68 gemeinsam mit Kollegen wie Hilbig und Neumann durch eine berühmt gewordene Aktion von sich reden machte - der nun per Feature dokumentierten illegalen Motorboot-Lesung auf dem Leipziger Elsterstausee - nun also neue Gedichte. Lesen! / Gisela Hoyer, Leipziger Volkszeitung 9.9. Andreas Reimann: Zwischen den Untergängen. Gesammelte Gedichte. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2004, 125 S., 16,50 Euro. Buchpremiere heute (20 Uhr) im Leipziger Haus des Buches (Gerichtsweg 28) 29. Möriketag Heute, am 8.9., ist 200. Möriketag. Bei lyrikmail.de gibts eine ganze Mörikewoche. 28. Deutschlands liebstes Gedicht Wie bei bluetenleser.de zu erfahren, ist die Liste der deutschen Lieblingsbücher, die offiziell am 1. Oktober mit Pomp bekanntgegeben werden soll, schon durchgesickert. Erwartungsgemäß sind keine Gedichtbände dabei (wir lieben vielleicht einige Dichter, doch nicht ihre Gedichte!). Freilich mit einer sensationellen Ausnahme: Auf Platz 1 steht ein Buch der Poesie - eins ohne Dichter! Hier ein 3000 Jahre altes Liebesgedicht aus der Deutschen Lieblingsbuch: O schön bist du, meine Liebe, Oh ja, die Deutschen lieben ihre Dichtung! Noch ist Deutschland nicht verloren. Lest nur weiter - hier zwei Poesieklicks! (Übersetzt von Johann Gottfried Herder) Hier der ganze Text dieser Fasssung, hier zwanzig (und mehr!) andere Fassungen. 27. Weltverändernd Seine Gedichte gehören zu den schönsten, unverwechselbarsten, also unübersetzbarsten. Und wurden aber gerne mit etwas Kleinem verwechselt. So leider auch von meinem lieben Gottfried Benn. Mörike wäre vielleicht doch etwas für Benn gewesen. Und für alle Menschen, die lesen können, und glauben, dass die Welt nicht mehr ganz dieselbe ist, nachdem einer An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang gelesen hat. / Arnold Stadler, FR 7.9. Vgl. DLR 8.9. 26. Schreibwettbewerb: Mein Urlaub Beteiligen Sie sich bis zum 21.9.04, 10 Uhr am neuen Schreibwettbewerb zum Thema "Mein Urlaub". Es ist sowohl Lyrik als auch Prosa erwünscht. Der Text darf nicht länger als 3.500 Zeichen sein (inkl. Leerzeichen) - es ist nur ein Beitrag / User zugelassen. / literature.de Literaturnetz 25. Alte arabische Phobie In der FAZ vom 7.9. schreibt Husain Al-Mozany über eine Broschüre des saudischen Autors Nasir al-Huzaimi über "Bücherverbrennung in der arabischen Kultur".Seit Mohamed, der gesagt haben soll, die Araber seien eine analphabetische Nation, gebe es eine "eigenartige Büchervermeidung, die sich schließlich auf die gesamte Gemeinde erstreckte". Das gilt für alle Bücher außer dem Koran - umso mehr für der Ketzerei verdächtige: Bücher andersdenkender Schriftsteller und Übersetzer, wie von Ibn al-Muqaffa (etwa 720 bis 756), der zunächst verstümmelt und dann ermordet wurde, oder Salih ibn Abdulqudus (hingerichtet 777 auf Befehl des abbasidischen Kalifen al-Mahdi), wurden wegen des Vorwurfs der Häresie und Ketzerei einfach vernichtet. Ibn Muqla (gest.940), Minister, Dichter und angesehener Schriftmaler, wurde die rechte Hand abgehackt, damit er nicht mehr schreiben konnte. Er starb im Gefängnis. Nach diesem Bericht lernte er mit links zu schreiben - und schrieb wieder Mißliebiges. Dafür wurde ihm nicht die linke Hand, sondern die Zunge abgehackt, und als er immer noch schrieb, kam er ins Gefängnis - was er nicht überlebte. 24. Neue arabische Lyrik Dichter füllten nicht nur große Arenen mit ihren Vorträgen, Gedichtlesungen seien auch ein fester Bestandteil von Radio- und Fernsehübertragungen und Kassetten mit zeitgenössischer Lyrik seien ebenso beliebt wie solche von aktuellen Musikbands. Welch starken Einfluss arabische Lyriker auf die Meinungsbildung ausübten, zeige zum Beispiel die Gründung der Lyrik-Zeitschrift "Schiir“ in den fünfziger Jahren, die ein größeres Echo hervorrief als viele politische Bewegungen dieser Zeit. Der von Suleman Taufiq herausgegebene Band werde ergänzt durch ein Nachwort und biographische Notizen. Suleman Taufiq wurde 1953 in Syrien geboren und studierte Philosophie und Komparatistik in Deutschland. Er ist heute als Publizist und freier Autor für viele deutsche Rundfunksender und die "Neue Zürcher Zeitung“ tätig und lebt in der Stadt Aachen, mit deren Literaturpreis er 1983 ausgezeichnet wurde. (iri/kat) / Die Berliner Literaturkritik 31.8. TAUFIQ, SULEMAN (Hg.): Neue arabische Lyrik. Aus dem Arabischen von Suleman Taufiq. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004. 240 S., 9 EU. 23. Heinz Kahlau: der Auflagenstärkste "Lutz Görner spricht Heinz Kahlau" am morgigen Mittwoch, 8. September, in Ratingen. - Kahlau, von dem man heute wenig hört, (er lebt auf der Insel Usedom) gehörte zu den bekanntesten DDR-Lyrikern und war in den 50er Jahren Meisterschüler Bertolt Brechts. / WAZ 7.9. Über die Lesung berichtet die WAZ am 9.9.: Kahlau, gebürtig aus Drewitz bei Potsdam und bis zu deren Untergang Bürger der DDR, ist in Westdeutschland nahezu unbekannt. Die Zuhörer entdeckten also Neuland in dichterischem wie biografischem Sinne. Dennoch ist Kahlau der auflagenstärkste deutsche Dichter der Nachkriegszeit 22. Zum 200. Geburtstag Eduard Mörikes siehe auch: Wormser Zeitung 7.9./ Bieler Tagblatt 7.9. / Frankfurter Neue Presse 9.9. / Pforzheimer Zeitung 9.9. / Jesus online / 21. G&GN-Sommerlitorale "DeR eRNST IST eIN MeISTeR AUS DeUTSCHLAND" Teil 1: "WARUM, ERNST?" (war am 15.8.) "e(A)RNeST Be A MASTeR FROM GeRMANY", part 1: "WHY, E(A)RNEST?" Die Eventagentur "Der erste Stock" hat für Berlin-Terroristen, äh, nein: Touristen, wartende MoMa-Besucher und einheimische Sonntagsausflügler eine Eventplattform am Kulturforum geschaffen: Unter dem Motto "Die OmA in Berlin" steht direkt neben der Neuen Nationalgalerie eine Open-Air-Bühne (vor dem Matthäuskirchplatz) - und davor LIEGT eine echte WIESE (daher der Begriff: "Liegewiese") aus richtigem Rollrasen auf dem Schotter! Ab heute findet dort jeweils von Donnerstags bis Sonntags die Lesereihe "SommerLitorale" statt, an der sich über 20 Verlage der BERLINER BUCHMESSE mit ihren Autoren beteiligen! Zum Auftakt heute: Der erste Teil des bilingualen Lyrik-Performance-Zyklus` von Tom de Toys (G&GN-Verlag), dessen Titel auf seine gleichnamige neue Publikation (englische Übersetzung: Ní Gudix) anspielt, die sich wiederum auf den Dichter Ernst Meister bezieht und dabei natürlich auf die berühmte Zeile ("der Tod ist ein Meister...") aus dem Gedicht "Todesfuge" von Paul Celan verweist... Zu erwarten ist die deutsche Live-Uraufführung des topaktuellen Politpoems "ÜBERSCHREI (AN DIE NEUE REGIERUNG)" von 1999, das bisher nur in einer Pariser Galerie vorgetragen wurde, außerdem die erste offizielle öffentliche Abspielung der Technosatire "SCHRÖDER MEDITIERT" (von "HOLZHUND" bei mp3.de) - apropos: Wußten sie, daß sich Schröhder inzwischen HINTEN MIT "H" schreibt??? Es wird Ihnen hier und heute live erklärt!!! Auch, WARUM LYRIK sich niemals an irgendeine Richtigschreibung hält, sondern immer nur ihren eigenen Sprachgesetzlosigkeiten folgt... ZEITEN: 13 + 15 + 16:30 h (Wiederholungen mit Variationen) ORT: Kulturforum/Eventplattform am Potsdamer Platz (zwischen Philharmonie & Neuer Nationalgalerie) ACHTUNG: vgl. auch DNÄ-Hommage-Gedicht "ÜBERHALS (TODESBEFUGNIS)" im G&GN-Archiv! Nächste Termine Sonntag, den 12.9.04: SommerLitorale, heute mit G&GN-Verlag: Lyrik-Performance-Zyklus Teil 2 von Tom de Toys um 13h, 15, 16:30 h: "DeR eRNST IST eIN MeISTeR AUS DeUTSCHLAND", Teil 2: "WARUM, MEISTER?" Ort: Kulturforum hinter der Nationalgalerie am Potsdamer Platz
Sonntag, den 26.9.04: FINALE DER SommerLitorale, heute mit G&GN-Verlag: Lyrik-Performance-Zyklus Teil 3 von Tom de Toys um 13h, 15, 16:30 h: "DeR eRNST IST eIN MeISTeR AUS DeUTSCHLAND", Teil 3: "WARUM, DEUTSCHLAND?" Ort: Kulturforum hinter der Nationalgalerie am Potsdamer Platz NACHTRAG: Gegendarstellung für "Berliner Morgenpost"! Die wohlwollende Ankündigung in der Kulturmagazin-Wochenbeilage "BerlinLive" unter dem Titel "WARUM, LYRIK?" enthielt leider einige "spektakuläre" Fehler: Weder hat Ralf Schmerberg 19 Gedichte von De Toys verfilmt (sondern nur 1, das sogar nachträglich gegen eine Ode von Schiller ausgetauscht wurde, siehe Skandalkritik von Lord Lässig), noch ist der G&GN-Verlag Veranstalter der SommerLitorale (sondern die Agentur "Der erste Stock" rund um Marianne & Carolin, die wunderbaren Organisatoren der "Berliner Buchmesse"). KORREKTE PRESSE SIEHE BEI KULTURA-EXTRA.DE! 20. Artmanns Nachlaß, Artmann-Preis Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek erwirbt den literarischen Nachlass des österreichischen Dichters H.C. Artmann, berichtet Der Standard am 6.9. - Einen Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik stiftet die Stadt Wien. Die nach dem 2000 verstorbenen Dichter und Übersetzter H. C. Artmann benannte Auszeichnung werde noch in diesem Jahr verliehen, hieß es heute in einer Aussendung.* / ORF-Ticker 7.9. Näherer Bericht im Kurier, 9.9. 19. Wunderbares Langgedicht Hart Cranes Langgedicht "The Bridge" gehöre zu den ungelesenen Monolithen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schreibt Klaus Reichert in seinem Nachwort zu der zweisprachigen Ausgabe dieses "long poem", durch welche das Werk erstmals in einer deutschsprachigen Fassung zugänglich gemacht wird. Der 1899 geborene Fabrikantensohn Hart Crane aus Cleveland, Homosexueller und Teil der Künstlergemeinde im Greenwich Village, feiert 1930, zwei Jahre vor seinem Selbstmord, in diesem acht Teile umfassenden Gedicht die Brooklyn Bridge als überlebensgrosse Vision der Vitalität der USA. Mythen, historische Ereignisse, technische Grosstaten und die Einflüsse literarischer Vorbilder - vor allem Walt Whitman und Edgar Allan Poe - verschmelzen in einem Gewebe von Metaphern, das bis heute als überaus hermetisch gilt. / NZZ 6.9. Hart Crane: Die Brücke. Ein Gedicht. Aus dem amerikanischen Englisch und kommentiert von Ute Eisinger. Mit einem Nachwort von Klaus Reichert. Jung und Jung, Salzburg 2004. 167 S., Fr. 37.50. Ute Eisinger über Crane Tha Last Elizabethan Crane: To Brooklyn Bridge
18. Wunderbare Rampensau Michael Braun analysiert in der NZZ vom 6.9. jüngste Systematisierungsversuche der Gegenwartsliteratur - so das Lesebuch "Inventur" von Niemann/ Rathgeb und ein Buch von Helmut Böttiger. Wundert es wen, daß der Vorrat der Namen mit dem Kreis der ohnehin vom Feuilleton Beleuchteten zusammenfällt? Wenn man zum Vergleich die in diesem Frühjahr erschienene "Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur" (Zsolnay-Verlag) von Helmut Böttiger heranzieht, sind verblüffende Gemeinsamkeiten der Wertung zu entdecken. In Böttigers Sondierungsversuchen zur literarischen Jetztzeit, die sich bei aller Umsicht in der Einzelanalyse zu sehr in Abstinenz gegenüber einem systematischen Ansatz üben, trifft man alte Bekannte aus der "Inventur" wieder: Durs Grünbein, den antikisierenden "Götterliebling" der neunziger Jahre; Marcel Beyer, den Sprachforscher und Stimmensucher in der deutschen Vergangenheit; Reinhard Jirgl, den virtuosen Chronisten der Verfallsgeschichte der DDR; Ulrich Peltzer, den Autor brisanter politischer Zeitromane; oder eben Thomas Kling, "die wunderbare Rampensau" (Helmut Böttiger).
17. Silbersteins warn nicht dabei Auf der Homepage von PD Dr. Karl-Heinrich Ostmeyer das Anthologieprojekt "Deutsche Gedichte wider Judenhass und Antisemitismus" (mit versammelten Gedichten des Monats und einer langen Titelliste). Dort fand ich dieses Gedicht von Edwin Bormann (der als Leipziger Mundartdichter bekannt ist und 1851 - 1912 lebte). Ein immer aktueller Text, ein verblüffender Lösungsvorschlag aus kindlicher Seele. Die zahlreichen Aufrufe zur Toleranz in der deutschen Literatur hielten das Unheil nicht auf und waren doch notwendig. (Sollten sich unter den Lesern dieser Seite welche finden,die das kleine Gedicht in ihre Muttersprache übersetzen wollen - Arabisch, Jiddisch, Hebräisch, Englisch, Koreanisch, Tschetschenisch oder jede andere Sprache) - gern würde ich alle Fassungen hier veröffentlichen). Bitte mailen Sie diese Nachricht an Ihre Bekannten oder drucken Sie sie nach auf Papier oder virtuell! Danke! Edwin Bormann
Kinderscene (1893)
Morgen zum Geburtstagsfeste Lädt sich Käthchen kleine Gäste: Anni Hoffmann, Suse Beyer, Minchen Walther, Doris Schreier, Evchen Müller, Elsa Strauch - "Kommt denn das Rebekkchen auch?" - "Was, Rebekka Silberstein?! Juden lad ich niemals ein. Gabst du in der Schul nicht Acht, Daß sie Jesum todt gemacht?" - "Unser Lehrer meint das, ja; Doch es sagt mir die Mama (Und die weiß doch vielerlei): Silbersteins warn nicht dabei!"
Schlichte Kinderseele du, All mein Herz es lacht dir zu. Besser wärs um sie bestellt, Zöge siegreich durch die Welt Deine Friedensmelodei: "Silbersteins warn nicht dabei!"
16. Winterurlaub in Palm Beach Ja, warum nicht beim First Annual Palm Beach Poetry Festival!? Florida in January is pure poetry, especially when you can attend the first Palm Beach Poetry Festival, January 21-23, 2005, on the beautiful campus of Lynn University, 3601 North Military Trail, Boca Raton, Florida. The Festival will include workshops, panel discussions and readings by Billy Collins, Thomas Lux, Sharon Olds and Patricia Smith. Admission to the Panel Discussion and both Readings is open to everyone, poets and non-poets alike, for a package price of $40. The four two-day workshops are only $250 (limited to 12 participants each).
15. Küsse im XX. Jahrhundert Gedichte und Schlingertexte von Wilhelm Fink werden auf den Seiten von www.Pegasus zusammengestellt, darunter dieses (Titelgedicht des jüngsten Bandes): Küsse im XX. Jahrhundert
Zwischen dem 22. und 23. Parteitag im Café Puschkin zwei Haselkätzchen im Steinkrug
Schneematsch im Rinnstein am runden Tisch leuchtet die gelbe Futuristenbluse Majakovskis
Küsse unterwegs in der wechselnden Landschaft, während die Küste zurückbleibt und der Motor dunkler brummt auf der Steigung: Küsse als Zeitvertreib weil Weiden und Pappeln nicht weichen während die Zeiger wandern - Kilometer, Benzin, Sekunden und die Zähne zur Seite gehen.
Küsse auf der Strasse im Frühlicht Küsse auf abschüssiger Fahrbahn Küsse im XX. Jahrhundert Wilhelm Fink
14. Guernica: Gedichte statt Bomben Einer der Höhepunkte war dieses Jahr sicherlich die "friedliche Bombardierung" des Stadtzentrums mit hunderttausend Lesezeichen - jedes bedruckt mit einem Gedicht. Wie ein Schneeschauer segelten sie aus einem Hubschrauber auf die Straßen, Grün-anlagen, Bäume und Dächer nieder. Kinder und Erwachsene jagten nach den flirrenden Blättern, sammelten sie vom Boden auf und schüttelten sie aus den Zweigen der Bäume. Mit neuer Fracht beladen tauchte der Helikopter fast zwei Stunden lang immer wieder an verschiedenen Stellen auf, um seine poetische Last abzuwerfen. Zum Abschluss wurde der Platz zwischen Rathaus und Friedensmuseum mit Gedichten überschüttet. Schon in den Pausen zwischen den Abwürfen begannen Kinder, untereinander die Lesezeichen mit den verschiedenen Gedichten zu tauschen. Aber auch die Erwachsenen entwickelten großen Ehrgeiz, möglichst viele der insgesamt 76 verschiedenen Gedichte zusammenzutragen. Geplant und ausgeführt wurde die Aktion von drei chilenischen Dichtern. Julio Carrasco, Cristóbal Bianchi und José Joaquin Prieto sind Mitglieder der chilenischen Dichtervereinigung "Casagrande", die eine kostenlose Zeitschrift gleichen Namens herausgibt und in Chile schon durch verschiedene Aktionen versucht hat, die Bevölkerung im Alltag, zum Beispiel auf der Straße oder auf U-Bahnstationen, mit Poesie in Berührung zu bringen. / Pforzheimer Zeitung 4.9.*
13. Preis für Jan Wagner Der Anna-Seghers-Preis geht in diesem Jahr an den Berliner Lyriker Jan Wagner und die Erzählerin Claudia Hernandez aus El Salvador. Wie die Anna-Seghers-Stiftung am Samstag in Berlin mitteilte, werden die mit jeweils 12.500 Euro dotierten Preise am 13. November in Mainz verliehen. Der 1971 in Hamburg geborene Wagner wurde den Angaben zufolge von der Jury ausgewählt, weil er "virtuos und bescheiden die Tradition der modernen Dichtung fortsetzt". Kleine Zeitung 4.9.
12. Gedichte eines Sträflings Gleichgültig an welcher Stelle man den Band aufschlägt, es beschleicht einen das Gefühl, die Gedichte Jean Genets passten nicht mehr in diese Zeit. Passten sie aber in seine Zeit? Sämtliche sieben Gedichte Genets, darunter ein poeme en prose, werden jetzt in überarbeiteter Übertragung vom Merlin Verlag im Rahmen der Genet-Werkausgabe vorgelegt. In dem bekanntesten seiner Gedichte, dem langen Poem "Le Condamné a mort" - "Der zum Tode Verurteilte" - heißt es in der für Genet typischen Melange aus Pathos und Demut, aus preziösem und niederem Wortschatz: "Oh mein alter Marino, oh liebliches Cayenne!/ Ich sehe die Körper von fünfzehn bis zwanzig Sträflingen/ Um einen blonden Knaben gebeugt, der die Stummel raucht,/ Von den Wärtern in die Blumen und das Moos gespuckt." / Ina Hartwig, FR 1.9. Jean Genet: "Gedichte." Deutsch und französisch. Werkausgabe Band VII. Übertragungen ins Deutsche von Gerhard Edler und Manon Grisebach. Editorischer Bericht von Friedrich Flemming. Merlin Verlag, Gifkendorf 2004, 200 Seiten, 18,40 Euro.
11. Araber: Warum die Lyrik vorherrscht Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun erklärt (Zeit 37) das Vorherrschen der Lyrik in der arabischen Literatur und kritisiert die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse: Der Roman als Kunstform jedoch ist eng mit der Anerkennung des einzelnen Menschen verknüpft. Erst 1914 erschien der erste arabische Roman Zainab als Fortsetzungsroman in einer großen Kairoer Zeitung. Der Autor, Mohammed Hussein Haykal, stellte ihn seinen Lesern nicht als Roman, sondern als Chronik einer Familie vom Lande vor. Damals galt der Roman als unmoralische Gattung. Haykal hatte in Paris gelebt und gab zu, von Flaubert beeinflusst zu sein. Er wurde des Ketzertums und des Verrats beschuldigt. Das erklärt, warum die Lyrik das wesentliche Genre der arabischen Literatur ist. Sie ist populär. Eine Lesung des Palästinensers Mahmoud Darwisch oder des Syro-Libanesen Adonis zieht Tausende von begeisterten Gedichtfans an. Die Frankfurter Buchmesse hätte sich auf die Lyriker beschränken oder ihnen zumindest einen bedeutenden Platz zugestehen sollen. Man wollte die arabische Welt einladen und hat doch nur die Konflikte zwischen Arabern geschürt. Die Verantwortlichen waren sich wohl der großen Komplexität und der Missverständnisse nicht bewusst, die das kulturelle Leben jener so unterschiedlichen Länder bestimmen. (Vermutlich hat er ja recht - wenn auch mit der Konsequenz, daß wieder einmal nicht die Araber schuld sind, sondern die Frankfurter Veranstalter, wenn sie - wie Ben Jelloun erwartet - nicht die größten Autoren nach Frankfurt schicken, sondern die Harmlosen und Angepaßten). Frankfurter Buchmesse/ Arabischer Schwerpunkt Übersetzung eines Gesprächs über die Buchmesse auf dem Sender al-Jazeera
10. Mörikes Peregrina Am 8. feiert die Welt, soweit interessiert, Eduard Mörikes 200. Geburtstag. Der NZZ ist er schon heute einen Schwerpunkt wert: Seit Petrarca, dem Ahnherrn der europäischen Lyrik der Neuzeit, führen Poeten ihre Kunst gern auf ein initiales Gründungsereignis der Liebe und des Liebesleids zurück. Petrarca will seine angebetete Laura am Karfreitag des Jahres 1327 erstmals in einer Kirche erblickt haben; von dieser Stunde an habe er sich zum Dichter in der Volkssprache berufen gefühlt. Vieles spricht dafür, dass diese Erweckung so nicht stattgefunden hat, sondern eine Erdichtung im Dienst mythischer Bedeutsamkeitsstiftung war. Bei Mörike gibt es nachweislich ein solches Gründungsereignis, und die Behauptung ist nicht übertrieben, dass sein Schreiben tatsächlich hier seinen Ursprung hat. Das sogenannte «Peregrina-Erlebnis» - die lebensbedrohliche Krise, in die ihn 1823/24 die Liaison mit der schönen Vagabundin Maria Meyer stürzte - war das Trauma am Grund seiner poetischen Kreativität. Einen «lebenslangen Rekonvaleszenten» hat ihn Albrecht Goes genannt und damit die psychische, aber eben auch literarische Nachhaltigkeit dieser Erfahrung des Zwanzigjährigen unterstrichen. «Von der Zeit an / Kamen mir Träume von schöner Trübe / Wie gesponnen auf Silbergrund / Wusste nimmer wie mir geschah / Und war seeliger, leidender Krankheit voll.» So heisst es im frühesten Peregrina-Gedicht von 1824... / Manfred Koch bespricht neue Mörikeliteratur, NZZ 4.9. Mehr zu Mörike in dieser Ausgabe: Gertrud Leutenegger (auch über Peregrina, nebst Stones & Hendrix) / Wolfgang Stähr über Hugo Wolfs Mörikelieder (Wolff vertonte im jahr 1888 53 Mörikegedichte) Hier der Peregrina-Zyklus, hier die prädadaistischen Wispeliaden. Zuguterletzt aus dem letztgenannten Zyklus ein antibayerischers Gedicht des Jubilars: La Jalousie* Ich ging an Louis von Baierns Schloß vorbei, Da wispert' man ihm zu, daß ich es sei: Von Baiern eilt ans Fenster, mich zu sehn, Doch nur verstohlen wollt er nach mir spähn; Ich merkt es wohl und lächelt vor mich hin: »Ein Dichter sieht sehr oft aus Jalousien Ja manchmal gar aus prächtigen Basiliken Mit Basilisken-Augen nach sich blicken!« * Bei den Galliern die Götzen des Neides. Auch die FAZ gedenkt am 4.9. des Dichters Mörike (offline).
9. Nabeel Yasin Wie die Freundschaft zu einem exilierten irakischen Dichter einen ägyptischen Journalisten in Basra kurz nach dem Sieg über Saddam Hussein vor dem Zorn der Menge rettete und wie die Iraker applaudierten und Zeilen aus seinem großen Erzählgedicht "Bruder Yassin" auswendig hersagten, erzählt der Guardian vom 25.8. Der Name des irakischen Dichters: Nabil Yasin - er mußte 1980 den Irak verlassen und lebte zu dieser Zeit in London, aber seine Leser hatten ihn nicht vergessen.Sein Buch konnte nur im Exil erscheinen, hatte aber über Libanon den Weg in sein Land gefunden.
8. Überraschend schlicht, bezwingend schräg Den Nachruf auf Czeslaw Milosz in The New Republik vom 16.9. schreibt Seamus Heaney - der Nobelpreisträger von 1995 für den von 1980: I know Milosz's poems only in translation, but they come through so convincingly in the "target language," you forget that their first life is in Polish. Reading him in English, you are in thrall to a unique voice, a poetry cargoed with a density of experience that has been lived through and radiated by an understanding that has rendered it symbolic. It's not just that one trusts the ear and the accuracy of those poets who have done the translating, although their contributions in this regard have been indispensable. It's more that one can hardly not intuit the sheer weight of human presence, prose content, and musical transmission that must subsist in the original, away beyond our linguistic reach. The poetry as a whole is eminently comprehensible and unignorable. It is equally well supplied with occasions of surprise and recognition. It can move from sumptuous evocation to solo articulation. Its easy-as-breathing cadences, its often unexpected simplicity (as in a bewitching early poem such as "Encounter") and its equally unexpected but persuasive obliquity ("Far West," for instance) convince you of the truth of Milosz's frequent claim that his poems were dictated by a daimon, that he was merely a "secretary."
7. Poet s Choice In Edward Hirschs Washington-Post-Kolumne Poet s Choice am 15.8.: Nelly Sachs.am 29.8.: Ted Kooser und Loren Eiseley.
6. Seltsamerweise waren es ausgerechnet die Dichter, die am meisten unter dem Terror der russischen Revolution litten, meint Adam Kirsch. Folgerichtig, meint Joseph Brodsky: Nikolai Gumilyov was executed by a firing squad in 1921, leaving his ex-wife, Anna Akhmatova, to face decades of harassment and censorship; Marina Tsvetaeva committed suicide in 1941, after years of persecution; Peretz Markish was executed, along with other Jewish writers, in 1952. But it was Mandelstam who became the emblematic martyr of poetry under Communism. This is partly because he was, by common consent, one of the greatest Russian poets who ever lived; in the words of his successor Joseph Brodsky, "what he did will last as long as the Russian language exists." For readers who can only approach Mandelstam's poetry through the distorting scrim of translation, however, his legend is based largely on his wife Nadezhda's great memoir, Hope Against Hope, first published in 1970. As Brodsky said, "one would instantly understand—even without knowing a single line by Mandelstam—that it is indeed a great poet being recalled in these pages, because of the quantity and energy of the evil directed against him / Nextbook, 29.7.
5. Möricke Mit zwei Wortfindungen wartet Die Presse am 3.9. schon in der Überschrift auf: Möricke: Selten mörikelt es heute Rüdiger Görner liest neue Bücher über den Dichter: Wie schreibt doch Beci so schön bei ihrer Deutung des "alten Turmhahn": "Brüche schleichen sich ein?" Das trifft vor allem für ihr Buch zu, dessen Höhepunkt an psychologischer Einsicht erreicht ist, wenn sie befindet: "Mörike braucht Margarethe (seine Frau) möglicherweise, weil er mit der eigenen Schwester nicht schlafen darf." Lesen Sie mehr.
4. Toilet Door Project Neue Wege der Vermittlung von Poesie suchte und fand eine Organisation in Australien. Gedichte junger australischer Lyriker werden auf Toilettentüren plakatiert, berichtet The Sun - Herald am 29.8.: Featherstone, the 26-year-old poet and brainchild behind The Red Room Company, Australia's only organisation dedicated to developing and promoting emerging poets, decided she needed to find a funny and irreverent way to expose young poets to a wider audience. "I was desperate to think of a project where I could commission really good-quality Australian poets that somehow could be distributed to a gigantic audience," she says. "I wanted it to be about poetry in a public space and immediately everyone I told was saying, 'Have you heard about the poetry on the London Underground and New York train stations?' "But the thing about that was they were only extracts of poems, and it was really important for me to get the whole poem up there for people to read." From that idea the Toilet Doors project was born, and six NSW poets have been commissioned to write original poems for exhibition on the back of toilet doors. Beispiele (und Bestellmöglichkeiten!) auf der Seite The Red Room Company.
3. Ilma Rakusa Die mit 15 000 Franken dotierte Johann-Jakob- Bodmer-Medaille, ein Kunstvermittlungspreis, geht an die Schriftstellerin und Übersetzerin Ilma Rakusa, berichtet die NZZ am 2.9.: Die Slawistin, Schriftstellerin und Übersetzerin wurde 1946 im slowakischen Rimavská Sobota als Tochter einer Ungarin und eines Slowenen geboren; sie erlebte ihre Kindheit in Budapest, Ljubljana und Triest, lebt aber bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr in Zürich. ... Sie hat unter anderem Werke der russischen Schriftstellerin Marina Zwetajewa, des Serbokroaten Danilo Kis, der Ungarn Imre Kertész und Péter Nádas sowie der Französin Marguerite Duras ins Deutsche übertragen. Als Schriftstellerin hat sie bei Suhrkamp Gedichte und Essays publiziert.
2. Über eine Buchmesse in Simbabwe berichtet die NZZ am 2.9.: Das beliebte Book Café im Harare ist seit Ende der 1990er Jahre allabendlicher Treffpunkt für Diskussions- und Musikveranstaltungen unabhängiger Kräfte. Noch immer rezitieren dort in der open-mic session jeden Montag zornige junge Poeten ihre Gedichte, werden kritische Bücher der Öffentlichkeit vorgestellt, Diskussionen mit in- und ausländischen Wissenschaftern zur gegenwärtigen Situation in Simbabwe abgehalten. Doch der Inhaber des Cafés, Paul Brickhill, weiss, dass er zunehmend vom Geheimdienst beobachtet wird und öffentlichen Diffamierungen ausgesetzt ist.
1. Geistige Gummibärchen**: Marineblaukleid In Erwägung,
daß dem New Yorker Spektakel der Bush, Schwarzenegger & Co. auch kein Gran Poesie abzugewinnen sei, zumindest aus Sicht des Alten Europa (Old Europe), daß des Einen sin Ul dem Annern Nachtigall, dergestalt daß den Einen reine Poesie, also reiner Ernst, was dem andern kein müdes Lächeln entlockt, ferner daß Ernst & Poesie unauflöslich verquickt sind, dergestalt daß ohne E kein P (und umgekehrt), & daß zur Poesie ebenso unabdingbar die Absichtslosigkeit gehört wie zur medialen Schau die totale Kontrolle (So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt, Tasso) etc. etc. pp.
erinnert sich der L&P-Redaktor eines Vorgangs aus der jüngeren Vergangenheit der Neuen Welt, bei dem Ernst & Poesie so unnachahmlich verquickt waren, wie es nur der Poesie eignet, & gedacht getan: wenn Sie dieses poetische Wunder lesen mögen, nehmen Sie die nächste beste Suchmaschine und tragen ihr das Wort "Marineblaukleid" oder "Mundgeschlecht" auf, und hastdunichtgesehn haben Sie ein Stück wahrer Poesie. (Wenn nicht: Suchmaschine ersetzen!). Wahre Poesie, obwohl und weil dort jedes Wort ernst (bierernst) gemeint war. Na gut, die Poesie kam da keinesfalls aus dem Weben und Streben der Verfasser Starr, Clinton, Lewinsky et al., sondern ein paar altweltliche Bösewichte jagten den ernsten Text, der ganz Amerika jahrelang ernsthaft beschäftigte, durch das Übersetzungsprogramm Babelfish, und heraus kam Marineblaukleid, Wunderückseite & Mundgeschlecht:
Nach Ansicht des Ms Lewinsky, hatten sie und der Präsident 10 sexuelles Treffen, acht, während sie am weißen Haus und an den zwei danach arbeitete trat das sexuelle Treffen im Allgemeinen innen auf oder nähert sich der privaten Studie weg vom ovalen Büro -- häufig im fensterlosen Hallway außerhalb der Studie. während vieler ihres sexuellen Treffens, stand der Präsident, lehnend am Eingang des Badezimmers herüber von der Studie, die, er Ms Lewinsky erklärte, erleichtert seiner Wunderückseite.
Ms Lewinsky bezeugte, daß ihr körperliches Verhältnis zum Präsidenten Mundgeschlecht aber nicht sexuellen Verkehr umfaßte. nach Ansicht des Ms Lewinsky, führte sie Mundgeschlecht auf dem Präsidenten durch; er führte nie Mundgeschlecht auf ihrem zuerst, nach Ansicht des Ms Lewinsky, der Präsident würde lassen sie nicht Mundgeschlecht zur Beendigung durchführen durch. Im Verständnis des Ms Lewinsky hing seine Ablehnung mit " Vertrauen und dem Kennen ich nicht wohl genug. " zusammen, während ihres letzten zwei sexuellen Treffens, beide 1997, tat er ejaculate. Jubilate! **) Geistige Gummibärchen ist eine lose Folge über die Poesie des Medienspeak. | ||||||
In diesem Monat über (zur Nachricht bitte nach der angegebenen Nummer blättern): Antisemitismus: 17 Adonis: 11 Gegenwartsliteratur: 18 Dresden: 36 Festivals: 16, 34, 38 Gegenkultur: 31, 30, 21 Gummibärchen: 1 Lesekultur: 33, 25, 28, 25 Literaturpreise: 20, 13 Ode: 39 Simbabwe: 2 Verfolgung: 25, 6 Weimar: 37 Wettbewerbe: 26Gegenwartsliteratur: 18 Dresden: 36 Festivals: 16, 34, 38 Gegenkultur: 31, 30, 21 Gummibärchen: 1 Lesekultur: 33, 25, 28, 25 Literaturpreise: 20, 13 Ode: 39 Simbabwe: 2 Verfolgung: 25, 6 Weimar: 37 Wettbewerbe: 26Gegenwartsliteratur: 18 Dresden: 36 Festivals: 16, 34, 38 Gegenkultur: 31, 30, 21 Gummibärchen: 1 Lesekultur: 33, 25, 28, 25 Literaturpreise: 20, 13 Ode: 39 Simbabwe: 2 Verfolgung: 25, 6 Weimar: 37 Wettbewerbe: 26Gegenwartsliteratur: 18 Dresden: 36 Festivals: 16, 34, 38 Gegenkultur: 31, 30, 21 Gummibärchen: 1 Lesekultur: 33, 25, 28, 25 Literaturpreise: 20, 13 Ode: 39 Simbabwe: 2 Verfolgung: 25, 6 Weimar: 37 Wettbewerbe: 26 Adonis: 11 Allemann, Urs: 39 Artmann, H.C.: 20 Benn, Gottfried: 27 Beyer, Marcel: 18 Bianchi, Cristóbal: 14 Bormann, Edwin: 17 Brodsky, Joseph: 6 Carrasco, Julio: 14 Celan, Paul: 21 Crane, Hart: 19 Darwisch, Mahmud: 11 Eiseley, Loren: 7 Featherstone, Johanna: 4 Fink, Wilhelm: 15 Genet, Jean: 12 George, Stefan: 32 Ginsberg, Allen: 31 Grünbein, Durs: 18 Heaney, Seamus: 8 Herder, Johann Gottfried: 28 Hirsch, Edward: 7 Hölderlin, Friedrich: 39 Kahlau, Heinz: 23 Kling, Thomas: 18 Kooser, Ted: 7 Mandelstam, Ossip: 6 Meister, Ernst: 21 Milosz, Czeslaw: 8 Mörike, Eduard: 5, 10, 22, 27, 29, 37 Muqla, Ibn: 25 Petrarca, Francesco: 10 Prieto, José Joaquin: 14 Rakusa, Ilma: 3 Reimann, Andreas: 30 Rilke,Rainer Maria: 36 Sachs, Nelly: 7 Stadler, Arnold: 27 Stil, André: 35 Taufiq, Suleman: 24 Toys, Tom de: 21 Wagner, Jan: 13 Yasin, Nabil: 9Gegenwartsliteratur: 18 Dresden: 36 Festivals: 16, 34, 38 Gegenkultur: 31, 30, 21 Gummibärchen: 1 Lesekultur: 33, 25, 28, 25 Literaturpreise: 20, 13 Ode: 39 Simbabwe: 2 Verfolgung: 25, 6 Weimar: 37 Wettbewerbe: 26 | ||||||
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